Wo fremde Arten Wurzeln schlagen

© Franz Essl

Wien, 19. August 2015 – Die Ausbreitung nicht-heimischer Pflanzenarten nimmt weltweit zu. Das zeigt eine neue Studie eines internationalen ForscherInnenteams in der aktuellen Ausgabe des renommierten Fachmagazins „Nature“. Für die Studie wurden erstmals regionale Listen von eingeschleppten Pflanzen auf der ganzen Welt zusammengeführt und analysiert. Im ForscherInnenteam waren auch zwei österreichische Experten, Franz Essl und Dietmar Moser, die im Umweltbundesamt und an der Universität Wien beschäftigt sind. Die Studie zeigt, dass weltweit bereits 13.168 Pflanzenarten durch den Menschen verschleppt wurden – das entspricht rund 3,9 Prozent der weltweiten Flora. Zum Vergleich: In ganz Europa sind nur etwa 12.000 Pflanzenarten heimisch, in Österreich sind es etwa 3.000 Arten.

 

Mit beinahe 6.000 nicht-heimischen Arten weist Nordamerika die größte Zahl an eingebürgerten Pflanzenarten auf, gefolgt von Europa mit über 4.000 eingeschleppten Arten. Im Verhältnis zu ihrer Fläche verzeichnen allerdings Inseln den größten Zuwachs an eingeschleppten Pflanzenarten. Die Länder der nördlichen Hemisphäre sind die größten "Pflanzenexporteure", allen voran Europa und der nicht-tropische Teil Asiens. "Im Zuge der Kolonialisierung anderer Erdteile haben EuropäerInnen viele ihnen vertraute Pflanzen in anderen Erdteilen eingeführt, häufig mit dramatischen Folgen für die dortigen heimischen Arten", erläutert Franz Essl und ergänzt: "Unsere Studie zeigt, dass die biologische Globalisierung ein weltweites Phänomen geworden ist – mit oftmals unabsehbaren Auswirkungen auf heimische Arten, aber auch auf Land- und Forstwirtschaft."

 

Auf Grundlage der ermittelten Daten erwarten sich die WissenschafterInnen unter anderem neue Erkenntnisse über Muster bei der Verschleppung von Pflanzenarten und die Eigenschaften der Pflanzen, die ihre Ansiedlung in neuen Gebieten begünstigen.

Das Umweltbundesamt in Kürze

 

Das Umweltbundesamt, Österreichs führende ExpertInnen-Einrichtung für Umweltthemen, feiert im Jahr 2015 sein 30jähriges Bestehen. Mit über 450 MitarbeiterInnen aus 55 wissenschaftlichen Disziplinen zählt es heute zu den größten Arbeitgebern Österreichs im Umweltbereich. In seiner 30jährigen Geschichte hat das Unternehmen mit seiner Expertise Umweltschutz und -kontrolle in Österreich und Europa entscheidend mitgestaltet. Das Umweltbundesamt entwickelt Strategien und Lösungen für EntscheidungsträgerInnen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft um Herausforderungen wie dem Klimawandel, der Ressourcenknappheit oder der Energiewende zu begegnen. International ist das Umweltbundesamt in über 200 Netzwerken und Gremien aktiv und berät unter anderem das Europäische Parlament und die EU-Kommission. 

 

Weitere Informationen:
Sabine Enzinger, Pressestelle Umweltbundesamt, Tel.: 01/313 04-5488

Infobox

Quellen

Publikation in Nature:

van Kleunen M, Dawson W, Essl F, Pergl J, Winter M, Weber E, Kreft H, Weigelt P, Kartesz J, Nishino M, Antonova La, Barcelona JF, Cabezas FJ, Cárdenas D, Cárdenas-Toro J, Castaño N, Chacón C, Chatelain C, Ebel AL, Figueiredo D, FuentesN, Groom QJ, Henderson L, Inderjit, Kupriyanov A, Masciadri S, Meerman J, MorozovaO , Moser D, Nickrent D, Patzelt A, Pelser PB, Baptiste MP, Poopath M, Schulze M, Seebens H, Shu W, Thomas J, Velayos M, Wieringa JJ & Pyšek P (2015) Global exchange and accumulation of non-native plants. in Nature
DOI:10.1038/nature14910.

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