Monitoring-Programm langlebiger organischer Schadstoffe (POPs) in den Alpen
(30.04.2008) – Die Belastung des alpinen Raums mit POPs – langlebigen organischen Schadstoffen – stand im Mittelpunkt des internationalen Forschungsprojekts MONARPOP (MOnitoring Network in the Alpine Region for Persistent and other Organic Pollutants). Über mehrere Jahre wurden dafür mit innovativen Methoden Pflanzen-, Boden-, Luft- und Niederschlagsproben aus 40 entlegenen Alpenstandorten erhoben und auf rund 30 Substanzen und -gruppen untersucht.
In dem von Österreich initiierten Projekt wurden 40 entlegene Alpenstandorte auf Menge, Herkunft, Verbreitung und Verbleib von langlebigen organischen Schadstoffen, sogenannten POPs, untersucht. Ein Ziel von MONARPOP ist, die Wirksamkeit der Stockholm-Konvention zu überprüfen. Dieses internationale Übereinkommen soll die Konzentrationen bestimmter POPs – das „dreckige Dutzend“ – durch Verbote, Einschränkungen und verbindliche Richtlinien verringern.
Alpen als Barriere und Kältefalle
Zu den untersuchten Schadstoffen gehören etwa Dioxine, in Europa lange nicht mehr verwendete Pestizide wie DDT oder krebserregende Kohlenwasserstoffe. Diese landen entweder durch Fernverfrachtung in den Alpen oder stammen aus lokalen Quellen wie Hausbrand oder Verkehr.
Zentrale Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt MONARPOP zeigen, dass die Alpen als Barriere und Kältefalle für POPs wirken. So fallen die Konzentrationen fast aller Schadstoffe in den Randalpen höher aus als in den zentralen Lagen, die nördlichen Randalpen waren hier besonders auffällig. Für die Anreicherung der POPs spielt auch die Temperatur und damit die Höhenlage eine wichtige Rolle. An den kalten höchstgelegenen Standorten von sieben zusätzlich untersuchten Höhengradienten wurden besonders die in Europa lange verbannten Pestizide in höheren Konzentrationen nachgewiesen. Dieser Effekt der Kältefalle ist auch durch Ergebnisse aus entlegenen kalten Regionen, etwa der Arktis, dokumentiert.
Im Vergleich mit älteren Untersuchungsergebnissen, die für einige Standorte vorliegen, konnten besonders bei den Dioxinen niedrigere Konzentrationen festgestellt werden. Damit liegt ein Nachweis für die Wirksamkeit emissionsmindernder Maßnahmen vor.
Innovative Ansätze
Für MONARPOP wurden neue Luft- und Niederschlagssammler entwickelt, die den extremen Witterungsbedingungen auf den als Untersuchungsstandorten gewählten hochalpinen Berggipfeln Sonnblick (mit 3106 m der höchstgelegene Standort, A), Weißfluhjoch (CH) und Zugspitze (D) standhalten und weltweit erstmalig eine kontinuierliche Probenahme dieser Schadstoffe an Berggipfeln erlauben. Neu ist auch der Ansatz für die Probenahme: Um festzustellen, woher die Belastungen stammen, wurden die Proben getrennt nach Herkunftsregionen der ankommenden Luftmassen gesammelt.
Projektpartner in MONARPOP
Das Umweltbundesamt koordiniert das Projekt MONARPOP im Auftrag des Lebensministeriums, entwickelte das Forschungskonzept, koordinierte die Probenahme und -analyse in Österreich und analysierte eine Reihe von Schadstoffen. Weitere Projektpartner bzw. mitwirkende Institutionen sind die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, die Alpenanrainerstaaten Deutschland (Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz; GSF Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit; Umweltbundesamt Deutschland), Italien (Regionale Umweltschutzagenturen für Veneto und Lombardei; INCA Laboratorium), Schweiz (Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft; Eidgenössische Materialprüfungsanstalt; Universität Basel; WSL Forschungszentrum für Wald, Schnee und Landschaft) und Slowenien (Slowenisches Forstinstitut).
Das Projekt wurde durch das EU-INTERREG-Programm „Alpine Space“ gefördert.
Weitere Informationen:
Ingeborg Zechmann, Pressestelle Umweltbundesamt, +43 664/611 90 94
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