Risiko & Verantwortung

© Umweltbundesamt/B. Gröger Sigrun Kabisch

Als Beispiel für ein solches systemisches Risiko beleuchtete Sigrun Kabisch vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung den Megatrend Urbanisierung und gegenläufige Trends wie in Ostdeutschland, wo die Bevölkerung ganzer Landstriche schrumpft. Um diesen Risiken zu begegnen und sie als Chance zu nutzen, brauche es handlungsfähige Governance Strukturen, die sicherstellen, dass Städte und ihre BewohnerInnen nachhaltig und verantwortungsbewusst mit Ressourcen umgehen. Beispiele für die Chancen, die der Trend zur Stadt eröffnet, lieferten Heinz Buschmann, Ressourcen Management Agentur, und Gernot Stöglehner, Universität für Bodenkultur. Buschmann beschrieb die Stadt als unterschätzte Rohstoffquelle. Als Beispiel nannte er den ehemaligen Südbahnhof, dessen Baumaterial für die Errichtung des Wiener Hauptbahnhofs genutzt wurde. Gernot Stöglehner fokussierte auf die Dichte der Städte. Dichte bedeute Effizienz und biete damit auch die Möglichkeit, Ressourcen zu schonen. Zu viel Dichte führe aber unweigerlich zu Fluchtbewegungen und verursache soziale Risiken.

Wachstum und Transformation - Möglichkeiten einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft

© Umweltbundesamt/B. Gröger Christine Ax

Die Politikwissenschafterin und Ökonomin Christine Ax widmete sich in ihrem Vortrag dem Thema Wachstum und Transformation. Sie beschrieb vier neue Klimaszenarien und zeigte sich angesichts der Risiken dieser Szenarien, wie z.B. hohe Preise für Ressourcen und Nahrungsmittel, sorgenvoll. Allerdings, hob sie hervor, sie es durchaus möglich, zukunftsfähigen Wohlstand in einem erheblichen Umfang zu erzeugen, wenn es gelingt, Wortschöpfung anders zu definieren. Wie, das zeigten zwei Beispiele aus der Praxis, das fair produzierte Modelabel „Göttin des Glücks“ und die Initiative Ochsenherz. Die Geschäftsführerin der „Göttin des Glücks“, Lisa Muhr, produziert seit dem Jahr 2005 gemeinsam mit Gleichgesinnten zertifizierte nachhaltige Mode und geht damit bewusst neue Wege in der Textilbranche. Ihr Fazit: Es ist teurer und aufwändiger, ethische Werte in der Wirtschaft anzuwenden, aber es ist möglich. Das bestätigte Lorenz Glatz von GELA Ochsenherz (GELA steht für gemeinsam Landwirtschaften), einem solidarischen Landwirtschaftsprojekt in Gänserndorf, der besonders die Verantwortung der KonsumentInnen betonte. Es liege in ihrer Macht, nachhaltige Produkte zu wählen und damit nicht auf Kosten künftiger Generationen zu leben.

Risiko Governance & Eigenverantwortung – die Machtfrage

© Umweltbundesamt/B. Gröger Andreas Novy

Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur gelten in unserer Gesellschaft nicht als gleichwertig, erklärte der Ökonom Andreas Novy von der Wirtschaftsuniversität Wien. Die Wirtschaft dominiere alle anderen Bereiche und habe ein Eigenleben entwickelt, wie die Finanzkrise gezeigt hat. Novy plädierte dafür, die Wirtschaft wieder in die Gesellschaft einzubetten. Die Verantwortung dafür lasse sich nicht an VerhandlerInnen, wie z.B. im Fall des Klimagipfels von Paris, delegieren. Dem pflichtete Umweltbundesamt-Klimaexpertin Andrea Prutsch bei. Im Fall des Klimawandels und der Klimawandelanpassung brauche es Initiativen auf allen Ebenen, nicht nur international und national sondern auch auf Bundesländer-Ebene und regional. Die Rolle der Zivilgesellschaft bei der Bewältigung dieser Herausforderungen ist nicht zu unterschätzen, wie alle RednerInnen des Abends betonten. Auch beim Umgang mit Flüchtlingen ist ziviles Engagement gefragt, meinte Herbert Langthaler, asylkoorination Österreich. Dieses Engagement entbinde die Politik aber nicht von ihrer Verantwortung. Um die großen Risiken zu bewältigen und Verantwortung zu übernehmen, braucht es das Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, waren sich die RednerInnen des Science Event 2015 einig. In den Worten von Ortwin Renn: „Wir brauchen ein gemeinsames Konzept, […] ein Orchester aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft“.

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