Falsch gekennzeichnete Chemikalien!

Erhebliche Mängel bei gefährlichen Chemikalien: Nur bei 40% ist die Kennzeichnung und bei 30% sind die Sicherheitsdatenblätter völlig korrekt.

© Umweltbundesamt/Groeger Chemikalien gibt es auch im Haushalt Chemikalien gibt es auch im Haushalt

(17.9.2004) Im Rahmen eines EU-Projektes wurden auch Österreich-weite Kontrollen bei gefährlichen Produkten durchgeführt, die erhebliche Mängel bei der Kennzeichnung ergaben. In Österreich haben - verglichen mit dem EU-Durchschnitt - zwar krebserzeugende Produkte weit besser abgeschnitten, die anderen Ergebnisse liegen jedoch größtenteils im negativen Trend der EU.

Diese Ergebnisse sind für die überwachenden Behörden nicht wirklich überraschend, da viele der chemischen Klein- und Kleinstbetriebe (z.B. Chemikalienhändler) sich ihrer prinzipiellen Produktverantwortung gar nicht bewusst sind.

Ergebnisse im Detail

Die Ergebnisse dieses Inspektionsprojektes zeigen, dass in Österreich bei rund 60% der untersuchten Chemikalien die Kennzeichnung nicht den Vorschriften entspricht und dass etwa 70% der Sicherheitsdatenblätter nicht richtig oder unvollständig sind. Diese Ergebnisse entsprechen größtenteils den EU-weiten Ergebnissen.

 

Bei dieser Erhebung wurde nicht zwischen schwerwiegenden und geringfügigen Fehlern unterschieden; Erfahrungswerte aus der bisherigen Inspektions-Praxis ergaben jedoch, dass ca. 15% der Beanstandungen schwere Missstände darstellen. Für die Ergebnisse dieses Projektes bedeutet das, dass EU-weit, aber auch in Österreich etwa 10% aller gefährlichen Chemikalien grob falsch gekennzeichnet sind.

 

Es wurde im Zuge des Projektes zwischen den einzelnen Elementen der Kennzeichnung und der Sicherheitsdatenblätter (SDB) unterschieden.

© Umweltbundesamt/Groeger Korrekt gekennzeich-nete Produkte Korrekt gekennzeich-nete Produkte

Sowohl die Kennzeichnung als auch Sicherheitsdatenblätter sind zentrale Informationsquellen für gefährliche Stoffe und Zubereitungen. Eine korrekte Kennzeichnung ermöglicht der breiten Öffentlichkeit, Gefahren, die von einem gefährlichen Produkt ausgehen, zu erkennen und diese durch angegebene Sicherheitsmaßnahmen zu vermeiden.

Sicherheitsdatenblätter sind für den professionellen Verwender die wichtigste Quelle, um einen sicheren Umgang mit dem Produkt im Betrieb zu ermöglichen, Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Mitarbeiter und der Umwelt zu ermöglichen und entsprechende Schritte im Unglücksfall unternehmen zu können.

Die Kennzeichnung wies den höchsten Fehleranteil von fast 40% bei den Gefahrenhinweisen (R-Sätzen) auf, gefolgt von den Sicherheitsratschlägen (S-Sätzen), der Gefahrenbezeichnung, dem chemischen Namen und dem Gefahrensymbol, die alle im Mittel zu 20-25% falsch waren. Bei den Sicherheitsdatenblättern wurde bei den Kontrollen auf einige Kapitel besonderer Wert gelegt: Die Einstufung des Produktes und seiner einzelnen Bestandteile war in rund 25% der Fälle falsch, die im SDB angegebene Kennzeichnung sogar in rund 35%. In weniger als 10% der Fälle war gar kein SDB für ein gefährliches Produkt vorhanden.

Das Projekt

In Österreich wurden die Kontrollen von den Ämtern der Landesregierungen durchgeführt. Die Projektleitung, Koordination und Auswertung der Ergebnisse, sowie fachliche Unterstützung wurde dabei vom Umweltbundesamt übernommen.

 

Um Gefährdungen im Umgang mit Chemikalien zu minimieren, wurden EU-weit chemische Produkte hinsichtlich ihrer korrekten Gefahrenkennzeichnung überprüft. Es wurden vor allem jene Chemikalien kontrolliert, für die erst kürzlich in Kraft getretene Vorschriften gelten, z.B. umweltgefährliche und krebserzeugende Zubereitungen. Ziel war eine bessere Deklarierung gefährlicher Produkte.

 

Die Durchführung des Projektes erfolgte im Rahmen eines EU-weiten Inspektionsprojektes ECLIPS (European Classification and Labelling Inspections of Preparations, including Safety data sheets) und wurde vom europäischen Netzwerk zur Chemikalienkontrolle, CLEEN (Chemicals Legislation European Enforcement Network), initiiert, das zur Zeit zur Hälfte vom Umweltbundeamt geleitet wird.