Reduktion der Lebenserwartung durch Feinstaub

(24.3.2006)  Das Umweltbundesamt untersuchte, in welchem Ausmaß die durchschnittliche Lebenserwartung in den Städten und Regionen in Österreich abhängig von der Feinstaubbelastung reduziert wird. Die stärksten Effekte zeigen sich für die Landeshauptstädte Graz, Linz und St. Pölten sowie für die Bundeshauptstadt Wien.

 

Die Berechnungen zeigen, dass – bleibt die Feinstaubbelastung über mehrere Jahrzehnte konstant hoch – die durchschnittliche Lebenserwartung in Graz um ca. 17 Monate, in Linz um ca. 14, in Wien um ca. 12, in St. Pölten um ca. 11, Innsbruck um ca. 10, in Klagenfurt um ca. 9 und in Salzburg um ca. 7 Monate – verringert wird.

 

Da die individuelle Lebenserwartung von vielen Faktoren beeinflusst wird und sich die persönliche Belastungssituation ändern kann, lassen sich diese berechneten Werte nicht notwendigerweise direkt beobachten.

Health Impact Assessment

Für die Ermittlung der Gesundheitseffekte sind die ExpertInnen im Umweltbundesamt nach der etablierten Methode des ‚Health Impact Assessments’ vorgegangen, die auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO verwendet wird.

 

Die Konzentrations-Wirkungs-Beziehung für die österreichischen Berechnungen wurde aus der weltweit größten und aussagekräftigsten Kohortenstudie – der American Cancer Society Studie (ACS) - übernommen Die Ergebnisse der Berechnungen zeigen, um wie viele Monate sich die durchschnittliche Lebenserwartung in mit Feinstaub belasteten Gebieten im Vergleich zu Gebieten mit unbelasteter Luft vermindert, wenn eine dauerhafte Exposition besteht.

 

Die Abschätzung der Belastungssituation der Bevölkerung durch PM2,5 erfolgt anhand des Jahresmittelwertes. Die PM2,5-Konzentration wird mittels eines Umrechnungsfaktors aus PM10 berechnet, der aus den vorliegenden Parallelmessungen von PM2,5 und PM10 abgeleitet wurde. Für die vorliegenden Berechnungen wurde das PM2,5-Jahresmittel von 2003 und 2004 herangezogen. Der Mittelwert dieser beiden Jahre, in denen die Feinstaubbelastung überdurchschnittlich hoch (2003) bzw. unterdurchschnittlich (2004) war, bildet durchschnittliche Verhältnisse ab.

Außenluftbelastung und Gesundheit

Zahlreiche Studien haben in den letzten Jahren einen Zusammenhang zwischen der Belastung durch Feinstaub (PM10 und PM2,5) und gesundheitlichen Auswirkungen gezeigt. Diese Auswirkungen reichen von (vorübergehenden) Beeinträchtigungen der Lungenfunktion bis zu zuordenbaren Todesfällen, vor allem aufgrund von Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nach einer aktuellen Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört die Außenluftbelastung zu jenen Umwelteinflüssen, die die größten gesundheitlichen Auswirkungen in westlichen Industrieländern verursachen.

 

Trotz Unsicherheitsfaktoren – wie Umwelteinflüsse – zeigt sich bei diesen aktuellen Berechnungen für Österreich ein erheblicher Einfluss der Feinstaubbelastung auf die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung. Die signifikante Verminderung der Feinstaubbelastung ist daher nicht nur im Hinblick auf die Einhaltung der rechtlich verbindlichen Grenzwerte in Österreich, sondern auch im Sinne eines auf Prävention ausgerichteten Gesundheitsschutzes notwendig.

 

Weitere Informationen:

Pressestelle Umweltbundesamt

Ingeborg Zechmann, +43 (0) 664/611 90 94

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