Raumentwicklung - Planen für Generationen
Die Gestaltung des Raums steht im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Entwicklung, gesellschaftlichen Trends, demografischen Veränderungen und Ressourcenschutz. Jede Nutzung einer Fläche verknappt die begrenzte Ressource Boden.
Alle räumlichen Aktivitäten wirken sich auf unterschiedliche Umweltbereiche aus. Sie beeinflussen biologische Vielfalt und Ökosysteme, Mobilitätsverhalten und Verkehrsaufkommen, Energiebedarf und -versorgung und wirken damit direkt auf Emissionen und Klima ein. Viele dieser Trends werden im neunten Umweltkontrollbericht erfasst und bewertet.
Zwischen 2007 und 2010 wurden in Österreich täglich durchschnittlich 20 Hektar pro Tag für Bau- und Verkehrsflächen, Bergbau- und Freizeitflächen in Anspruch genommen. Davon werden rund fünf Hektar Fläche versiegelt. Gleichzeitig werden täglich rund drei Hektar ehemals genutzte Gewerbe- und Industrieflächen frei - eine Fläche, auf der umgerechnet 30 frei stehende Einfamilienhäuser, 60 bis 120 Einfamilien-Reihenhäuser oder 300 bis 750 Geschoßwohnungen Platz haben.
Setzt sich der Trend der vergangenen Jahre zum Einfamilienhaus, zur Zersiedelung und zur funktionalen Trennung von Wohnen, Arbeit und Freizeit fort, wird einerseits der motorisierte Individualverkehr weiter zunehmen und andererseits wertvolle Fläche versiegelt, also durch wasserundurchlässige Schichten wie zum Beispiel Asphalt bedeckt. Dem will die Politik entgegenwirken und hat sich in der Österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie zum Ziel gesetzt, den Zuwachs der täglichen Flächeninanspruchnahme für Bau- und Verkehrszwecke bis 2010 auf maximal 2,5 Hektar zu reduzieren.
Der Traum vom Haus im Grünen
Eine Fessel GfK-Umfrage aus dem Jahr 2005 belegt, dass für 79 % der ÖsterreicherInnen das konventionelle Einfamilienhaus die bevorzugte Wohnform darstellt. Aus Umweltsicht nicht die beste Wahl, da sich Siedlungsdichte, Gebäudetyp und -ausrichtung auf den Energiebedarf der Haushalte auswirken. Pro Quadratmeter Wohnnutzfläche ist der Energieeinsatz bei einem Reihenhaus um etwa 35 % und bei einem Geschoßwohnbau um etwa 50 % geringer als bei einem Einfamilienhaus.
Weg mit dem Speck(gürtel)
Steigende PenderInnenzahlen, zunehmende "Speckgürtel" um die Städte und der Rückgang an Einzelhandelsbetrieben in den Ortschaften zeigen, dass für viele ÖsterreicherInnen die Stadt gleichbedeutend mit Arbeitsplatz ist, das Land wiederum zum Leben und zur Erholung dient. Die derzeitige Siedlungsstruktur fördert jedoch den motorisierten Individualverkehr: Die Wege zwischen Arbeitsplatz und Wohnort werden länger, die Einkaufszentren wandern an den Ortsrand und sind nur mit dem Auto erreichbar. Die Zahl der Gemeinden ohne Einzelhandelsbetriebe stieg zwischen 2003 und 2005 um rund 8 %.
Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, braucht es Konzepte, die über die örtliche Raumplanung hinausgehen und auf ein effizientes Flächenmanagement für die gesamte Region abzielen. So werden im Projekt „Entwicklung regionaler Aktionsprogramme zur multifunktionalen, ökologisch optimierten Nutzung von Landschaft und Umweltressourcen (MUFLAN)“ vom Umweltbundesamt gemeinsam mit regionalen AkteurInnen und Stakeholdern und der ÖAR Regionalberatung GmbH in drei österreichischen Muster-Regionen Wege für das zukünftige Umweltressourcenmanagement diskutiert und erarbeitet. Dazu werden die vorhandenen Umweltressourcen analysiert und in einem intensiven Partizipationsprozess nachhaltige Nutzungsmöglichkeiten erarbeitet. Das Projekt startet voraussichtlich im Herbst 2010. Umfassende Informationen zu MUFLAN demnächst hier im Magazin.
Raum für Klimawandelanpassung
Hochwässer und Stürme verursachten zwischen 2002 und 2009 enorme Schäden. An Gebäuden entstand allein durch Hochwässer ein geschätztes Schadensvolumen von rund 180 Mio. Euro. Nachhaltige Raumplanung kann den Klimawandel nicht aufhalten, hat aber enormes Potenzial, die Verwundbarkeit zu mindern und die Widerstandsfähigkeit gegenüber negativen Klimawandelfolgen zu erhöhen. Zudem spielt sie eine wichtige vorbeugende Rolle im Umgang mit Naturgefahren. Die Rückhalteräume, Überflutungsflächen und Gefahrenzonenpläne sind die Grundlage für das Naturgefahrenmanagement.
Besonders wichtig ist dies im Alpenraum, der durch steigende Temperaturen, saisonale Niederschlagsänderungen, den Rückgang der Schneedecke und zunehmende Extremwetterereignisse besonders vom Klimawandel betroffen ist. Gefahren und Chancen, die sich daraus ergeben, werden derzeit im Projekt "Climate Change Adaptation by Spatial Planning in the Alpine Space" (CLISP) analysiert. Erste Ergebnisse sind im September 2011 zu erwarten.
Von der Raumplanung zum Flächenmanagement
Freie Fläche und freier Raum wird immer weniger, während die Nutzungs- und Anspruchsvielfalt steigt. Die Raumplanung hat Mittel und Wege, um die Flächenkonkurrenz zu verringern. Dazu zählen Standortplanung, Brachflächenrecycling, Wahl der Bebauungsformen, städtische Grün- und Freiraumraumplanung und vieles mehr. Werden auf Flächen effiziente und nachhaltige Bebauungs- und Siedlungsstrukturen geschaffen, lässt sich das Verkehrsaufkommen verringern, Energie und Ressourcen sparen und Lebensqualität steigern - auch der Erfolg von Klimaschutzmaßnahmen ist abhängig von abgestimmten Siedlungs- und Verkehrsstrukturen.
Um die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen, bedarf es einer gemeinsam von Gemeinden, Ländern und Bund getragener Strategie für ein nachhaltiges Flächenmanagement, denn raumplanerische Entscheidungen sind langanhaltend wirksam.






















