Neue Ergebnisse aus dem Ökosystemmonitoring

(15.3.2007) Die biologische Vielfalt von Wäldern in den Nördlichen Kalkalpen Österreichs nimmt seit den 90er-Jahren stetig ab. Das zeigt eine Studie des Umweltbundesamt, für die WissenschafterInnen verschiedenster Disziplinen Datenreihen vom Zöbelboden aus über zehn Jahren ausgewertet haben. In der einzigen Untersuchungsfläche für „Integrated Monitoring“ in Österreich wird die Wirkung der Luftschadstoffe Stickstoff und Schwefel auf eine Reihe von Bioindikatoren untersucht.

 

Stickstoffeinträge erreichen in vielen österreichischen Wäldern Critical
Loads, Grenzwerte für die maximale Schadstoffbelastung, die ein Ökosystem verträgt. Am Zöbelboden werden die Critical Loads für Stickstoffeinträge um bis zum Doppelten überschritten. Jährlich sind die Wälder am Zöbel-boden einer Stickstoffdeposition von 28 bis 43 kg pro Hektar ausgesetzt. Das entspricht dem Zehnfachen vorindustrieller Belastung.

 

Die Luftschadstoffe Stickstoff und Schwefel schaden der Vegetation nährstoffarmer Waldböden besonders stark. Während die Vorkommen von Flechten am Zöbelboden von 1992–2005 stetig abnahmen, blieben die Vorkommen verschiedener Moosarten relativ stabil.

 

Saure Einträge durch Schwefel gingen in den letzten Jahrzehnten stark zurück, sodass heute vor allem Stickstoffablagerung zur Versauerung der Böden beiträgt. Insgesamt erholen sich die Böden am Zöbelboden von der Versauerung durch Schwefel, weisen aber eindeutige Zeichen von Stickstoffanreicherung auf.

Waldvegetation, Moose und Flechten

Die Anreicherung von Stickstoff im Boden führt zu einer Reaktion in der
Zusammensetzung der Waldbodenvegetation. Nährstoffarme Standorte sind stärker betroffen als nährstoffreiche, langfristig sind daher in erster Linie die Arten nährstoffarmer Standorte gefährdet.

 

Die Häufigkeit der verschiedenen Moosarten ist eher stabil. Nennenswerte Änderungen betreffen nur einige wenige Arten und sind nur teilweise auf Effekte von Stickstoff- und Schwefeleinträgen zurückzuführen. In der Zusammensetzung der Arten zeigen sich allerdings eindeutige Symptome langfristiger Luftverschmutzung.

 

Stickstoff- und Schwefeleinträge wirken sich stark negativ auf die epiphytische Flechtenvegetation aus. Die Häufigkeit von Flechten nimmt insgesamt ab, vor allem sensible Arten gehen zurück und einige wenige Arten sterben völlig aus. Statistisch nimmt die Vielfalt an Flechten nicht ab, da neue Arten hinzukommen. Flechtengesellschaften verändern sich aber klar durch Luftschadstoffe und sind immer weniger mit typischen Flechtengesellschaften von Reinluftgebieten vergleichbar. Die Auswirkungen der Immissionen nehmen von 1993 bis 2005 zu, so sind z. B. die Flechten in den Dauerbeobachtungsflächen heute durch Luftverschmutzung stärker beeinflusst.

Ökosystemmonitoring am Zöbelboden

Der Zöbelboden liegt am Rande des Nationalparks Kalkalpen, umfasst ca. 90 ha und ist die erste und einzige Untersuchungsfläche für Integrated Monitoring in Österreich. Integrated Monitoring bezeichnet langfristiges und interdisziplinäres Monitoring von Ökosystemen und ist die Kurzbezeichnung für das Programm der Europäischen Wirtschaftskommission (UN-ECE) zur „Umfassenden Beobachtung der Wirkung von Luftverschmutzung auf Ökosysteme“. Im Zuge des Programms richten die teilnehmenden Staaten in wichtigen, sensiblen Naturräumen nationale Flächen zur Langzeitbeobachtung ein. Mit europaweit vereinheitlichten Methoden werden die Stoffeinträge durch Luft und Niederschläge gemessen, die Veränderungen des Ökosystems über Jahrzehnte untersucht und die Austräge von Stoffen durch Oberflächengewässer und ins Grundwasser analysiert.

 

Im Integrated Monitoring werden viele Wirkungsfaktoren und Bioindikatoren gleichzeitig untersucht. Dieses simultane Messen verhindert falsche Schlussfolgerungen zu Ökosystemveränderungen.

 

 

Weitere Informationen:

Petra Wiener, Pressestelle Umweltbundesamt, 
Tel.: +43 (0)1 313 04/5432