Täglich verliert Österreich 20 Hektar an Boden

© Büro Landesrat Hiegelsberger v.l.n.r: Generaldirektor Dr. Kurt Weinberger (Hagelversicherung), Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger, Dr. Karl Kienzl (Stv. Geschäftsführer Umweltbundesamt)

Linz (17. Juni 2013):„Wir müssen dem Bodenschutz zum Durchbruch verhelfen. Dazu sollten wir Bewusstsein schaffen, dass der Boden die Basis für unser Leben ist. Mit einer bodenschonenden Raum- und Verkehrsplanung im Heute machen wir das Klima von morgen und verbauen damit nicht die Zukunft unserer Kinder“, appellieren gemeinsam der oberösterreichische Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger, Karl Kienzl - stellvertretender Geschäftsführer im Umweltbundesamt und Kurt Weinberger - Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung.

Stopp dem Bodenverbrauch

„Die Flächeninanspruchnahme ist ein globales Thema und wird zur Herausforderung für die Zukunft“, so Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer im Umweltbundesamt. Jedes Jahr werden in der EU Flächen in der Größe von Berlin verbaut. Rund die Hälfte davon wird versiegelt. Wichtige Bodenfunktionen wie die Speicherung von Wasser und Kohlenstoff gehen dabei verloren. Seit 2012 gibt es neue EU-Guidelines zur Begrenzung der Bodenversiegelung. Dafür hat das Umweltbundesamt die wissenschaftlichen Grundlagen entwickelt.

 

Zwei Drittel der Konsumgüter, die in der Europäischen Union verbraucht werden, benötigen zu ihrer Herstellung Böden, die außerhalb der EU liegen. Viele importierte Nahrungsmittel werden auf Böden produziert, die nicht besonders ertragreich sind, während in Europa wesentlich hochwertigere Böden verbaut werden. „Um unseren Lebensstil aufrecht zu erhalten, importieren wir etwa die Fläche von Europa. Und bei der Fortsetzung der bestehenden globalen Entwicklung wird uns diese Fläche außerhalb Europas langfristig nicht zur Verfügung stehen“, erläutert Kienzl.

 

"Wir müssen mit unseren Böden wesentlich sorgsamer umgehen. Nachhaltiges Flächenmanagement ist ein Gebot der Stunde“, so Karl Kienzl weiter. Das Ausweisen von Vorrangflächen für die landwirtschaftliche Produktion, für Hochwasser-Rückhaltezonen und für Naturräume kann dazu einen Beitrag leisten. Ebenso ist im Rahmen von UVP und SUP Verfahren die Prüfung des Bodenverbrauchs zweckmäßig. Jedenfalls sollte das Potenzial der Innenentwicklung genutzt und Industrie- und Gewerbebrachflächen Vorrang gegenüber Ansiedelungen auf der grünen Wiese gegeben werden.

Ressource Boden: Landwirtschaftliche Flächen gehen verloren

„In den vergangenen 60 Jahren ging ein Viertel der damals noch genutzten landwirtschaftlichen Fläche verloren. Heutzutage werden täglich rund 11 Hektar landwirtschaftlicher Fläche für Verkehr, Industrie, Wirtschafts- und Wohnraum verwendet und auf Dauer einer anderen Verwendung zugeführt. Rechnet man Freizeit- und Bergbauflächen mit ein, sind dies über 20 Hektar pro Tag“, erläutert Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

 

Der langfristige Trend der letzten 50 Jahre zeigt einen deutlichen Rückgang der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Hinzu kommt, dass es sich dabei nahezu um ausschließlich besonders hochwertige landwirtschaftliche Böden in Gunstlagen handelt. Im EU-Vergleich ist die jährliche Flächeninanspruchnahme in Österreich überdurchschnittlich hoch.

 

Das Fehlen von Versickerungsfläche erhöht die Hochwassergefahr. Die Grundwasserbelastung und Stoffkonzentration steigt, da bei punktueller Versickerung des Niederschlages weniger Nähr- und Schadstoffe im Boden gefiltert werden. Der natürliche Wasserkreislauf ist gestört.

 

„Wenn wir diese Entwicklung nicht stoppen ist bereits in einem Jahr so viel wie die gesamte landwirtschaftliche Fläche Wiens (7.300 ha) und in 35 Jahren so viel wie die gesamte Fläche Vorarlbergs (256.000 ha) verbaut. Das wäre dramatisch“, warnt Landesrat Hiegelsberger.

 

 

Bodenzerstörung gefährdet Lebensmittelversorgungssicherheit und Klimaschutz

Mit dem raren Gut Boden wird in Österreich viel zu sorglos umgegangen. Der Österreichischen Hagelversicherung als Naturkatastrophenversicherer der Landwirtschaft liegt enorm viel daran, dass der tägliche Verlust von rund 20 Hektar Boden - das ist die Größe eines durchschnittlichen heimischen Bauernhofs - umgehend und deutlich reduziert wird. Denn das Verbauen und Versiegeln von wertvollem Acker- und Grünland für Verkehrs-, Industrie- und Siedlungszwecke hat negative ökologische und wirtschaftliche Folgen. Wirtschaftliche Konsequenzen deshalb, weil damit täglich die Lebensmittelversorgungssicherheit Österreichs reduziert wird und wir zunehmend von Lebensmittelimporten abhängig werden. Ökologische Folgen, weil der Boden als CO2-Speicher (Photosynthese) entscheidend für eine funktionierende Umwelt ist. Wenn derart große Flächen des CO2-Speichers ‚Boden' versiegelt werden, wird der Klimawandel mit einer Zunahme von Wetterextremereignissen beschleunigt. Mit einem Wort: Boden ist ein wichtiger Klimaschutzfaktor. Auch die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern und zurückzuhalten, fällt weg, was zu entsprechenden negativen Folgen führt.

 

"Deshalb ist es wichtig, dass sich diese existenzgefährdende Entwicklung rasch verlangsamt. Daher unterstützen wir als Naturkatastrophenversicherer alle Maßnahmen auf Länder- und Bundesebene, die zu einer spürbaren Reduktion des Bodenverbrauchs führen“, erklärte Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung.

Kontakt

Sabine Enzinger, Pressestelle Umweltbundesamt, Tel.: 01/31304/5488