Weniger Plastiksackerl für mehr Biodiversität

© Umweltbundesamt/M. Deweis

Der Schuhhändler Deichmann verlangt seit Mai 2016 zehn Cent pro Plastiksackerl. Seither konnte Deichmann den Verbrauch um mehr als die Hälfte reduzieren. Der Erlös dieser Aktion kommt dem Oststeirischen Kernland zugute. Das Umweltbundesamt leitet in dieser Region ein Projekt zur biologischen Vielfalt.

 

Wien, 6. März 2017 – Österreich hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, in den nächsten zwei Jahren den jährlichen Verbrauch von Plastiksackerl auf maximal 25 Stück pro Person zu reduzieren und den Einsatz von Einwegtragetaschen aus anderen Materialien, wie z.B. Papier, einzudämmen. Der Schuhhändler Deichmann unterstützt dieses Ziel und gibt seit Mai 2016 die Plastiktragetaschen in seinen Filialen gegen ein Entgelt von 10 Cent an die Kunden ab. Ein halbes Jahr nach dem Start der Aktion kann Deichmann bereits ein positives Fazit ziehen. Nur noch 55 % der Plastiksackerl werden bei einem Einkauf mitgenommen. Damit nimmt die Anzahl an verwendeten Plastiksackerl kontinuierlich ab. „Aus unserer Sicht ist es an der Zeit, die Verbrauchsmengen von Plastiksackerl zum Schutze der Umwelt zu reduzieren. Ein sparsamer Umgang mit Rohstoffen und der Schutz unserer Umwelt ist für uns alle wichtig“, so Deichmann Geschäftsführer Georg Müller. Den Erlös der Aktion investiert Deichmann in vollem Umfang in das Umweltprojekt „Oststeiermark: eine Landschaft blüht auf“, das vom Umweltbundesamt geleitet wird.

Oststeirisches Kernland: Unsere Landschaft blüht auf

 

Das Projekt zielt darauf ab, die Biodiversität und den respektvollen Umgang mit Natur und Umwelt in einer authentischen und ursprünglichen Region, entlang der Trasse der Feistritztalbahn in der Oststeiermark, zu fördern. Ein großer Teil der Trasse verläuft in der Region Oststeirisches Kernland, in der viele seltene Apfel- und Birnensorten gedeihen. Diese Sorten geraten jedoch durch intensive Bewirtschaftung zunehmend unter Druck, artenreicher Trockenrasen und weitere attraktive Lebensräume gehen verloren. Gemeinsam mit seinen Partnern, der Feistritztalbahn und der LEADER-Region Oststeirisches Kernland, will das Umweltbundesamt diesem Trend in den nächsten zwei Jahren entgegenwirken und die biologische Vielfalt durch die Revitalisierung von Flächen und das Pflanzen von traditionellen, regionalen Streuobstbäumen in der Region fördern. Auch einem Verlust der regionalen Artenvielfalt wird damit vorgebeugt. Alexandra Schönauer, Geschäftsführerin der Feistritztalbahn Betriebsges.m.b.H.: „Die Feistritztalbahn, auch „Klein-Semmering-Bahn“ genannt, ist eine der schönsten Schmalspurstrecken Österreichs bzw. Mitteileuropas. Dieses historische Juwel ist ein beliebtes Ausflugsziel und hat besondere Bedeutung für die gesamte Region. Durch diese besondere Aktion wird die Attraktivität weiter erhöht, außerdem können Kinder und Jugendliche die Feistritztalbahn auch auf eine andere Art und Weise wahrnehmen und kennenlernen.“

 

Mag. Wolfgang Berger, LEADER-Manager Zeitkultur Oststeirisches Kernland unterstreicht: „Dieses Projekt ist in seiner Verbindung der Themen Naturschutz, Kulturerbe und Jugendarbeit im Bereich der Regionalentwicklung neu und einzigartig. Auf den Brache-Flächen der alten Bahnhöfe können Streuobstgärten mit seltenen Obstsorten angelegt werden, die sich auch zu sozialen Treffpunkten entwickeln sollen. Wir planen eine Art von Gemeinschaftsgärten im ländlichen Raum, in denen vom Anpflanzen bis Ernten alles erlaubt ist. Darüberhinaus überlegen wir die funktionslosen Magazinschuppen der Bahn zu neuen ‚Haltestellen‘ für junge Leute umzuwidmen.“

 

Die Kulturlandschaft für künftige Generationen zu erhalten ist zentrales Element des Projekts. Daher sind engagierte Kinder und Jugendliche aus der Region während der gesamten Projektdauer eingebunden. Von den Kindern und Jugendlichen gepflegte Flächen sollen soziale Treffpunkte und gern besucht werden. „Das oststeirische Kernland ist reich an biologischer Vielfalt“, betont Umweltbundesamt-Experte Helmut Gaugitsch. „Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag dazu, diese Vielfalt zu erhalten und damit Lebensqualität und Wohlstand für uns und zukünftige Generationen zu sichern.“

Weniger Plastiksackerl für weniger Plastikmüll – die Kampagne „Pfiat di Sackerl!“

 

Österreich nimmt mit seiner ambitionierten Zielsetzung, den jährlichen Verbrauch von Plastiksackerl auf maximal 25 Stück pro Person zu reduzieren und den Einsatz von Einwegtragetaschen aus anderen Materialien einzudämmen, europaweit eine Vorreiterrolle ein. Die Mitgliedsstaaten der EU sind durch die Änderung der europäischen Verpackungsrichtlinie verpflichtet, die Anzahl der Kunststofftragetaschen bis zum Jahr 2019 auf jährlich maximal 90 Sackerl pro Person zu reduzieren. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft will diese Vorgabe gemeinsam mit Vertretern aus dem Handel unterbieten und startete dafür im Jänner 2017 die Kampagne „Pfiat di Sackerl!“ Deichmann ist eines der Unternehmen, die die freiwillige Vereinbarung den Verbrauch von Plastiksackerl zu reduzieren, eingegangen sind. „Wir freuen uns, dass Politik und Handel gemeinsam diese sinnvolle Maßnahme zum Umweltschutz gestartet haben", bekräftigt Deichmann Geschäftsführer Georg Müller.

 

Weitere Informationen:

Petra Kestler, Pressestelle Umweltbundesamt, Tel.: 01/313 04-5432