Untersuchung des Herbizids Chloridazon

© Umweltbundesamt/B. Schwarzl

Wien, 16. Februar 2016 – Umweltbundesamt-ExpertInnen haben Versuche an der Lysimeterstation in Wagna (Steiermark) durchgeführt, um das Verhalten von Chloridazon und der Metaboliten Desphenyl-Chloridazon und Methyl-Desphenyl-Chloridazon im System Boden-Wasser-Pflanze zu untersuchen. Von besonderem Interesse sind neben dem Verhalten der Pestizidwirkstoffe im Boden die Aufnahme in Pflanzen sowie die Versickerung und Verlagerung in das Grundwasser. Chloridazon und die Metaboliten wurden für die Untersuchungen ausgewählt, da diese bereits im Grundwasser nachgewiesen werden konnten. Die Untersuchung fand im Rahmen einer Dissertation am Umweltbundesamt in Kooperation mit BOKU und Joanneum Research statt, die in der internationalen Fachzeitschrift „Soils and Sediments“ veröffentlicht wurde.

Ergebnisse

 

Chloridazon und die Metaboliten Desphenyl-Chloridazon und Methyl-Desphenyl-Chloridazon konnten zeitgleich etwa fünf Monate nach der Aufbringung des Pestizidwirkstoffs nachgewiesen werden. Auffallend sind die hohen Konzentrationen des Metaboliten Desphenyl-Chloridazon über mehrere Jahre. Die Metaboliten wurden in unterschiedlichen Bodenschichten gefunden. Es kommt zu einer Verlagerung nach unten, wobei eine Abnahme der Chloridazon-Konzentrationen und ein Anstieg beider Metaboliten festgestellt wurden. Desphenyl-Chloridazon wies die höchsten Konzentrationen im Boden auf. In den geernteten Maispflanzen wurden Rückstände der Wirkstoffe festgestellt. In den Grünteilen der Pflanze ist ein deutlicher Anstieg des Metaboliten Desphenyl-Chloridazon zu beobachten. Positive Werte von Desphenyl-Chloridazon wurden in den Maiskörnern gefunden.
Der Versuch zeigt deutlich, dass unter den gegebenen Rahmenbedingungen ein relativ hohes Austragsrisiko von Chloridazon und dessen Metaboliten über das Sickerwasser gegeben ist. Regenereignisse sind – neben den Eigenschaften des Bodens und der eingesetzten Substanzen – bedeutend für die Verlagerung von Pestiziden in das Grundwasser.

Methode

 

Die Analytik der Pestizide erfolgte mittels Flüssigchromatographie und Tandemmassenspektrometrie (LC-MS/MS), wodurch Konzentrationen in Bereichen, die üblicherweise in der Umwelt vorkommen, nachgewiesen werden können. „In der Prüfstelle des Umweltbundesamtes werden mehr als 3000 Substanzen analysiert. Da ständig neue Stoffe auf den Markt kommen, haben wir auch diese Pestizide und ihre Metaboliten im Visier. Wir beobachten sie hinsichtlich ihres Risikos für Umwelt und Gesundheit“, erläutert Gundi Lorbeer, Leiterin der Prüfstelle.

 

Chloridazon

 

Das Herbizid Chloridazon wird zur Unkrautbekämpfung im Rübenbau eingesetzt. Der aktuelle Grenzwert für Pestizide und relevante Metaboliten ist in der Trinkwasserverordnung mit 0,1 μg/L festgelegt. Eine Bewertung der Relevanz sowie eine Risikobewertung der in Österreich in Frage kommenden „nicht relevanten Metaboliten“ von Pestiziden im Hinblick auf eine potentielle Gefährdung der menschlichen Gesundheit wurde gemäß dem Leitfaden SANCO/221/2000 der Europäischen Kommission von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) durchgeführt. Die Chloridazon Metaboliten Desphenyl-Chloridazon und Methyl-Desphenyl-Chloridazon zählen zu jenen „nicht relevanten Metaboliten“, die von der AGES bislang bewertet wurden und für die Aktionswerte mit je 3,0 μg/L im Trinkwasser festgesetzt wurden.