Mikroplastik in der Umwelt

Kleinsten Teilchen mit modernster Analytik auf der Spur

© Bettina Liebmann

Wien, 14. Oktober 2015 – Kleinste Plastik-Bruchstücke in der Umwelt nachzuweisen, erfordert modernste Gerätetechnik und viel Erfahrung bei der Analyse verschiedener Umweltmedien. Das Umweltbundesamt verfügt über die Technik und das Know-how, um Mikroplastik im unteren Mikrometerbereich, d.h. im Bereich von Millionstel Meter, nachzuweisen. Mittels Infrarot-Spektroskopie und Mikroskopie können die ExpertInnen den Anteil an Plastik-Bruchstücken in den Proben ermitteln und feststellen, um welche Kunststoffart es sich handelt. "Mikroplastik wird weltweit zu einem immer größeren Umweltproblem. Wir wissen aber noch zu wenig darüber, woher es kommt, wie es sich zusammensetzt und mit welchen Maßnahmen der Eintrag in die Umwelt reduziert und verhindert werden kann“, erklärt der stellvertretende Geschäftsführer des Umweltbundesamtes, Karl Kienzl. „Das Umweltbundesamt leistet auf diesem Gebiet Pionierarbeit und wendet die verfügbaren Analyse-Methoden als eine von wenigen Einrichtungen in Europa in verschiedenen Umweltmedien an.“

Neuer Umweltbundesamt-Report deckt Quellen auf und analysiert Risiken

 

Der neue Report „Mikroplastik in der Umwelt“ bietet einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zum Vorkommen und zum Nachweis von (Mikro-)Plastik in Luft, Boden und Grundwasser. Als Mikroplastik werden Plastik-Bruchstücke bezeichnet, die kleiner als 5 mm sind. Als mögliche Quellen ermittelten die Umweltbundesamt-ExpertInnen Kosmetika, Verluste in den Betriebsanlagen der Kunststoff-Industrie, Littering (das achtlose Wegwerfen oder „Verlieren“ von Plastik-Abfällen), Spezialanwendungen von Mikroplastik in der Medizin oder beim Sandstrahlen und den Reifenabrieb im Straßenverkehr. In ausgewählten Lebensmitteln konnte bei Untersuchungen im Umweltbundesamt kein Mikroplastik nachgewiesen werden.

 

Wie sich Kunststoffpartikel auf Umweltorganismen auswirken, ist noch wenig erforscht. Die Ausnahme bilden vereinzelte Studien über Vorkommen und Auswirkungen von (Mikro-)Plastik im Meer und in Oberflächengewässern. Bekannt sind auch die Risiken einzelner Schadstoffe, die im Kunststoff enthalten sein können (Phthalate, Bisphenol A etc.) oder sich an Kunststoff anlagern können (v. a. persistente organische Schadstoffe). Bei den im Report analysierten Umweltmedien gibt es aber noch große Wissenslücken. Für eine ganzheitliche Risikoabschätzung sind weitere, umfassende Studien erforderlich.

Umweltbundesamt macht Mikroplastik zum Thema

 

Der aktuelle Report ist nach der europaweit einzigartigen Untersuchung „Plastik in der Donau“ eine weitere Publikation des Umweltbundesamtes im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, die sich mit dem Thema befasst und wichtige wissenschaftliche Grundlagen liefert. Auf europäischer Ebene setzt sich das Umweltbundesamt dafür ein, gemeinsame Strategien gegen die Plastik-Verschmutzung zu entwickeln und länderübergreifende Lösungen zu finden. Den Anfang machte ein Stakeholder-Workshop beim Netzwerktreffen der Europäischen Umweltagenturen, den die österreichische ExpertInnen-Einrichtung anregte und leitete. In den nächsten Jahren soll das Thema in einer länderübergreifenden Arbeitsgruppe weitergeführt werden. Ziel dieser Arbeitsgruppe ist, die Plastikverschmutzung in der Umwelt zu reduzieren.

Das Umweltbundesamt in Kürze

 

Das Umweltbundesamt, Österreichs führende ExpertInnen-Einrichtung für Umweltthemen, feiert im Jahr 2015 sein 30jähriges Bestehen. Mit über 450 MitarbeiterInnen aus 55 wissenschaftlichen Disziplinen zählt es heute zu den größten Arbeitgebern Österreichs im Umweltbereich. In seiner 30jährigen Geschichte hat das Unternehmen mit seiner Expertise Umweltschutz und -kontrolle in Österreich und Europa entscheidend mitgestaltet. Das Umweltbundesamt entwickelt Strategien und Lösungen für EntscheidungsträgerInnen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft um Herausforderungen wie dem Klimawandel, der Ressourcenknappheit oder der Energiewende zu begegnen. International ist das Umweltbundesamt in über 200 Netzwerken und Gremien aktiv und berät unter anderem das Europäische Parlament und die EU-Kommission.

 

Rückfragehinweis:

Petra Kestler, Pressestelle Umweltbundesamt, Tel.: 01/31304-5432