Pkw-Emissionen: Verbrauchs- vs. Testwerte

Vorab-Auswertung einer Studie des Umweltbundesamtes im Auftrag der AK

© Umweltbundesamt/B. Gröger

(Wien, 29.9.2015) Erstmals hat das Umweltbundesamt für die AK für die 21 meistgefahrenen Automarken Österreichs die realen Verbrauchswerte mit den Testwerten der Hersteller verglichen. Im Auswertungszeitraum 2000 bis 2013 hat sich der Abstand zwischen CO2-Emissionen aus dem Realbetrieb zu jenen gemäß Typprüfung deutlich erhöht. Während die durchschnittliche Abweichung 2000 rd. 7% betrug, lag sie 2013 bereits bei rd. 27%.

 

Das Umweltbundesamt hat die Diskrepanz zwischen Herstellerangaben für CO2-Emissionen und realem Fahrbetrieb untersucht. Dafür wurden für die Jahre 2000 bis 2013 auf Basis der österreichischen Zulassungsdaten inkl. Motorisierung (Statistik Austria) die 30 Fahrzeugmodelle erfasst, die am häufigsten in Österreich neu zugelassen wurden.

 

Zu jedem Fahrzeugmodell wurde auf Basis der Datenbank www.spritmonitor.de der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch ermittelt und in CO2 umgerechnet. Diese Datenbank ist die umfassendste öffentlich zugängliche Datenquelle zum Realverbrauch von Pkw in Europa und umfasst Verbrauchsdaten von 300.000 Fahrzeugen. Die Datenbank wird mehrheitlich von privaten PKW-NutzerInnen befüllt. Unsicherheiten bestehen bezüglich Modell/Motorenänderungen innerhalb eines Baujahres oder konkreter Ausstattungsvarianten der Fahrzeuge.

 

Die vom Hersteller angegebenen CO2-Emissionen laut Typprüfung stammen aus spezifischen Datenbanken bzw. Produktkatalogen. Herstellerangaben und Realdaten wurden gegenübergestellt und so für jedes Fahrzeugmodell eine Abweichung ermittelt. Diese Abweichungen wurden nach Anzahl der Zulassungen gewichtet.

 

Ergebnisse

Im Auswertungszeitraum 2000 bis 2013 hat sich der Abstand zwischen CO2-Emissionen aus dem Realbetrieb zu jenen gemäß Typprüfung deutlich erhöht. Während die durchschnittliche Abweichung 2000 rd. 7% betrug, lag sie 2013 bereits bei rd. 27%. Ein weiterer Anstieg in den Jahren 2014 und 2015 zeichnet sich in internationalen Studien bereits ab.

 

In den Jahren 2000 bis 2013 waren insgesamt 21 verschiedene Fahrzeughersteller mit bis zu vier Fahrzeugmodellen jährlich in der Top-30-Neuzulassungsstatistik vertreten, Volkswagen sogar mit sieben bis zwölf Modellen. Viele Hersteller sind allerdings nur mit einem Fahrzeugmodell pro Jahr vertreten, die Ergebnisse sind daher nicht auf die gesamte Produktpalette einer Marke übertragbar.

 

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die realen CO2-Emissionen der analysierten Fahrzeug­modelle die CO2-Emissionen aus dem Testbetrieb im Jahr 2013 durchschnittlich um 27% über­steigen. Ein wesentlicher Grund dafür sind die bestehenden Testbedingungen.

Derzeit laufen Verhandlungen über einen neuen Fahrzyklus, den WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure), der zukünftig für die Typprüfung angewendet werden soll. Um die Abweichungen zwischen Testbetrieb und Realverbrauch zu reduzieren, ist es notwendig diesen Fahrzyklus um einen Test unter realen Fahrbedingungen zu ergänzen. Vorgesehen ist die Ein­führung Ende 2017, von Seiten der Industrie werden Übergangsfristen bis 2020 verlangt. Angesichts der wachsenden Abweichungen sind lange Übergangsfristen aus Umweltsicht kontraproduktiv.

 

Weitere Informationen

Sabine Enzinger, Pressestelle Umweltbundesamt; Tel. 01/31304-5488; E-mail: sabine.enzinger@umweltbundesamt.at