Nachlese zum Science Event

UmWelt & Erfolg: Option Vielfalt

© Umweltbundesamt/Gröger Im Dialog (v.l.n.r.): Karin Bauer (Moderatorin des Events),
Beatrice Achaleke, Raimund Gutmann, Mathilde Schmitt,
Georg Schöppl

Wien, 7. November 2012 -  Der Tenor des insgesamt 11. Science Event von Umweltbundesamt und Radio Österreich 1 lautete: Vielfalt in der Gesellschaft und in Unternehmen ist längst Realität - die Frage ist nur, wie wir damit umgehen und wie wir sie nutzen. Die provokante Frage "Braucht es Vielfalt in Gesellschaft, Ländern, Regionen?", die zu Beginn des Events eingebracht wurde, stellt sich gar nicht. ReferentInnen und Publikum waren sich einig, dass sich die moderne Gesellschaft längst aus Individuen mit multidimensionalen Identitäten und Bezugsrahmen zusammensetzt.

Mark Terkessidis brachte es in seiner Keynote auf den Punkt: "Vielfalt gibt es – wir können es uns nicht leisten, sie nicht zu gestalten." Der deutsche Autor, Journalist und Migrationsforscher stellte die Vielfalt als Herausforderung dar, die es auszuhandeln gilt. Aus seiner pragmatischen Sicht, gibt es keinen Grund, Vielfalt zu romantisieren, vielmehr seien wir schon längst in der Zeit nach der Migration angekommen. Wie die Gesellschaft mit "Vielheit" umgeht, müsse partizipativ und im Diskurs erarbeitet werden. Als wichtigste Ansatzpunkte für mehr Wertschätzung der Diversität identifizierte Terkessidis den Werte- und Systemwandel in Institutionen – weg von der Integration von Problemgruppen hin zur Inklusion –, die Gestaltung öffentlicher Räume als Plattformen, auf denen Vielheit möglich wird und die Integration von Partizipationsprozessen auf Ebenen wie der Stadtentwicklung.

 

Vielfalt in Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft

© Umweltbundesamt/Gröger Claus Rüffler (li.), Universität Wien, und Georg Rebernig,
Umweltbundesamt

In drei Vorträgen und in den anschließenden Publikumsdialogen lag der Fokus auf den Perspektiven der Nachhaltigkeit. Die unterschiedlichen Zugänge der Vortragenden zum Thema zeigten die Vielschichtigkeit von Diversität.

Der Biomathematiker Claus Rüffler widmete sich in seinem Vortrag der Vielfalt in der Ökologie. Aus Umweltsicht ist für Rüffler klar: Artenvielfalt macht Ökosysteme stabiler und funktionsfähiger. Artenvielfalt setzt Koexistenz voraus. Diese Koexistenz ist auch im Zusammenleben und -arbeiten der Menschen längst Realität.

Der Soziologe Erol Yildiz stellte sich der Frage, ob Vielfalt das Kriterium für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft ist. Seine Conclusio: " Wir leben mit Diversität – und wir leben gut damit." Vor allem Städte seien ohne Diversität und Mobilität nicht denkbar, die Bewegungsprotokolle der Menschen werden immer komplexer. Dieser Alltag spiegelt sich aus Yildiz' Sicht in der Politik noch zu wenig wider.

Die Wirtschaftswissenschafterin Gertraude Krell ortet zwei wesentliche Trends im Zusammenhang mit Vielfalt in Unternehmen: Zum einen gebe es eine Vervielfältigung der Diversity-Konzepte, zum anderen wird in diesen Konzepten Vielfalt oft auf eine Dimension reduziert. Prinzipiell ist für sie Diversity ein Konzept, das wir uns nicht leisten können wegzulassen.

Vielfalt im Alltag

In der Podiumsdiskussion standen Strategien für den Umgang mit Vielfalt im Vordergrund. Ein Beispiel dafür war der Wohnbau, in dem es für Raimund Gutmann von Wohnbund Consult zwangsläufig über kurz oder lang zu einem Umdenken kommen muss. Das Eigenheim werde schon aus Platzgründen vom verdichteten Wohnbau abgelöst, der seinen Bewohnern dafür einen Mehrwert an Infrastruktur, Vernetzung, Kontakten etc. bietet. Soziale Nachhaltigkeit hat sich laut Gutmann bereits zu einem Erfolgsfaktor für die Vergabe von Wohnbauprojekten entwickelt. Dieser Trend werde sich in Zukunft fortsetzen. In Generationen denkt auch Georg Schöppl von den Österreichischen Bundesforsten. Für ihn ist Vielfalt nicht nur die Lebensgrundlage des Menschen sondern auch eine Art Lebensversicherung. Nur wenn die Menschen heute so leben, dass auch noch die nächsten Generationen die heutige Lebensqualität haben, sei die Welt auch morgen noch lebenswert.

Mathilde Schmitt von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften brachte einen neuen Aspekt in die Diskussion ein: Nicht nur die Stadt ist ein Hot Spot für Vielfalt, sie hat auch in den Regionen längst Einzug gehalten und manifestiert sich unter anderem in der steigenden Zahl der Zweitwohnsitze. Wenn auch in Gemeinderäten und Vereinen erst nach und nach sichtbar, gebe es auch auf dem Land vielfältige Qualifikationen, Herkunftsländer, sexuelle Orientierungen u.v.m. Die persönliche Ebene zeigte Beatrice Achaleke, Diversity Beraterin, auf. Für sie geht es bei Diversität nicht um andere, sondern um uns alle und darum, dass jede und jeder seine Potenziale ausschöpfen kann. Der Weg zu diesem Ziel ist ein langfristiger Prozess, der nie ganz abgeschlossen ist. Die Schwerpunkte können sich verlagern und ein kurzfristiges "return on investment" ist nicht zu erwarten – langfristig lohnt es sich aber für Unternehmen und für die Gesellschaft, auf Vielfalt zu setzen.

Science Event 2012

Der Science Event 2012 wurde von  Umweltbundesamt und Radio Österreich 1 im Rahmen des Risiko:dialog veranstaltet. Der Risiko:dialog ist eine wachsende Community, die zur Meinungsbildung in spannenden gesellschaftlichen Prozessen beiträgt. Dies passiert im Netzwerk. Risiko:dialog-PartnerInnen, MitveranstalterInnen und SponsorInnen des Science Events: Austrian Power Grid AG (APG), Bundesamt für Umwelt Schweiz, Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ), Der Standard, Microsoft Österreich, Lebensministerium, OMV, Universität für Bodenkultur (BOKU), Österreichische Bundesforste (ÖBf), Universum Magazin, Ströck Brot und ERSTE Stiftung. 

 

Weitere Informationen:
Ingeborg Zechmann, Pressestelle Umweltbundesamt, Tel.: +43-(0)1 31304-5413

Infobox

Downloads

Vortrag Erol Yildiz [PDF, 1.6MB]

Vortrag Gertraude Krell [PDF, 96KB]

Vortrag Claus Rüffler [PDF, 2.0MB]

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