Rote Liste der gefährdeten Grünlandbiotoptypen Österreichs
(24.6.2004) Das Umweltbundesamt erstellt in Zusammenarbeit mit zahlreichen WissenschafterInnen erstmals eine Rote Liste gefährdeter Biotoptypen für Österreich. Diese gibt Auskunft, wie es um die Bedrohung von Lebensräumen in Österreich steht.
Der Schutz von Lebensräumen – so genannten Biotoptypen – ist eine der wichtigsten Aufgaben des Naturschutzes. Denn: nur die dauerhafte Bewahrung ihres Lebensraumes erlaubt es, seltene Arten langfristig zu erhalten!
Der eben vorgelegte zweite Band der Roten Liste gefährdeter Biotoptypen Österreichs widmet sich dem Grünland und den Gebüschen.
Besonders das Grünland mit den artenreichen Wiesen, Weiden und Almen bietet für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten eine wichtige Heimat – seien es nun bunte Schmetterlinge, zirpende Heuschrecken oder Orchideen.
In Österreich kommen 61 verschiedene Grünlandtypen vor – von artenreichen Feuchtwiesen wie dem Biotoptyp „Pfeifengras-Streuwiese“ bis zu „Fels-Trockenrasen“ reicht die Palette. Österreich besitzt somit eine bemerkenswert große Anzahl an Wiesentypen. „Davon sind leider mittlerweile aber viele bedroht“, bedauert der Botaniker Dr. Franz Essl vom Umweltbundesamt: mehr als 90% der Wiesentypen sind gefährdet. Immerhin, völlig verschwunden ist noch keiner der erfassten Biotoptypen.
Stark gefährdet sind ungedüngte Wiesen. Diese klassischen Blumenwiesen bringen den Landwirten wenig Ertrag, beherbergen aber die größte Vielfalt an Pflanzen und Tieren und sind für den Naturschutz daher besonders wichtig. Weil sich die Nutzung trotz Förderungen heute oft nicht mehr lohnt, werden sie entweder gedüngt oder aufgeforstet – beides mit fatalen Folgen für die Vielfalt.
„Die Ergebnisse zeigen, dass rasch Maßnahmen für einen verstärkten Schutz dieser artenreichen Wiesen ergriffen werden müssen“, so die Autoren der Studie. Damit sich die Nutzung solcher Blumenwiesen für die Bauern weiterhin lohnt, sollten die Förderungen für Extensivierungs- und Naturschutzmaßnahmen im Agrarumweltprogramm ÖPUL ausgebaut werden. „Ein weiterer wichtiger Schritt ist der verstärkte Schutz besonders stark bedrohter Wiesentypen“, so DI Maria Tiefenbach, Leiterin der Abteilung Naturschutz im Umweltbundesamt. Für diese Wiesentypen sollte eine österreichweite Erfassung durchgeführt werden. Entscheidend für den Erfolg dieser Maßnahmen ist eine intensive Kooperation mit den Besitzern und Bewirtschaftern, den Landwirten.
Die Bewahrung artenreichen Grünlandes dient auch dem Schutz der abwechslungsreichen Kulturlandschaft, auf die Österreich stolz ist und die Touristen auch so schätzen.
Literatur:
Essl, F., et al, S. (2004): Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen Österreichs: Grünland, Grünlandbrachen und Trockenrasen; Hochstauden- und Hochgrasfluren, Schlagfluren und Waldsäume; Gehölze des Offenlandes und Gebüsche. Umweltbundesamt, Monografie, Bd.-M 167. 272 Seiten.
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