StartClim2004

Analysen von Hitze und Trockenheit und deren Auswirkungen in Österreich

(4.5.2005) Waren die Hitzetoten und der Wassermangel im europäischen Hitzejahr 2003 ein Vorgeschmack auf mögliche Auswirkungen des Klimawandels? Dieser und verwandten Fragen widmete sich das Forschungsprogramm StartClim in seinem Themenschwerpunkt 2004.

WissenschafterInnen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik belegten, dass sich die Anzahl der Hitzetage – das sind Tage mit Maximaltemperaturen über 30°C – in Österreich in den letzten rund 50 Jahren flächendeckend verdoppelt haben. Betroffen sind Gebiete unter 800m Seehöhe, oberhalb kommen so hohe Temperaturen derzeit praktisch nicht vor. Die Zukunftsszenarien der Universität für Bodenkultur ergaben einen Anstieg der Hitzetage im Nordosten Österreichs von derzeit unter 10 Tagen pro Jahr auf das Dreifache in der Periode 2030–2050 und auf das Vierfache in der Periode 2070–2100. Das bedeutet, dass in etwa 30 Jahren die Temperatur im Sommer an jedem dritten Tag die 30°C-Marke überschreiten könnte.

 

Es steigen nicht nur die Temperaturen, auch die Niederschlagsverhältnisse ändern sich, allerdings nicht gleich in ganz Österreich. Die deutlichsten Veränderungen ergeben sich im Herbst: der Altweibersommer – die trockene und eher warme Witterungsperiode im Herbst – tritt in Österreich nicht mehr mit der Beständigkeit auf wie in den 1950er und 1980er Jahren. Davon ist die Tourismuswirtschaft, insbesondere im Gebirge, betroffen: Die Berge verstecken sich öfter hinter Wolken und Niederschlag, damit werden die Herbstwanderungen beeinträchtigt. Die Landwirtschaft findet die in der Schönwetterphase verlässlich guten Feldarbeitsbedingungen immer seltener vor.

 

Untersuchungen der Ertragseinbußen in der Landwirtschaft für die Periode 1997–2003 haben gezeigt, dass hohe Maximaltemperaturen wesentlich zur Reduzierung von landwirtschaftlichen Erträgen beitragen. So kann die Erhöhung der mittleren maximalen Tagestemperatur während der Kornfüllungsphase um 1°C bei Gerste zu Ertragseinbußen von 5% führen. Die im Jahr 2003 zusätzlich zu den hohen Temperaturen aufgetretene Trockenheit hat in den Trockengebieten Ostösterreichs bei Mais zu Ertragseinbußen von über 25% geführt. Das Jahr 2003 hat auch gezeigt, dass nicht alle Kulturarten im gleichen Ausmaß Schaden erlitten haben. Je nachdem in welcher Entwicklungsphase der Pflanzen die extremen Witterungsbedingungen auftraten, fielen die Schäden stärker oder schwächer aus. Besonders betroffen war das Grünland. Regional konnten auch nur geringe Niederschläge zwischendurch die Einbußen stark reduzieren.

 

Das Forschungsprogramm StartClim ist so angelegt, dass aktuelle Klima-Themen rasch aufgegriffen werden können. In kleinen, kurzen Forschungsprojekten zeigen erste Analysen potenziellen politischen oder wirtschaftlichen Handlungsbedarf auf, und legen dar, welche Daten, Untersuchungen etc. gebraucht werden, um besser abgesicherte Ergebnisse oder analoge Ergebnisse für andere Regionen oder Wirtschaftssektoren zu erzielen. StartClim wurde nach den Hochwasserereignissen 2002 ins Leben gerufen und wird von einem offenen Geldgeberkonsortium finanziert, das heuer um einen weiteren Vertreter aus der Privatwirtschaft erweitert werden konnte – die Verbund Austrian Hydro Power AG.

 

Die wissenschaftliche Projektleitung liegt bei Univ.-Prof. Dr. Helga Kromp-Kolb, Institut für Meteorologie, Department Wasser-Atmosphäre-Umwelt, Universität für Bodenkultur Wien, die administrative Abwicklung erfolgt über das Umweltbundesamt.

 

Im Konsortium beteiligt sind das Lebensministerium, BMWA, BMBWK, Österreichische Nationalbank, Österreichische Hagelversicherung, Umweltbundesamt, Verbund Austrian Hydro Power AG.

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