Stickstoffeintrag im Wald

© Smidt BFW

Am LTER Standort Zöbelboden im Reichraminger Hintergebirge wird seit 18 Jahren das Ökosystem Wald unter die Lupe genommen. Das europäische Messnetz solcher Standorte erlaubt die langfristigen Auswirkungen von Luftschadstoffen auf das Ökosystem zu analysieren und zu bewerten.

Durch die Nutzung fossiler Energieträger, Viehzucht und Düngung landwirtschaftlicher Flächen sind natürliche Ökosysteme heute einer, gegenüber vorindustriellen Zeiten, 5-10 fachen Belastung mit Stickstoff ausgesetzt. Am LTER Standort Zöbelboden beträgt die Gesamtstickstoffdeposition in den Wald als Summe von Freilanddeposition, trockener Deposition (Gase) und Nebeldeposition ohne Berücksichtigung von deponiertem Feinstaub ca. 30 - 40 kg/ha/Jahr.

Im Untersuchungsgebiet variieren auf engstem Raum die Jahreseinträge von Stickstoff zwischen Hochwaldbeständen und Freiflächen um 40 - 60 %. Aber auch die Baumartenzusammensetzung, der Bestandsaufbau und das Relief führen zu Unterschieden von bis zu 30 %. Die Ursache für diese Variabilität liegt in der Aufteilung der gesamten Stoffeinträge auf eine Vielzahl von Eintragspfaden (Regen- und Schneedeposition, absetzende und eindringende Aerosole, Direktaufnahme atmosphärischer Gase) und deren unterschiedlicher Gewichtung in Abhängigkeit von Vegetationsstrukturen und Relief.

Waldökosysteme sind Luftschadstoffen generell stärker ausgesetzt als andere Landnutzungsformen. So wird am LTER Standort der gebietsspezifische Grenzwert für Eutrophierung gemessen an den Freilandeinträgen laut Critical Loads der UN-ECE eingehalten, während er im Wald deutlich überschritten wird. Das Ökosystem zeigt im Vergleich sehr hohe Nitratverluste, die auch eine Folge der hohen Stickstoffeinträge sind.

Die für den Schutz der Funktionsfähigkeit von Ökosystemen zu hohen Stickstoffeinträge sind ein europaweites Problem. Initiativen wie die European Nitrogen Initiative und die UN-ECE Task Force on Reactive Nitrogen erarbeiten die Grundlagen für politische Maßnahmen zur Emissionsreduktion.

© Umweltbundesamt

Die Abbildung bietet einen Überblick zu den bekannten Pfaden, auf denen Stoffe aus der Atmosphäre in Ökosysteme gelangen können. Die angegebenen Werte bezeichnen die Eintragsmengen für Gesamtstickstoff in kg pro Hektar und Jahr (kg/ha/a), wie sie in den Jahren 1995 - 2009 am LTER Standort „Zöbelboden“ erhoben werden konnten.

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