Tempo 80 auf Freilandstraßen

Mehr Verkehrssicherheit, weniger Umweltbelastung

© Umweltbundesamt/I.Oberleitner

Wien, 23. November 2015 – Bei einer Veranstaltung des Umweltbundesamtes in Kooperation mit der österreichischen Forschungsgesellschaft Straße Schiene Verkehr (FSV) und der österreichischen verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft (ÖVG) am 19. November in Wien diskutierten ExpertInnen Erfahrungen, Erkenntnisse und Umsetzungsmöglichkeiten einer Entschleunigung auf Österreichs Freilandstraßen.

Die Vorteile einer Verringerung des Tempos von 100 auf 80km/h sind aus wissenschaftlicher Sicht national und international unumstritten: Die Verkehrssicherheit steigt, die Schadstoffemissionen sinken und die Lärmbelastung fällt deutlich geringer aus.

 

„Tempolimits sind ein effektives Mittel, um Schadstoffe und Lärm zu reduzieren und die Sicherheit auf Österreichs Freilandstraßen zu erhöhen“ fasst Günther Lichtblau, Verkehrsexperte des Umweltbundesamtes, die Vorteile der Temporeduktion zusammen. „Ähnliche Effekte lassen sich nur mit Fahrverboten oder Steuererhöhungen erreichen – im Vergleich zu diesen Maßnahmen sind Tempolimits einfach umzusetzen und auch kostengünstig.“

Schweizer Vorbild

Europaweit darf nur in Österreich und Deutschland 100km/h auf Freilandstraßen gefahren werden. In der Schweiz gilt Tempo 80 auf Landstraßen bereits seit 1985. Dass diese Geschwindigkeit auch eingehalten wird, dafür sorgt die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung (Zustimmung von 87 %) und auch niedrige Toleranzgrenzen bei der Verkehrskontrolle. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass seit der Einführung des Tempolimits auf Landstraßen ein deutlicher Rückgang der tödlichen Unfälle zu verzeichnen ist. Im europaweiten Vergleich sterben bezogen auf die Bevölkerung in der Schweiz die wenigsten Personen im Straßenverkehr – dies ist auch ein Effekt von Tempo 80 auf Freilandstraßen.

 

Geringere Schadstoffemissionen und weniger Lärm

Ein durchschnittlicher PKW stößt bei Tempo 80 statt 100 um 15 % weniger Stickoxide aus und verbraucht um 5 % weniger Kraftstoff. Noch höher ist der Effekt bei leichten Nutzfahrzeugen, hier sinken die NOx-Emissionen um bis zu 40 %, die Treibhausgas-Emissionen um etwa 15 %. Tempo 80 auf der Salzburger Stadtautobahn hat z. B. zu einer Reduktion der NO2-Belastung um etwa 8 % geführt und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Einhaltung der geltenden Luftgütegrenzwerte und zum Schutz der Gesundheit der AnrainerInnen.

Tempo 80 statt Tempo 100 auf Freilandstraßen leistet ebenfalls einen wichtigen Beitrag zum Lärmschutz. Der Lärmpegel von PKW reduziert sich durch die verringerte Geschwindigkeit um ca. 2 dB, was einer Lärmreduktion wie bei einer Reduktion des PKW Verkehrsaufkommens um ein Drittel entspricht.

Verkehrsplanung und verkehrspsychologische Aspekte

Weitere Aspekte von Tempolimits, die bei der Veranstaltung von nationalen und internationalen ReferentInnen beleuchtet wurden, waren Aspekte der Verkehrsplanung und der Verkehrspsychologie. Problematisch ist hierbei, dass die bestehende Infrastruktur aufgrund der Ausgestaltung des Straßenraums oftmals zu höheren Geschwindigkeiten animiert. Eine Empfehlung der FSV ist die Senkung des allgemeinen Tempolimits auf Landstraßen auf 80 km/h und eine Erhöhung des Tempolimits auf 100 km/h, wo u. a. straßenbauliche Gegebenheiten wie Kurvenradien und Sichtweiten dies zulassen.

 

Ob AutofahrerInnen die Tempolimits annehmen und einhalten, hängt auch davon ab, ob sie kontrolliert und gestraft werden. Dabei spielt auch die Höhe der Toleranzgrenze, ab der Strafen verhängt werden, eine Rolle. In der Steiermark hat sich in einem Pilotprojekt gezeigt, dass die Anzahl der Strafen für höhere Geschwindigkeitsübertretungen deutlich zurückgingen als die Toleranzgrenze auf 10 % der erlaubten Geschwindigkeit gesenkt wurde. Aus psychologischer Sicht kommt es auch darauf an, wie sich andere AutofahrerInnen verhalten und wie häufig und unmittelbar das falsche Verhalten bestraft wird. Noch zielführender wäre die Belohnung für das richtige Verhalten. 

Bedenken der AutofahrerInnen trotz geringer Zeitverluste

Zwischen dem empfundenen und dem tatsächlichen Zeitverlust zwischen Tempo 100 und 80 besteht mitunter eine große Diskrepanz. Der Zeitunterschied bei 20 km freier Fahrtstrecke beträgt drei Minuten. Bei einem Abstand von einem Kilometer zwischen zwei Ortschaften bspw. beträgt der Unterschied gerade 6,6 Sekunden!

 

Zusammenfassend hielten die ExpertInnen fest, dass es sich bei Tempolimits um eine besonders effektive Maßnahme zur Verbesserung des Verkehrssystems handelt, die Anzahl der Unfälle mit Getöteten und Verletzten massiv reduziert wird und ökologische Effekte - Verbesserung der Luftqualität, Reduktion von Treibhausgasen und Lärmbelastung - rasch und einfach erzielt werden. In der Schlussdiskussion waren sich die ReferentInnen einig: die politischen EntscheidungsträgerInnen sind gefordert, die Maßnahme einzuführen und dies mit Informations- und Aufklärungsarbeit zu unterstützen.

 

Weitere Informationen: 

Ingeborg Zechmann, Pressesprecherin, Tel.: 01/31304-5413