Human-Biomonitoring Studien des Umweltbundesamtes

Phthalate, Bisphenol A, HCB

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(Wien, 1. Juni 2015) Das Umweltbundesamt hat in einer umfangreichen Studie die Belastung der ÖsterreicherInnen mit zwei der meist verbreiteten Industriechemikalien, Phthalate und Bisphenol A, untersucht. Bei allen 600 StudienteilnehmerInnen wurden Phthalate nachgewiesen. Nur wenige Personen sind mit Bisphenol A belastet. Insgesamt sind die gefundenen Konzentrationen geringer als im internationalen Vergleich. Erstmals wurden auch Referenzwerte – sie spiegeln die Belastung wieder, die bei 95% der Bevölkerung vorliegt – für Österreich abgeleitet. In einer weiteren Untersuchung zu Hexachlorbenzol wurden im Rahmen der Untersuchung von fast 100 Personen erstmals Vergleichsdaten für Österreich bestimmt.

 

Phthalate

Insgesamt wurden 14 Stoffwechselprodukte der Substanz im Harn analysiert. Kinder sind die am stärksten belastete Gruppe; nur Monoethylphthalat ist bei Erwachsenen in wesentlich höheren Konzentrationen zu finden. Frauen weisen höhere Konzentrationen als Männer auf.

Bei den meisten StudienteilnehmerInnen wurden nicht nur ein Stoffwechselprodukt, sondern gleich mehrere unterschiedliche nachgewiesen.

 

Bisphenol A

Nur wenige StudienteilnehmerInnen (16%) sind mit Bisphenol A belastet. Die Konzentration sinkt mit zunehmendem Alter.

 

Gesundheitliche Auswirkungen

Phthalate werden als Weichmacher in Kunststoffen eingesetzt und gelten als höchst gesundheitsgefährdend; sie beeinflussen das Hormonsystem und die Reproduktionsfähigkeit und können den Fötus im Mutterleib schädigen. Sie werden vorwiegend mit der Nahrung, aber auch über Luft und Haut aufgenommen.

 

Bisphenol A wird u.a. für die Herstellung von Polykarbonaten, Epoxidharzen, Thermopapier und PVC verwendet. Die Substanz ist endokrin wirksam und beeinflusst das Hormonsystem und die Fruchtbarkeit. Studien zeigen Zusammenhänge mit u.a. kardiovaskulären Erkrankungen und Diabetes.

 

Phthalate und Bisphenol A in Harnproben

Die Umweltbundesamt-Studie ist Teil einer Dissertation „Human Biomonitoring of Phthalates and Bisphenol A Exposure in Austria“, deren Ergebnisse im International Journal of Hygiene and Environmental Health veröffentlicht wurde. Sie basiert auf der Datengrundlage des Instituts für Ernährungswissenschaften der Universität Wien im Rahmen der vom Gesundheitsministerium finanzierten Studie zum österreichischen Ernährungsbericht, und wurde durch ein Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie durch das BMFLUW finanziert. Unterstützung bei der Probenahme wurde von der AGES, von den Landes-Sanitätsbehörden Steiermark und Salzburg sowie von den Universitätsinstituten aus Innsbruck und Wien geleistet.

 

 

Hexachlorbenzol

Bislang gab es nur spärliche Informationen über die Belastung der ÖsterreicherInnen. Im Rahmen der Untersuchung wurde basierend auf Mischproben die durchschnittliche Konzentrationen im Blutplasma von 97 Männern und Frauen im Alter von 20 bis 69 Jahren aus zumeist ländlichen Regionen (mit Ausnahme von Kärnten) ermittelt. Die Konzentrationen liegen zwischen 0,15 μg/l und 0,6 μg/l und nehmen mit steigendem Alter deutlich zu. Frauen sind tendenziell stärker belastet als Männer.

 

Gesundheitliche Auswirkungen

Hexachlorbenzol (HCB) wurde als Fungizid in der Landwirtschaft zur Saatgutbehandlung und in Holzschutzmitteln sowie als Zusatzstoff in PVC-Produkten und Klebstoffen eingesetzt. Zusätzlich kann die Substanz als Nebenprodukt in der Kunststoff- und Lösemittelherstellung entstehen. HCB ist ubiquitär verbreitet, persistent in der Umwelt und kann über die Nahrungskette akkumulieren. Die Aufnahme kann oral, dermal und über die Lunge erfolgen. Zusätzlich gelangt es über die Muttermilch in den Säugling. HCB ist ein potenzielles Kanzerogen.

 

Human-Biomonitoring

Human-Biomonitoring, ein Instrument der gesundheitsbezogenen Umweltbeobachtung, erfasst die Belastung des Menschen mit Umweltschadstoffen. Das Umweltbundesamt betreibt seit 2008 ein akkreditiertes Human-Biomonitoring-Labor und leitet die österreichische Plattform für Human-Biomonitoring.

 

Das Umweltbundesamt in Kürze

Das Umweltbundesamt, Österreichs führende ExpertInnen-Einrichtung für Umweltthemen, feiert im Jahr 2015 sein 30jähriges Bestehen. Mit über 450 MitarbeiterInnen aus 55 wissenschaftlichen Disziplinen zählt es heute zu den größten Arbeitgebern Österreichs im Umweltbereich. In seiner 30jährigen Geschichte hat das Unternehmen mit seiner Expertise Umweltschutz und -kontrolle in Österreich und Europa entscheidend mitgestaltet. Das Umweltbundesamt entwickelt Strategien und Lösungen für EntscheidungsträgerInnen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft um Herausforderungen wie dem Klimawandel, der Ressourcenknappheit oder der Energiewende zu begegnen. International ist das Umweltbundesamt in über 200 Netzwerken und Gremien aktiv und berät unter anderem das Europäische Parlament und die EU-Kommission.

 

Kontakt und weitere Informationen

Sabine Enzinger, Pressestelle Umweltbundesamt, Tel.: 01/313 04-5488