Umweltbundesamt zum Ausklang des IYS

(Wien, 18.12.2015) "Böden sind unsere Lebensgrundlage. Sie sind wesentlich für die Ernährungssicherheit, für das Funktionieren von Ökosystemen, für reines Trinkwasser, für den Schutz vor Hochwasser und für das Klima. Bodenschutz bedeutet, das Naturkapital der Gesellschaft zu sichern“, erinnert Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer im Umweltbundesamt zum Ausklang des Internationalen Jahrs des Bodens und nennt ein effizientes, strategisches Flächenmanagement und die Erhaltung der Bodenfunktionen als die größten Herausforderungen. „Dazu ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft notwendig", so Kienzl weiter und weist auf die zahlreichen nationalen und internationalen Projekte und Initiativen des Umweltbundesamtes hin.

 

Flächenentwicklung und Landnutzung

Seit Jahresbeginn managt das Boden-Netzwerk b5 unter Leitung des Umweltbundesamtes das Sekretariat der IUSS, der globalen Dachorganisation der bodenkundlichen Gesellschaften mit mehr als 20.000 Mitgliedern aus 70 Staaten. Kienzl begrüßt die im Rahmen einer Konferenz in Wien vor kurzem verabschiedete „Wiener Bodendeklaration“. Darin wird auf die Bedeutung der Böden für die Ernährungssicherheit hingewiesen und ein Stopp der fortschreitenden Versiegelung landwirtschaftlicher Böden gefordert.

 

Eine neue Forschungsagenda für eine nachhaltige Landnutzung und ein effizientes Bodenmanagement in Europa wird im Rahmen des Projekts INSPIRATION entwickelt. Dazu wird der Forschungsbedarf in 16 EU-Mitgliedstaaten erhoben. Im November hat das Umweltbundesamt den Workshop "boden.raum.planung" in Zusammenarbeit mit der BOKU und anderen Partnern veranstaltet. Mit der Implementierung der Forschungsagenda wird in den nächsten Jahren notwendiges Wissen generiert um Lösungsansätze im Bereich Landnutzung und Bodenschutz zu entwickeln.

 

Der Landnutzung und Flächenentwicklung in ganz Europa widmet sich seit 2015 auch das neue „Topic Center für Stadt, Land- und Bodenmonitoring“ unter der Leitung des Umweltbundesamtes. Ein Team von ExpertInnen aus acht Ländern sammelt Daten über die Landnutzung in Europa, ihre Entwicklung und ihre Umwelteffekte aus allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Umweltagentur. Die ExpertInnen führen Erkenntnisse aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen zusammen und entwickeln Empfehlungen für die nachhaltige Raumnutzung in Europa.

 

Bewusstseinsbildung und online-Tools

„Auch jeder Einzelne kann zum Bodenschutz beitragen, dazu sind entsprechendes Bewusstsein und Wissen Voraussetzung“, erklärt Karl Kienzl. Das Umweltbundesamt widmet sich gemeinsam mit Partnern seit vielen Jahren der Bewusstseinsbildung zum Thema Boden, unter anderem mit den Projekten „Boden macht Schule“ und „Bodenschutz.com - mach mit“. Um aus der Vielfalt der zahlreichen Bildungsangebote passende Angebote zu finden, hat das Umweltbundesamt den „BodenBildungsNavigator“ entwickelt. Seit Ende November steht der digitale Wegweiser unter www.bodenbildungsnavigator.at zur Verfügung. Er kann kostenlos genutzt werden.

 

Mit der Broschüre „BodenReich“ haben das Forum Umweltbildung und das Umweltbundesamt eine Lernunterlage für Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren aller Schultypen entwickelt. Darin wird auf Boden im Zusammenhang mit Landwirtschaft, Ernährungssicherheit, Klima und Landgrabbing eingegangen. Dadurch sind eine kritische Auseinandersetzung und systemische Betrachtungsweisen möglich, die Raum für Visionen und Handlungsoptionen eröffnen. Die Broschüre eignet sich für den Einsatz in naturwissenschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Unterrichtsfächern.

 

Mit dem Boden-Kohlenstoff-Rechner hat das Umweltbundesamt gemeinsam mit Partnern ein Tool entwickelt, das  LandwirtInnen zeigt, wie sich ihre aktuelle Bewirtschaftung im Rahmen der prognostizierten Klimaänderungen auf die Humusversorgung der Böden auswirkt. Mit dem Rechner können die Auswirkungen von Maßnahmen abgebildet werden, die geeignet sind  die Humusversorgung zu erhöhen.

 

Das vom Umweltbundesamt und der Bodenkundlichen Gesellschaft geführte Bodenforum Österreich bringt die heimischen BodenexpertInnen jährlich zweimal zum fachlichen Austausch und zur Diskussion aktueller Themen zusammen. Im Internationalen Jahr des Bodens kam den Tagungen besondere Bedeutung zu, um Aktivitäten abzustimmen und Informationen zu Veranstaltungen oder Publikationen optimal zu bewerben und über künftige Aktivitäten zum Bodenschutz zu beraten.

 

Mit dem Relaunch des Bodeninformationssystems BORIS des Bundes und der Bundesländer steht seit dem Frühjahr 2015 eine neue, vom Umweltbundesamt entwickelte Version zur Darstellung von Bodendaten bereit. BORIS informiert über den Bodenzustand in Österreich und steht unter www.borisdaten.at allen Interessierten zur Verfügung.

 

„Das Internationale Jahr des Bodens war wichtig, um die Bedeutung der Böden für unsere Gesellschaft in den Mittelpunkt einer breiten Aufmerksamkeit zu rücken. Das Umweltbundesamt wird auch darüber hinaus seine Anstrengungen zum Schutz der Böden und für ein strategisches Flächenmanagement  weiterführen“, erklärt Karl Kienzl.