Fünfter Welt-Klimareport

Temperatur wird weiter steigen

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(Stockholm/Wien, 27.9.2013) In Stockholm haben sich heute VertreterInnen und ExpertInnen der Staatengemeinschaft über die Zusammenfassung des ersten Bandes des fünften Welt-Klimareports geeinigt. Dieser bündelt das globale Wissen über den Klimawandel. Am sogenannten „fünften Sachstandsbericht“ des Welt-Klimarates IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) haben auch VertreterInnen von Umweltbundesamt und der ZAMG – Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik sowie andere österreichische Forschungseinrichtungen mitgewirkt.

 

„Der Bericht bestätigt wesentliche Erkenntnisse des vierten Sachstandsberichtes. Die Belege für Änderungen im gesamten Klimasystem sind jetzt noch umfassender und verlässlicher“, erläutert Jürgen Schneider, Leiter des Bereichs Wirtschaft und Wirkung im Umweltbundesamt.

 

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Die globale oberflächennahe Mitteltemperatur ist von 1880 bis 2012 um 0,85 Grad angestiegen und wird bis zum Ende dieses Jahrhunderts selbst bei sehr großen weltweiten Anstrengungen zur Emissionsminderung um weitere 0,7°Grad zunehmen. Ohne derartige Anstrengungen wird der Anstieg deutlich höher sein und kann zusätzlich zur jetzigen Erwärmung noch 3°Grad betragen.
  • Die Freisetzung von Treibhausgasen durch den Menschen ist mit großer Sicherheit die Hauptursache des gegenwärtigen Klimawandels. Natürliche Faktoren wie Schwankungen der Sonnenaktivität oder Vulkanausbrüche haben auf die gegenwärtige Erwärmung nur einen geringen Einfluss.
  • Neben der Erhöhung der oberflächennahen Mitteltemperatur werden auch die Ozeane wärmer und versauern zunehmend, Gletscher und Permafrostböden tauen, die Polkappen verlieren an Masse, der Meeresspiegel steigt (seit 1901 um knapp 20 cm, bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um jedenfalls weitere 25 cm bzw. um weitere 97 cm, je nach Freisetzung der Treibhausgase).
  • Neue Erkenntnisse lassen erkennen, dass eine Temperaturerhöhung in den arktischen Regionen von nur wenig mehr als 1,5 Grad über dem gegenwärtigen Niveau zu einem langfristigen (über das Jahr 2100 hinaus) Anstieg des Meeresspiegels um mehr als 5 Meter führen würde.
  • Jede Temperaturerhöhung wird auch zu einer Erhöhung der Anzahl, Intensität und Dauer von Hitzewellen sowie Starkregen führen. Davon ist auch Mitteleuropa betroffen.
  • Ungebremste Treibhausgasemissionen würden damit zu Veränderungen, wie sie seit hunderten bis tausenden von Jahren nicht aufgetreten sind, führen. Viele der Änderungen im Klimasystem würden dann für Jahrhunderte bestehen bleiben.
  • Bliebe die derzeitige Emissionsrate unverändert, dann wäre schon Mitte dieses Jahrhunderts so viel Kohlendioxid in der Atmosphäre, dass die globale Mitteltemperatur über 1.5 °Grad gegenüber dem derzeitigen Niveau ansteigen würde.

 

Kohlenstoff-Budgets

Erstmalig werden vom IPCC Kohlenstoff-Budgets für unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten angegeben, die nicht überschritten werden dürfen, wenn die globale Erwärmung auf maximal 2°Grad gegenüber vorindustriellem Niveau beschränkt werden soll. So sollten beispielsweise die gesamten vom Menschen verursachten CO2-Emissionen etwa 800 Milliarden Tonnen nicht überschreiten, wenn 2°Grad Erwärmung mit einer Wahrscheinlichkeit von 66 Prozent eingehalten werden sollen. Die bisherigen Gesamtemissionen betragen knapp über 500 Milliarden Tonnen. „Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass unsere bisherigen Anstrengungen zur Verminderung der Freisetzung von Treibhausgasen erst am Anfang stehen. Dies gilt für Österreich, die EU, aber auch für andere Länder.“ betont Jürgen Schneider und hofft, dass die internationalen Verhandlungen zu einem globalen Klimaabkommen durch den Bericht neuen Schwung bekommen.

 

Aussagen zum verlangsamten Temperaturanstieg

Die globale Mitteltemperatur der Luft in Bodennähe ist in den vergangenen 15 Jahren langsamer angestiegen als in den Jahrzehnten davor. Daraus kann man aber nicht auf eine Abschwächung des globalen Klimawandels schließen, denn der langfristige Trend des Klimawandels ist von kurzfristigeren internen Schwankungen im Klimasystem überlagert. Diese kurzfristigen Schwankungen werden von den Modellrechnungen noch nicht vollständig abgebildet. Der Direktor der ZAMG Michael Staudinger weist außerdem daraufhin, dass der Temperatur-Anstieg regional sehr unterschiedlich ausfällt: „Während in den letzten 15 Jahren global der Temperaturanstieg pro Dekade 0,05 Grad betrug waren es in Österreich 0,15 Grad, also das Dreifache“.

 

Kontakt

Sabine Enzinger, Pressestelle Umweltbundesamt, Tel. 01/31304-5488

Thomas Wostal, Öffentlichkeitsarbeit ZAMG, Tel. 0664 75057109