Vom Klärschlamm in den Boden?

Analyse zum Schadstoffeintrag in landwirtschaftlich genützte Böden

© Herbert Heim, Umweltinstitut

Wien, 29. November 2016 – Klärschlamm ist eine Mischung aus Fest- und Flüssigstoffen, die bei der Abwasserreinigung anfällt und unter anderem zu Kompost weiterverarbeitet wird. Klärschlammkompost wird in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzt. Er kann neben wertvollen Nährstoffen auch problematische oder toxische Substanzen enthalten, denen das Umweltbundesamt in Kooperation mit dem Umweltinstitut des Landes Vorarlberg in einer aktuellen Studie auf der Spur war. Die ExpertInnen beprobten landwirtschaftlich genutzte Flächen in Vorarlberg vor und nach dem Aufbringen von Klärschlammkompost und bestimmten ausgewählte Schadstoffe im Klärschlamm, im Kompost, im Boden und im Gras. Im Fokus standen dabei persistente organische Schadstoffe. „Bei unserer Untersuchung fanden sich sowohl altbekannte Risikostoffe, deren Anwendung bereits seit Jahren in vielen Ländern verboten ist, als auch sogenannte ‚upcoming pollutants‘ wie Flammschutzmittel oder Weichmacher im Boden“, fasst Umweltbundesamt-Experte Manfred Clara die Ergebnisse zusammen.

Ergebnisse im Überblick

 

Die höchsten Konzentrationen nahezu aller untersuchten Schadstoffe fanden sich im Klärschlamm. In den Kompostproben waren die Konzentrationen niedriger. Diese Abnahme ist im Wesentlichen auf eine „Verdünnung“ durch die Mischung mit Strukturmaterial zurückzuführen. Bei einigen Stoffen war diese Abnahme aber nur sehr gering (z.B. Quecksilber oder Perfluoroctansäure), was darauf hindeutet, dass auch über das Strukturmaterial ein Stoffeintrag in den Kompost erfolgt.

 

Die Schadstoffkonzentrationen in den Bodenproben waren zumeist deutlich niedriger als die Konzentrationen in den Komposten. Die Messwerte liegen im Bereich von Literaturwerten. Nichtsdestotrotz wurden neben den Schwermetallen auch zahlreiche organische Schadstoffe wie Weichmacher, Flammschutzmittel oder perfluorierte Tenside in den Bodenproben nachgewiesen.

 

Bei einigen Stoffen (wie dem Weichmacher DEHP oder dem Flammschutzmittel HBCDD) wurden nach der Aufbringung von Klärschlammkompost höhere Konzentrationen in den Bodenproben von den Düngeflächen gemessen als vor der Düngung. Ein eindeutiger Einfluss der Düngung mit Klärschlammkompost auf die Bodenkonzentrationen der untersuchten Schadstoffe ist aber nicht zweifelsfrei ableitbar. Vielmehr weisen theoretische Abschätzungen darauf hin, dass bei einigen Schadstoffen von weiteren Stoffeinträgen auszugehen ist.

 

Die Studie entstand im Auftrag des Landes Vorarlberg sowie des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW).