Neue Chancen für die Großtrappe
Großtrappen sind weltweit gefährdet und stehen auf der roten Liste. Durch umfangreiche Schutzmaßnahmen haben sich die Bestände in Österreich leicht erholt.
Balzender Trapphahn.
Das Mecklenburgische Kochbuch von 1896 enthält noch ein Rezept zur Zubereitung von Großtrappen. 100 Jahre später gibt es in Deutschland nur mehr etwa 80 dieser großen Vögel, in Österreich 60. Intensive Landwirtschaft hat ihre Lebensräume dezimiert, viele Großtrappen sind zudem mit Hochspannungsleitungen kollidiert. Ab 2005 wurden in Ostösterreich gemeinsam mit VertreterInnen der Energie- und Landwirtschaft gezielte Maßnahmen gesetzt. Die Bestände haben sich seither leicht erholt.
Kollisionsgefahr entschärft
Die Großtrappe (Otis tarda) zählt zu den schwersten flugfähigen Vogelarten – männliche Exemplare wiegen bis zu 16 Kilogramm. Als ausgezeichnete Flieger legen sie über 200 Kilometer am Tag zurück. Allerdings beeinträchtigt das hohe Körpergewicht ihre Wendigkeit: Im Jahr 2003 wurden fast 20 Prozent einer österreichischen Teilpopulation durch Kollision mit Stromleitungen getötet. Damit die Vögel rechtzeitig ausweichen können, wurden in Ostösterreich seither über 150 Kilometer Hochspannungsleitungen mit speziell entwickelten Trappenwarntafeln und -kugeln markiert. Im westlichen Weinviertel und im Raum Nickelsdorf wurden Masten und Drähte gleich ganz abgebaut: fast 50 Kilometer Mittelspannungsleitung verlaufen dort nun unter der Erde. In einem Folgeprojekt werden bis 2015 weitere Erdverkabelungen und Leitungsmarkierungen durchgeführt. Das Projekt läuft im Rahmen des Förderprogramms LIFE+ der Europäischen Union. Partner sind die Österreichische Gesellschaft Großtrappenschutz, die Länder Niederösterreich und Burgenland, das Lebensministerium, die Nationalparkverwaltung Neusiedler See - Seewinkel sowie die Leitungsbetreiber Bewag, EVN und Verbund-APG.
Lebensraum: offene Brachflächen
Großtrappen sind weltweit gefährdet und stehen auf der roten Liste. Ihr bevorzugter Lebensraum sind offene Gras- und Ackerlandschaften, wie sie etwa im Natura-2000 Schutzgebiet Parndorfer Platte - Heideboden bei Nickelsdorf vorkommen. Hier zeigen die Hähne im April und Mai ihr charakteristisches Balzspiel. Trappen sind wachsame, störungsempfindliche Vögel, die rasch mit Flucht reagieren. In den Schutzgebieten wird daher auf Tourismus verzichtet, LandwirtInnen und JägerInnen vor Ort vermeiden jede unnötige Störung. Im Rahmen eines Interreg-Projekts wurden Schwarzbrachen und Daueräsungsflächen angelegt, um den Lebensraum für Großtrappen noch attraktiver zu machen. Die differenzierte Mahd sichert die offenen Flächen als wichtigen Typ der regionalen Kulturlandschaft. Die Großtrappe ist eine Indikatorart für diesen Lebensraum.
Durch die umfangreichen und grenzüberschreitenden Schutzmaßnahmen hat sich die gesamte westpannonische Population in den letzten Jahren leicht erholt – in Österreich befanden sich zur Brutzeit 2010 etwa 260 Großtrappen.






















