CLISP: Klimawandel in den Alpen
Herausforderungen für die Raumplanung
(Wien, 8. September 2011) Strategien und Lösungsansätze für eine Raumplanung, die auf den Klimawandel in den Alpen durch langfristig vorausschauende Anpassung reagiert, stehen im Mittelpunkt der heutigen Abschlusskonferenz im Rahmen des Projekts CLISP (Climate Change Adaption by Spatial Planning in the Alpine Space) unter der Leitung des Umweltbundesamt. 14 PartnerInnen aus sechs Alpenstaaten - Österreich, Deutschland, Slowenien, Italien, Schweiz und Liechtenstein - waren an diesem dreijährigen Projekt beteiligt.
Temperaturanstieg & Wetter-Extreme
Der Alpenraum ist vom Klimawandel und seinen Auswirkungen stärker betrof-fen als andere europäische Regionen. ExpertInnen rechnen mit einem Tem-peraturanstieg zwischen 1.3 und 3.5°C bis 2050. Die Region mit der größten Erwärmung in Europa wird künftig der Alpenraum sein. Für den jährlichen Niederschlag erwarten die ExpertInenn ein Nord-Süd-Gefälle: leichter Anstieg im Norden, deutlicher Rückgang im Süden. Generell wird es im Sommer trockener und im Winter feuchter. Wetter-Extreme, zunehmende saisonale Wasserknappheit, Hochwasser- und Naturgefahren, Gletscherschmelze und Rückgang von Permafrost-Böden werden in Zukunft die Alpen prägen.
Herausforderungen
Prävention von Naturgefahren, Sicherung von Freiräumen, Schaffung neuer Grünflächen (die auch als Kaltluftschneisen dienen können), Nutzung brach-liegender Flächen zur Minderung des Hitzeeffekts, Stärkung ökologischer Korridore, klimawandelgerechter Umbau des Baubestandes - im Projekt wurde deutlich, dass die Alpenländer vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Diese Maßnahmen sind wichtig, da sie zur Anpassung an den Klimawandel und zur Schaffung robusterer Raumstrukturen beitragen. Dabei sind vorhandene Raumplanungsinstrumente konsequent anzuwenden und weiterzuentwickeln.
Vulnerabilität
Die Raumplanung kann wesentlich zur Eindämmung der Vulnerabilität (Ver-wundbarkeit) und Erhöhung der Robustheit gegen mögliche Auswirkungen des Klimawandels beitragen. Im Rahmen des Projekts haben die ExpertInnen die räumlichen Verwundbarkeiten in einem Modell erfasst und in insgesamt 10 Modellregionen bewertet, wie etwa in der Region Pinzgau-Pongau. In den Gemeinden Kaprun, Zell am See, Eben und Goldegg wurden die damit verbundenen Auswirkungen auf die Bereiche Tourismus und Siedlungsentwicklung eingehend untersucht. Die Analyse zeigte dort, dass bereits viele wichtige Schritte in der Raumplanung eingeleitet wurden, die Abhängigkeit inbesondere vom Wintertourismus jedoch problematisch ist. Eine Anpassung einzelner rechtlicher Rahmenbedingungen wird künftig notwendig sein.
"Klimawandel-Fitness" von Raumplanungssystemen
Ein wesentliches Thema im Rahmen des CLISP-Projekts war die Untersu-chung der "Klimawandel-Fitness" von Raumplanungssystemen. Dabei wurden Stärken und Schwächen, Handlungsoptionen sowie "Good-practice-Beispiele" für "klimabeständige" Planungsansätze identifiziert und ein Bewertungstool für RaumplanerInnen entwickelt ("Guidance for Planners"). Damit gelingt eine Einschätzung, ob Raumplanungsinstrumente und -verfahren klimawandelfit sind. Verbesserungspotentiale werden deutlich.
Transnationale Planungsstrategie
Ein zentrales Ergebnis von CLISP ist die Entwicklung einer transnationalen Planungsstrategie. Sie behandelt Handlungsfelder, Ziele und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel im Rahmen der Raumplanung und raumwirksamer Fachplanungen. Sie dient EntscheidungsträgerInnen im Bereich der regionalen und örtlichen Raumplanung zur Orientierung.
Das Projekt zeigt deutlich, wie wichtig die Raumplanung als integratives, sektorübergreifendes Instrument ist. CLISP hat bereits während der Projektlaufzeit dazu beigetragen, dass die Anpassung an den Klimawandel zunehmend zu einem Handlungsfeld der Raumplanung wird.
Rückfragehinweis:
Sabine Enzinger, Pressestelle Umweltbundesamt,
Tel.: +43-(0)664-80013-5488
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