Veranstaltung Klimaziele 2020
Erstmals hat das Umweltbundesamt Treibhausgasszenarien auf Basis von Energieszenarien bis 2030 berechnet, die den Wirtschaftseinbruch in den Jahren 2008 bis 2010 berücksichtigen. Die neuen, mit anerkannten ExpertInnenorganisationen erstellten, Modellergebnisse zeigen nun noch präziser, unter welchen Annahmen Österreich seine Klimaziele erreichen kann.
Vor dem Hintergrund des Wirtschaftseinbruchs 2008-2010 haben die ExpertInnen von Umweltbundesamt, Wirtschaftsforschungsinstitut, Austrian Energy Agency, Energy Economics Group (TU Wien) und dem Institut für Verbrennungstechnik der TU Graz vier Szenarien entwickelt: Darin legen sie alternativ ein 2%iges sowie ein 1,5%iges Wirtschaftswachstum pro Jahr zugrunde. Bei der Modellierung der Energieszenarien werden zwei Varianten berechnet: in einer werden nur jene Maßnahmen berücksichtigt, die bis 2010 umgesetzt wurden, in der anderen auch zusätzliche Maßnahmen aus der Energiestrategie Österreich, die derzeit noch nicht implementiert sind.
Die nationalen Energie- und Klimaziele für 2020: ein 34%iger Anteil an erneuerbaren Energieträgern, eine Begrenzung des energetischen Endverbrauchs auf 1.100 Petajoule (d.s. 1.100 Billiarden Joule) und eine 16%ige Reduktion von Treibhausgasen im Effort-Sharing-Bereich.
Anteil erneuerbarer Energieträger
Aus den Modellberechnungen wird deutlich: Im Jahr 2020 wird der Anteil erneuerbarer Energieträger 35,7% (bei 2%igem Wirtschaftswachstum) bzw. 36,6% (bei 1,5%igem Wirtschaftswachstum) betragen, jedoch nur wenn zusätzliche Maßnahmen getroffen werden. Andernfalls wird das 34%-Ziel nicht erreicht werden können. Auch bis zum Jahr 2030 weisen die Szenarien eine Übererfüllung dieses Ziels aus, sofern zusätzliche Schritte unternommen werden. Die ExpertInnen rechnen mit einem Anteil an erneuerbaren Energieträgern von 39%. Ohne weitere Anstrengung wird jedoch auch bis 2030 die 34%-Marke unterschritten.
Endenergieverbrauch 2020
Bis 2020 wird ein energetischer Endverbrauch zwischen 1.033 Petajoule und 1.172 Petajoule projiziert, je nach unterstelltem Wirtschaftswachstum und Umsetzungsgrad von Maßnahmen. Das Ziel, den Gesamtverbrauch von 1.100 Petajoule nicht zu überschreiten, wird nur mit Hilfe zusätzlicher Maßnahmen erreicht werden können. Bei einem jährlichen 1,5%igen Wirtschaftswachstum liegt der Endverbrauch im Jahr 2020 bei 1.033 Petajoule, unter Annahme eines 2%igen Wirtschaftswachstums um 6% höher, bei 1.093 Petajoule, so die ExpertInnen. Bis 2030 wird das Ziel nur im Szenario mit geringerem Wirtschaftswachstum und mit weiteren Anstrengungen erreicht. In allen Modellen tragen die Sektoren Industrie und Verkehr am meisten zum Gesamtenergieverbrauch bei. Öl wird bisher als Energieträger dominieren, gefolgt von Erdgas und Strom.
Mehr als 20%ige Treibhausgasreduktion?
Die ExpertInnen des Umweltbundesamt gingen auch der Frage nach, inwieweit die derzeit verbindlichen Klimaschutzziele für 2020 ausgeweitet werden könnten. Die Ergebnisse zeigen, dass die THG-Emissionen im Effort-Sharing-Bereich um bis zu 25% gegenüber 2005 verringert werden könnten. Das größte Potenzial liegt dabei in der Senkung der preisbedingten Kraftstoffexporte im Verkehrsbereich, aber auch in anderen Bereichen wie der Raumwärme, Gewerben und Industrie sowie der Landwirtschaft bestehen nennenswerte Reduktionspotenziale. Darüber hinaus ist ein zusätzlicher Beitrag des Emissionshandelssektors möglich. Dieser kann durch die Verknappung der Zertifikate auf EU-Ebene und durch die damit verbundenen Preissignale als Anreiz für Maßnahmen im Bereich Emissionshandel erreicht werden.
Infobox
Downloads
Präsentationen der Veranstaltung:
Modellsysteme und Inputdaten für Szenarien bis 2030 (I. Meyer)
Energieszenarien 2030 - Stromverbrauch und -aufbringung (G. Kirchner)
Energieverbrauch für Heizen /Warmwasser. Klimatisierung der Kleinverbraucher (L. Kranzl)
Energieszenarien 2030 - Verkehr (S. Hausberger)
Energiewirtschaftliche Inputdaten und Szenarien 2011 (I. Schindler)
Analyse ambitionierterer Klimaziele 2020 (J. Schneider)
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