Kyoto-Fortschrittsbericht 1990-2003

(4.5.2005) Das Umweltbundesamt stellt im aktuellen Kyoto-Fortschrittsbericht fest, dass die Emissionen in Österreich im Jahr 2003 bereits um 23,2 Millionen Tonnen über dem Kyoto-Ziel liegen. Diese Menge muss bis 2010 reduziert oder über die so genannten „flexiblen Mechanismen“ beschafft werden. Auch die sektoralen Ziele der österreichischen Klimastrategie sind bei der derzeitigen Emissionsentwicklung nur mit weiteren Maßnahmen zu erreichen. „Die aktuelle Entwicklung in den Sektoren kalorische Kraftwerke, Straßenverkehr und Raumwärme zeigt deutlich, dass sich Österreich immer weiter vom Kyoto-Ziel entfernt,“ erklärt Georg Rebernig, Geschäftsführer Umweltbundesamt. „Eine Trendumkehr ist nur möglich, wenn im Zuge des Ausbaus der österreichischen Klimastragie zusätzliche Maßnahmen aufgenommen werden und ihre Wirksamkeit jährlich überprüft wird.“

Mit insgesamt 91,6 Millionen Tonnen erreichen die Treibhausgasemissionen in Österreich im Jahr 2003 ihren Höchststand: sie sind gegenüber 2002 um 5,1 Millionen Tonnen (5,9 Prozent) angestiegen. Im Vergleich zum Kyoto-Basisjahr 1990 werden in Österreich um 13 Millionen Tonnen (16,6 Prozent) mehr Treibhausgasemissionen produziert. Hauptverantwortlich für den Anstieg 2003 sind die öffentliche Strom- und Wärmeproduktion in kalorischen Kraftwerken, der Straßenverkehr und der Raumwärmesektor. Als wichtige Faktoren wurden der zunehmende Kraftstoff- und der ansteigende Stromverbrauch, bei gleichzeitiger Verminderung der Stromproduktion aus Wasserkraft infolge eines wasserarmen Jahres festgestellt.

Vergleich zu Kyoto-Basisjahr 1990

Zwischen 1990 und 2003 verzeichnet der Straßenverkehr den mit

Abstand stärksten Zuwachs: plus 10 Millionen Tonnen (plus 83,5 Prozent). Hintergrund dieser Entwicklung in Österreich sind das rasch wachsende Verkehrsvolumen bei Pkw und Lkw und der „Tank-tourismus“ aufgrund der niedrigen Kraftstoffpreise.

 

Deutliche Zuwächse zwischen 1990 und 2003 gibt es auch in anderen Sektoren: öffentliche Strom- und Wärmeproduktion plus 2,4 Millionen Tonnen, Eisen- und Stahlproduktion plus 1,2 Millionen Tonnen und Energieverbrauch der Industrie (ohne Eisen- und Stahlerzeugung) plus

1,0 Millionen Tonnen.

 

Wesentliche Reduktionen von Treibhausgasen seit 1990 weisen Müll-deponien und der Sektor Landwirtschaft auf. Das ist einerseits auf die verstärkte Verbrennung von Deponiegas und den sinkenden Kohlenstoffgehalt des jährlich deponierten Abfalls zurückzuführen, andererseits auf den sinkenden Mineraldünger- und Gülleeinsatz sowie den Rückgang der Rinderzahlen.

Kyoto-Ziel noch erreichbar?

Unter Einbeziehung der flexiblen Mechanismen im geplanten Ausmaß von sieben Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten muss Österreich vom aktuellen Stand 2003 noch 16,2 Millionen Tonnen seiner Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2010 reduzieren, um das Kyoto-Ziel von 68,3 Millionen Tonnen zu erreichen.

 

Der neue Kyoto-Fortschrittsbericht zeigt, dass die Entwicklungen im Straßenverkehr, im Raumwärmesektor, in der Strom- und Wärme-produktion und der Industrie der Erreichung des Kyoto-Ziels entgegenstehen. Das Umweltbundesamt empfiehlt, zusätzlich zu den bisher gesetzten Maßnahmen in diesen Sektoren beim Ausbau der Klimastrategie weitere zu setzen und deren Wirksamkeit jährlich zu überprüfen, um eine Änderung des Trends herbeizuführen.