Neue Erkenntnisse zu Schwermetallen in Waldböden

(Wien, 10. Dezember 2009) Boden fungiert unter anderem als  Filter und Puffer für Schadstoffe – wie Schwermetalle. Am Zöbelboden im Reichraminger Hintergebirge wird seit 16 Jahren das Ökosystem Wald unter die Lupe genommen. Aus den Daten zweier Bodeninventuren 1992 und 2004 haben die ExpertInnen des Umweltbundesamt neue Erkenntnisse über das Verhalten von Schwermetallen gewonnen und kürzlich im Fachjournal „Environmental Pollution“ veröffentlicht: Die Konzentrationen von Blei und Cadmium sind deutlich zurückgegangen.

Einer der Gründe für den Rückgang der Konzentrationen sind abnehmende Einträge dieser Schwermetalle. Der zweite Grund ist auf den Kreislauf der Schwermetalle in Waldböden zurückzuführen: Entgegen bisheriger Annahmen, es wurde von mittleren Verweilzeiten von 150 bis 500 Jahren ausgegangen, wird anthropogenes Blei und Cadmium nicht langfristig  in den obersten Bodenschichten gespeichert,  sondern kontinuierlich in tiefere Bodenschichten verlagert – in relativ kurzer Zeit.  

Die Auswertungen der Bodenproben vom Zöbelboden zeigen innerhalb von zwölf Jahren deutlich abnehmende  Konzentrationen (bis 34%) im Auflagehumus und den obersten Bodenschichten (0-10 cm).

 

Aber auch bei den Waldböden sind je nach Typ Unterschiede feststellbar, die ExpertInnen gehen davon aus, dass dafür vor allem der Wasserhaushalt der Böden verantwortlich ist, da dieser bei der Verlagerung von Stoffen im Boden eine entscheidende Bedeutung hat.

Kontinuierliche Verlagerung in tiefere Schichten heißt aber auch, dass Quellwässer potentiell gefährdet sind, weil die Schwermetalle rascher als angenommen in dieses gelangen. Die Konzentrationen im Boden- und Quellwasser am Zöbelböden liegen jedoch weit unterhalb der EU Grenzwerte für Trinkwasser.

Schwermetalle in Ökosystemen

Die industrielle Revolution und vor allem der wirtschaftliche Aufschwung nach dem 2.Weltkrieg führten in Europa zu einem deutlichen Anstieg der Schwermetallemissionen. In Folge kam es durch den (weiträumigen) Transport dieser Schwermetalle auch in abgelegenen Regionen – wie dem Umtersuchungsgebiet Zöbelboden – zu einer Zunahme der Einträge dieser Schwermetalle in das  Ökosystem Boden. Da Schwermetalle im Boden nicht abgebaut werden können und Böden diese effektiv adsorbieren, reichern sie sich  in den oberflächennahen Bodenschichten an. Dabei gilt: Je höher die Konzentrationen in diesem Medium, desto größer die potentielle Gefährdung von Fauna, Flora  und Grund- bzw. Trinkwasser.

Standort Zöbelboden

Im Jahr 1998 wurde innerhalb der Genfer Konvention für weiträumige, grenzüberschreitende Luftverschmutzung (CLRTAP)  das Schwermetallprotokoll  in Aarhus (Dänemark) verabschiedet. Eines der wichtigsten Ziele dieses Protokolls ist die Reduktion der Emissionen der drei Schwermetalle Blei, Cadmium und Quecksilber unterhalb des Niveaus von 1990. Die Überprüfung der Wirksamkeit dieses Protokolls wird unter anderem durch das Programm ICP Integrated Monitoring gewährleistet, das auf eine Verbesserung des Wissens über die Ursachen-Wirkungs-Beziehungen in Ökosystemen abzielt. Aus diesem Grund werden auf den Standorten dieses Programms die Stoffeinträge, die Stoffkonzentrationen der einzelnen Ökosystemkompartimente und die Stoffausträge in unterschiedlichen zeitlichen Abständen mit europaweit einheitlichen Methoden gemessen. Die umfassenden Untersuchungen am Standort Zöbelboden im Reichraminger Hintergebirge sind der österreichische Beitrag zum „Integrated Monitoring“-Programm.

 

Weitere Informationen

Christine Schatz, Pressestelle Umweltbundesamt, Tel.: 01/313 04 - 5434

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Environmental Pollution