Wald im (Klima)Wandel

Wie wirken sich Holzentnahme, Windwürfe, Borkenkäfer und Klimawandel langfristig auf den Kohlenstoffkreislauf im Wald aus? Im Projekt CentforCSink haben ForscherInnen untersucht, wie sich die Klimaschutz-Funktion des Waldes im Nationalpark Kalkalpen seit 1900 entwickelt hat und mit welchen Trends man in Zukunft rechnen muss.

© Umweltbundesamt/U. Kutschera

Wien, 26. November 2018 – Wälder leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, indem sie wesentlich mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnehmen als sie abgeben. Die österreichischen Wälder binden jährlich ca. 6 % der nationalen Treibhausgasemissionen, das sind ca. 9 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Der Wald ist damit die bedeutendste Kohlenstoffsenke in Österreich und wird in die nationale Treibhausgasbilanz eingerechnet. ExpertInnen des Umweltbundesamts, der Universität für Bodenkultur Wien und des Bundesforschungszentrums für Wald haben untersucht, welchen Einfluss Klimawandel, Holzentnahme und Waldstörungen wie Windwurf und Borkenkäfer auf die Kohlenstoffsenke der Wälder im 20. Jahrhundert hatten und welchen sie voraussichtlich im 21. Jahrhundert haben werden. Als Untersuchungsgebiet diente ihnen der Nationalpark Kalkalpen, der mit einer Größe von über 20.000 ha (81 % Wald) eines der bedeutendsten Waldschutzgebiete Österreichs darstellt. Das Umweltbundesamt betreibt an diesem Standort seit mehr als 25 Jahren ökologische Langzeitforschung. Die Arbeiten vor Ort erfolgen in Kooperation mit dem Nationalpark Kalkalpen und den Österreichischen Bundesforsten.

 

„In der ökologischen Langzeitforschung werden Veränderungen beobachtet und Zusammenhänge erforscht, die für Lösungen komplexer Probleme entscheidend sind“, erklärt Umweltbundesamt-Geschäftsführerin Monika Mörth. „Insbesondere für die Risikobewertung liefert die Verschränkung langfristiger Beobachtungen mit Zukunftsszenarien wie im Projekt Cent4CSink wichtige Grundlagen.“

CentForCSink: Nutzung und Klimawandel beeinflussen Speicherfähigkeit

 

Die intensive Holznutzung durch den Menschen und heftiges Borkenkäferaufkommen in den Fichtenwäldern des Reichraminger Hintergebirges Anfang des 20. Jahrhunderts führten zu einem unmittelbaren Kohlenstoffverlust im Waldboden und zu einer großflächigen Verjüngung des Waldes im heutigen Nationalpark . In den darauffolgenden Jahrzehnten hat sich der Wald nicht nur erholt, sondern auch verstärkt Kohlenstoff gespeichert, da nachwachsende Bäume sehr viel Kohlenstoff binden. Dieser Effekt wirkt aktuell noch immer nach. Für die nächsten Jahrzehnte bedeutet das, dass die Wälder im Nationalpark Kalkalpen mehr Kohlenstoff binden als sie abgeben werden.

 

Allerdings wird der Klimawandel diese Senkenwirkung in Zukunft wahrscheinlich beeinträchtigen: Störungen und Borkenkäferbefall werden deutlich zunehmen. Gleichzeitig wird sich die Zahl der Fichten, die dem Borkenkäfer als Wirtsbaum dienen, zugunsten von robusteren Laubaumarten verringern. In Summe wird der Wald im Nationalpark Kalkalpen in den nächsten 200 Jahren dadurch voraussichtlich ca. 10 % seiner klimaschützenden Funktion verlieren. „Umso wichtiger ist es, dass wir den Waldumbau vorantreiben. Stärker denn je werden wir zukünftig artenreiche, stabile Mischwälder brauchen, die mit den Veränderungen besser zurecht kommen“, unterstreicht Bundesforste-Vorstand Rudolf Freidhager die Bedeutung der jüngsten Forschungsergebnisse. Die Bundesforste forcieren schon heute Naturverjüngung auf ihren Flächen und pflanzen verstärkt Baumarten, die den Anforderungen des Klimawandels gewachsen sind, wie etwa die tiefwurzelnde Lärche oder unterschiedliche Laubhölzer wie Eichen, Erlen oder Bergahorn.

Baumverjüngung sichert CO2 - Senkenwirkung

 

Auch Baumverjüngung, Kraut- und Grasschicht haben großen Einfluss auf den Kohlenstoffkreislauf von Bergwaldökosystemen. Die ExpertInnen des Umweltbundesamtes berechneten, dass diese Faktoren im Zeitraum zwischen 2000 und 2014 - geprägt durch großflächige Windwürfe (Stürme Kyrill, Paula, Emma) und starken Borkenkäferbefall - die Kohlenstoffsenke des Nationalpark-Waldes um bis zu 33 % vergrößert hat. Je stärker die Störung war, desto höher war die positive Wirkung von Baumverjüngung als auch einer sich stark regenerierenden Krautschicht. Langfristig sichert jedoch nur eine ausreichende Baumverjüngung den Erhalt der Kohlenstoffsenke Wald.

 

Weitere Informationen:

Petra Kestler, Pressestelle Umweltbundesamt, Tel.: 01/313 04-5432