Human- und Umweltmonitoring Görtschitztal

Gesundheitliche Auswirkungen

Untersuchungen aus den vergangenen Jahren zeigten, dass lokal produzierte Lebensmittel, insbesondere Milch und Milchprodukte sowie Fleisch die maßgebliche Quelle für die Aufnahme von HCB waren und zu erhöhten Konzentrationen im Blut der ansässigen Bevölkerung führten. Basierend auf den von der Medizinischen Universität Wien erarbeiteten Lebensmittel-Vorsorgewerten für die Görtschitztaler Bevölkerung wurden vom Amt der Kärntner Landesregierung Ernährungsempfehlungen veröffentlicht. Laut Medizinischer Universität Wien ist heute keine unmittelbare und akute Gefährdung der Gesundheit gegeben. Seit Mai 2017 gelten zudem strengere EU-Grenzwerte für HCB in Lebensmitteln.

 

Empfehlungen

  • Nachdem es Jahre dauert, bis HCB wieder aus dem menschlichen Körper ausgeschieden wird, sollten Untersuchungen periodisch im Abstand von drei Jahren wiederholt werden.
  • Da die engmaschige Kontrolle der Lebensmittel aus der Region gezeigt hat, dass die meisten Lebensmittel frei von HCB sind, können die Ernährungsempfehlungen deutlich gelockert werden. Obst, Gemüse, Kräuter, Milch und Milchprodukte aus dem Görtschitztal können unbedenklich verzehrt werden.
  • Produkte aus Kürbiskernen (insbes. Kürbiskernöl) sollten von Betroffenen grundsätzlich gemieden werden, da sie, unabhängig von der Herkunftsregion, höhere HCB-Konzentrationen enthalten.

Lebensmittel und Boden

Lebensmittel aus der Region weisen derzeit unauffällige Belastungen auf. Die Untersuchungen zeigen, dass vor allem Produkte aus Pflanzen der Vegetationsperiode 2014 von der HCB-Kontamination betroffen waren. Es ist davon auszugehen, dass in Zukunft keine messbaren Auffälligkeiten in Futter- und Lebensmitteln auftreten werden. Auch Biolandbau ist künftig im Görtschitztal wieder ohne Einschränkungen möglich.

 

Empfehlungen

  • Die Weiterführung des Lebensmittel-Monitorings ist sinnvoll, eine Reduktion des Umfangs ist jedoch möglich.
  • Bei Vorliegen neuer Informationen oder bei Auftreten von Auffälligkeiten ist ein entsprechendes verdichtetes Monitoring durchzuführen.
  • Waldböden sind bis dato nicht vom Monitoring erfasst. Da sich Waldboden anders als landwirtschaftlicher Boden verhält ist es zweckmäßig ein repräsentatives Netz von Probenahmestandorten zu etablieren und sich dabei an den Standorten für das Monitoring von Fichtennadeln zu orientieren.
  • Daten zu Belastungen von Speisepilzen und Wild fehlen bis dato und sollten erhoben werden.

Altlast K20 Kalkdeponie Brückl I/II

Die Kalkdeponie Brückl I/II ist eine ehemalige Betriebsdeponie der Donau Chemie und wurde u. a. mit Kalziumkarbid sowie mit Chlorkohlenwasserstoffe- und Quecksilber-belasteten Abfällen verfüllt. Die Deponiesohle liegt lokal im Grundwasser, technische Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers werden derzeit durchgeführt. 2014 wurden der Abbau und die Verwertung von Kalkschlamm eingestellt und mit einem großräumigen Monitoring im Görtschitztal begonnen. Die aktuellen Kontrolluntersuchungen zeigen weiterhin erhebliche Verunreinigen des Grundwasser und der Gurk, weshalb die Deponie abgedeckt wurde und umschlossen wird. Eine Nutzung des Grundwassers aus diesem Bereich ist für Trinkwasserzwecke nicht geeignet.

Da eine Fortsetzung der Räumung nicht mehr möglich war, wurde mit der Sicherung der Deponie begonnen (Oberflächenabdichtung), dabei wurde 2016 eine Reihe von Kontrolluntersuchungen am Standort und im Umfeld der Deponie begonnen wie Luftmonitoring, Bioindikationsmessung, Futtermittel-Monitoring sowie Untersuchungen des Grundwassers und der Gurk.

 

  • Alle Kontrolluntersuchungen zur Altlast K 20 „Kalkdeponie Brückl I/II“ werden fortlaufend mit dem Umweltbundesamt abgestimmt.
  • Die im Rahmen der Bewilligung der Sicherungsmaßnahmen festgelegten Kontrolluntersuchungen werden als ausreichend beurteilt.

Das Umweltbundesamt

Als bedeutendste ExpertInnen-Institution für Umwelt in Österreich steht das Umweltbundesamt für die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft zur Sicherung nachhaltiger Lebensbedingungen. Die Umweltbundesamt-ExpertInnen entwickeln Entscheidungsgrundlagen auf lokaler, regionaler, europäischer und internationaler Ebene. Sie arbeiten transparent und überparteilich und stehen im Dialog mit Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Seit Dezember 2014 befasst sich das Umweltbundesamt in Zusammenarbeit mit einer Reihe anderer Institutionen mit dem Monitoring von HCB im Görtschitztal. Das akkreditierte Labor führte Spezialanalysen der HCB-Belastung in Blut und Muttermilch sowie in Boden, Wirtschaftsdünger und in Blut von Nutztieren durch. Umweltbundesamt-ExpertInnen haben 2015 erstmals Referenzwerte zu HCB für die österreichische Bevölkerung ermittelt. Weitere Schwerpunkte bildeten Vorschläge für Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung von Emissionen sowie die Erarbeitung von Grundlagen für die Altlastensanierung.

 

Weitere Informationen:

Sabine Enzinger, Pressestelle Umweltbundesamt, sabine.enzinger@umweltbundesamt.at, 0664/800 13 5488

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