Gemeinsame Lösungen für eine plastikfreie Umwelt

Erfolgreiche Bilanz für erstes Jahr der „Zero Pellet Loss“-Initiative in Österreich.

© Umweltbundesamt/S.Enzinger v.l.n.r. K.Kienzl, A. Stern, K. Vella, A. Rupprechter, G.Rebernig

(Wien, 3. Juni 2016) „Plastik und Mikroplastik gehören nicht in die Umwelt“, sind sich Bundesminister Andrä Rupprechter und EU-Umweltkommissar Karmenu Vella einig. Bei einem Besuch im Borealis-Werk in Schwechat informierten sich die beiden heute, Freitag, über technische Neuerungen gegen Plastik in der Umwelt. Die enge Zusammenarbeit mit der Industrie zeigt bereits Wirkung: Die 2015 von Rupprechter gemeinsam mit der Kunststoffindustrie gestartete „Zero Pellet Loss“-Initiative hilft, den Austritt von Kunststoffgranulat in die Umwelt zu vermeiden. Im ersten Jahr konnten die Betriebe ihre Kunststoff-Verluste um 90 % reduzieren. „Für eine plastikfreie Umwelt müssen wir europaweite Lösungen finden. Ich bin stolz, dass Österreich dabei eine Vorreiterrolle übernimmt“, betonte Rupprechter. 

 

Auch auf der Agenda von EU-Umweltkommissar Karmenu Vella steht das Thema Plastik ganz oben, insbesondere im Zusammenhang mit dem europäischen Paket zur Kreislaufwirtschaft.   Dieses liefert einen zentralen Ansatzpunkt, um den Lebenszyklus von Kunststoffen und das Recycling zu optimieren. „80 % des Abfalls im Meer besteht aus Plastik.  Eine der stärksten Antriebskräfte, um diesen Prozentsatz zu reduzieren, ist Abfall in eine wirtschaftliche Chance umzuwandeln. Das bezeichnen wir im Wesentlichen als Kreislaufwirtschaft. Die von Herrn Bundesminister Rupprechter geförderte Zero Pellet Initiative ist ein Beispiel für diesen Ansatz. Die Europäische Kommission arbeitet hart daran zu gewährleisten, dass derartige Beispiele für eine Kreislaufwirtschaft in der gesamten EU zur Norm werden“, so EU-Umweltkommissar Karmenu Vella. 

 

Ein Jahr „Zero Pellet Loss“-Initiative in Österreich

Um Plastik in der Umwelt zu reduzieren, hat Umweltminister Andrä Rupprechter im Frühling 2015 mit dem Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) einen „Zero Pellet Loss“-Pakt geschlossen. Er beinhaltet einen Zehn-Maßnahmen-Plan zur Vermeidung des Austritts von Kunststoffgranulat in die Umwelt. Jährlich werden durchschnittlich 41 Tonnen Kunststoff über die Donau abtransportiert, ca. 90 % davon sind auf Einträge auf Grund von Windverfrachtung, Abschwemmung und Littering zurückzuführen.

 

Seit dem Beginn der Initiative ist die Anzahl der teilnehmenden österreichischen Unternehmen stetig gewachsen – und der Anteil an verlorenen Kunststoff-Teilchen deutlich geschrumpft. Mittlerweile wurden laut Umsetzungsbericht des FCIO bei einer Gesamtproduktions- und Verarbeitungsmenge von rund 2 Millionen Tonnen Kunststoff in Österreich die Verluste von 4,9 Kilo/Tag auf weniger als 1 Kilo/Tag reduziert. 

Borealis: Auf dem Weg zur besten verfügbaren Technologie

Im Rahmen der „Zero Pellet Loss“-Initiative arbeitet der Kunststoffhersteller Borealis an technischen Neuerungen und weiteren Maßnahmen, deren Wirksamkeit vom österreichischen Umweltbundesamt durch Messungen im Abwasser kontrolliert werden. Durch den Einbau von besseren Filtern in den Abwasseranlagen, die Festlegung genauerer Reinigungsrichtlinien und die Schulung der Mitarbeiter konnten Risiken im Bereich „Pellet Loss“ weiter reduziert und nahezu eliminiert werden. Das Werk in Schwechat ist nun so gut wie pellet-dicht. Borealis arbeitet derzeit daran, zusätzlich zu den vorhandenen Abscheideanlagen ein hochmodernes Filtrationssystem zur Abscheidung von Kunststoff-Rohstoffen zu bauen.

 

„Borealis hat den Schutz der Umwelt fest in der Unternehmensphilosophie verankert. Die bisher gesetzten Maßnahmen zeigen, dass Risiken im Bereich ‚Pellet Loss‘ bereits reduziert und nahezu eliminiert werden konnten. Gemeinsam mit unabhängigen wissenschaftlichen Einrichtungen arbeiten wir daran, neue Maßstäbe im Gewässerschutz setzen zu können. Mit dem Einsatz von  ‚bestverfügbaren Technologien‘ streben wir eine Vorreiterrolle in Europa an“, erklärt Alfred Stern, Borealis Vorstandsmitglied für den Bereich Polyolefine und Innovation & Technologie.

 

Umweltbundesamt forciert europäische Zusammenarbeit

„Das Umweltbundesamt kontrolliert die Wirksamkeit der Maßnahmen, prüft die Kunststoff-Emissionen von Borealis und unterstützt das Unternehmen damit auf dem Weg zu einem Vorreiter für Europa zu werden“, erklärt Karl Kienzl, stellv. Geschäftsführer im Umweltbundesamt. Nach Schätzungen gelangen jährlich Millionen Tonnen Plastik in die Meere, über 80 % kommen vom Festland, das meiste über die Flüsse.

 

„Zur Reduktion von Plastik in der Umwelt sind eine europaweit koordinierte Vorgehensweise und der Dialog mit den verschiedenen Stakeholdern essentiell“, so Kienzl weiter. Das Umweltbundesamt liefert dazu als unabhängige Experteneinrichtung wertvolle Grundlagen und arbeitet im Netzwerk der Europäischen Umweltagenturen an einheitlichen Messmethoden, an europaweit vergleichbaren Daten und an der Identifizierung der wirksamsten Hebel, um die Plastikverschmutzung der Umwelt zu eliminieren.

 

 

Weitere Informationen

Natascha Unger, Pressestelle BMLFUW, T +43 1 71100 606963, natascha.unger@bmlfuw.gv.at

Sabine Enzinger, Pressestelle Umweltbundesamt, T +43 1 31304 5488 sabine.enzinger@umweltbundesamt.at