Luftgüte in Österreich 2006

Zahlreiche Überschreitungen bei Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid

(15.10.2007) Das Umweltbundesamt kommt im aktuellen Jahresbericht zur Luftgütesituation in Österreich zu folgenden Ergebnissen: Im Jahr 2006 wurden zahlreiche Überschreitungen der Grenzwerte für Feinstaub (PM10) und für Stickstoffdioxid (NO2) registriert. Vereinzelte Grenzwertverletzungen gab es auch bei Schwefeldioxid (SO2), Stickstoffoxiden (NOx), Staubniederschlag sowie Blei und Cadmium im Staubniederschlag. Für Ozon wurden häufige Überschreitungen der Schwellenwerte wie auch des Zielwerts zum Schutz der Gesundheit festgestellt.

Belastung und Ursachen

Verglichen mit dem Jahr 2005 hat die Anzahl der Grenzwertüberschreitungen bei PM10 im Jahr 2006 zugenommen. Wurde im Jahr 2005 bei PM10 der Grenzwert für den Tagesmittelwert an 58 Messstellen (von 111) überschritten, so wurde dieser 2006 an 70 Messstandorten überschritten. Die Belastung war 2006 allerdings niedriger als im Jahr 2003, dem bislang höchstbelasteten Jahr seit Beginn der flächenhaften PM10-Messung im Jahr 2001. Die relativ starken Unterschiede von Jahr zu Jahr sind durch die jeweiligen Wetterbedingungen verursacht. Für die Überschreitungen der PM10-Grenzwerte sind die Ursachen vielfältig: Neben Emissionen des Verkehrs spielen auch Hausbrand, Industrie- und Gewerbebetriebe sowie Bautätigkeit eine wesentliche Rolle. Zusätzlich trägt auch der Ferntransport von Feinstaub in den außeralpinen Regionen Österreichs deutlich zur Feinstaubbelastung bei.

 

Die Ozonbelastung war im Sommer 2006 leicht überdurchschnittlich. Die Informationsschwelle wurde an 21 Tagen überschritten, die Alarmschwelle an drei Tagen. Mit 336 µg/m³ wurde am 28. Juli 2006 die bislang höchste bodennahe Ozonkonzentration in Österreich gemessen. Der Zielwert für Ozon zum Schutz der Gesundheit, der ab 2010 einzuhalten ist, wurde an 57 % aller österreichischen Messstellen überschritten. Häufigste Ursache für die Überschreitungen war das Zusammenwirken langer, heißer Schönwetterphasen und hoher Emissionen der Ozonvorläufersubstanzen – Stickoxide und flüchtige Kohlenwasserstoffe ohne Methan (NMVOC) – mit der mitteleuropäischen Hintergrundbelastung. Die Alarmwertüberschreitungen gehen auf kurzzeitige starke Ozonbildung zurück.

Vor allem an verkehrsnahen Messstationen wurden Grenzwertüberschreitungen bei NO2 registriert. Während die NO2-Belastung bis in die späten 90er Jahre rückläufig war, zeigt sich etwa seit dem Jahr 2000 an verkehrsnahen Messstellen ein deutlicher Anstieg der NO2-Belastung und der Überschreitungen. Hauptverantwortlich für die Überschreitungen bei NO2 ist der Straßenverkehr. Der Hauptgrund für den Anstieg der NO2-Belastung ist eine Zunahme der primären NO2-Emissionen aus Dieselfahrzeugen.

 

Der Grenzwert für NOx zum Schutz von Ökosystemen und der Vegetation wurde an einer Messstelle oberhalb des Inntals in Nordtirol überschritten. Grenzwertverletzungen bei Schwefeldioxid (SO2), Staubniederschlag sowie bei Blei und Cadmium im Staubniederschlag traten 2006 lokal im Nahbereich von Industriebetrieben auf. Bei SO2 wurden die Grenzwertverletzungen durch Störfälle verursacht.

 

Details zur Luftgüte in Österreich finden Sie im Jahresbericht „Luftgütemessungen in Österreich 2006“. (REP 0104)

Grenzwerte und Messungen

Die Luftgüte in Österreich wird von den Ämtern der Landesregierungen und vom Umweltbundesamt gemessen, die Ergebnisse fasst das Umweltbundesamt im Jahresbericht zur Luftgüte zusammen. Basis für die Bewertung der beschriebenen Luftschadstoffe bilden die Grenzwerte, die im Immissionsschutzgesetz-Luft festgelegt sind. Die Ziel- und Schwellenwerte für Ozon sind im Ozongesetz geregelt.

 

Emission und Immission

 

Als Emission von Schadstoffen wird die Abgabe von Schadstoffen an die Umgebung an der Schadstoffquelle bezeichnet. Nach dem Ausstoß können Schadstoffe verdünnt und verfrachtet, durch luftchemische Vorgänge umgewandelt und durch Deposition wieder aus der Luft entfernt werden Als Immission wird die Konzentration der Schadstoffe in der Luft am Ort der Einwirkung auf Mensch, Tier und Pflanzen bezeichnet.

 

Der Anteil einer Verursachergruppe an den Emissionen kann sich stark von den Immissionsbeiträgen dieses Verursachers an bestimmten Standorten unterscheiden. Auswertungen der Messergebnisse zeigen u.a., dass der Anteil des Verkehrs an der an städtischen Straßen gemessenen Belastung deutlich höher ist als der Anteil des Verkehrs an den österreichischen Emissionen.

 

Weitere Informationen:
Ingeborg Zechmann, Pressestelle Umweltbundesamt, mobil: 0664/611 90 94

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