Böller, Blei und Ballerei: Umwelteffekte von Silvesterbräuchen

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Wien, 19. Dezember 2018 – Das neue Jahr wird in Österreich traditionell mit Pauken und Trompeten begrüßt. Aber auch mit Schadstoffen, Lärm und erhöhter Unfallgefahr. Beim Silvesterfeuerwerk werden in Österreich durchschnittlich zehn Millionen Euro in Form von Raketen und Knallkörpern im wahrsten Sinne des Wortes in die Luft geblasen. Mit ihnen Feinstaub und Schwermetallpartikel. Auch Bleigießen hat negative Begleiterscheinungen. Der Vertrieb von Bleigieß-Sets, die mehr als 0,3 Prozent Blei enthalten, ist daher seit April 2018 gemäß EU-Chemikalienverordnung verboten.

Silvesterfeuerwerke wirken - auch auf die Umwelt

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Rauch und Feinstaub: In der Silvesternacht steigen die Feinstaubwerte in vielen Städten auf die höchsten Werte des ganzen Jahres.  Neujahr 2017 wurde der Feinstaub-Grenzwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit an 2/3 der Messstellen in Österreich überschritten. Zum Jahresbeginn 2018 wurden die Schadstoffe – meteorologisch bedingt – besser verteilt, dennoch kam es in Kärnten, Linz und der Steiermark an insgesamt zehn Messstellen zu Überschreitungen.

Schwermetalle und Müll: Nach der Explosion des Feuerwerkskörpers werden Schwermetallpartikel freigesetzt, die dem Feuerwerk Farbe geben. Darunter: Strontium, Arsen, Blei, Selen oder Cäsium. Zudem verursachen abgebrannte Knallkörper, Böller und Feuerwerksraketen große Mengen an zusätzlichem Müll, jährlich bis zu 1000 Tonnen. Was in der freien Natur zurück auf den Boden fällt, bleibt dort auch liegen und kann Wild und Nutztieren gefährlich werden, die die Rückstände der Pyrotechnik für Futter halten. Die Schwermetalle gelangen außerdem in Böden und in stehende Gewässer.

 

Lärmbelastung: Feuerwerkskörper können einen Schalldruckpegel von bis zu 170 Dezibel erreichen. Zum Vergleich: Der Lärmpegel eines Düsentriebwerkes in 25 Meter Entfernung beträgt etwa 140 Dezibel. Für ältere Menschen, Kleinkinder sowie Wild- und Haustiere bedeutet der anhaltende Lärm einen großen Stressfaktor. Wild- und Haustieren leiden aufgrund ihres guten Gehörs besonders unter dem Lärm von Knallkörpern.

 

Unfälle: Für rund tausend Österreicher endet der pyrotechnische Silvesterspaß im Krankenhaus. Die häufigsten Verletzungen entfallen auf Augen, Ohren und Hände. Nicht selten sind auch Sachbeschädigungen und Brände durch Blindgänger oder unsachlich bediente Feuerwerkskörper. Brände verursachen zu Silvester jährlich Schäden in Millionenhöhe.

Bleigießen: 2018 ohne giftige Dämpfe und heißes Metall

Der Vertrieb von Bleigieß-Sets wurde 2018 aus gutem Grund stark eingeschränkt. Blei ist ein giftiges Schwermetall, das beim Bleigießen auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen kann: durch das Einatmen von Bleidämpfen beim Erhitzen, durch Hautkontakt oder durch Schlucken, wenn nach dem Bleigießen die Hände nicht gewaschen werden. Metallspritzer, die beim Ausgießen ins Wasser entstehen, können zudem schwere Brandwunden verursachen.

Alternativen für einen schadstofffreien Rutsch

Für alle, die auf Silvesterfeuerwerk und Bleigießen verzichten möchten, gibt es Alternativen. Licht- und Lasershow erzielen ähnliche Effekte wie ein Feuerwerk, dafür ganz ohne Lärm, Rauch, Ruß, Feinstaub, Schwermetalle und Müll. Auch das Orakel zum Jahreswechsel muss nicht ausfallen: Statt Blei kann man auch Kerzenwachs verwenden, um deutbare Formen zu erschaffen. Oder man legt Karten und liest im Kaffeesatz. Auch so gelingt ein guter Start ins neue Jahr.

 

Weitere Informationen:

Petra Kestler, Pressestelle Umweltbundesamt, Tel.: 01/313 04-5432

Infobox

Downloads

Broschüren und Informationen der Bundesländer

Stress für Mensch und Tier (kärnten.Magazin 05/2017)

Feuerwerke - gefährlich schön (Infoblatt des Landes Salzburg)

Feinstaubbelastung zu Silvester [PDF] (Tiroler Landesregierung)

Links

Ein guter Rutsch ohne Feinstaub und Lärm (Information des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus)