Alpentourismus und Verkehr

Nur jeder zehnte Gast kommt mit der Bahn

(Wien, 12. März 2009) Knapp 10 - 20% der TouristInnen aus europäischen Großstädten reisen mit der Bahn in die österreichischen Alpen. Im Auftrag des Lebensministeriums hat das Umweltbundesamt in einer Studie die Ursachen für dieses Ergebnis untersucht. Analysiert wurden die nationalen und internationalen Bahnverbindungen in 13 ausgewählte Regionen der österreichischen Alpen und der öffentliche Verkehr vor Ort. Um den Bahnanteil zu steigern, empfehlen die StudienautorInnen eine intensive Zusammenarbeit zwischen Tourismuswirtschaft und Verkehrsmanagement auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene.

© Umweltbundesamt/Groeger

Untersucht wurden die Regionen Gesäuse, Dachstein-Tauern, Weißensee, Pyhrn-Priel, Salzkammergut, Tennengau, Pongau, Nationalpark Hohe Tauern, Zillertal, Arlberg, Bregenzerwald, Montafon und die Stadt Graz. Über touristische Daten wurden die Herkunftsländer der Gäste und die Zugverbindungen für die Reisestrecken ermittelt.

Neben Fahrtdauer, Umsteigehäufigkeit und Bahnservice wurde auch die Mobilität mit öffentlichen Verkehrsmitteln vor Ort erhoben.

 

Ergebnisse und Empfehlungen

 

80 bis 90% der Gäste reisen derzeit mit dem eigenen PKW an. Als Gründe für den geringen Bahnanteil nennt die Studie häufiges Umsteigen und den Gepäcktransport. Die Pongauer Gemeinde Werfenweng, die sich schon vor Jahren auf autofreie Anreise und sanfte Mobilität vor Ort spezialisiert hat, erreichen hingegen 20% der TouristInnen mit der Bahn. Wird diese Zahl für alle untersuchten Regionen angenommen, so ergibt sich ein Bahnpotenzial von rund 950.000 Fahrgästen jährlich.

 

Um den Bahnanteil zu steigern, empfehlen die AutorInnen ein Bündel von Maßnahmen sowohl in den Regionen, als auch auf nationaler und internationaler Ebene. In den nächsten drei bis fünf Jahren sollten Tourismus- und Verkehrsanbieter gemeinsam Angebotspakete schnüren, die neben der Anreise und Mobilität vor Ort zusätzliche Leistungen wie Nächtigungen oder Eintritte beinhalten. Mehr Transparenz in der Fahrpreisgestaltung, Best-Price-Tickets, Mindeststandards für das Bahnservice national und international sowie Informationen zur Anreise per Bahn und zur Mobilität mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den Regionen sind weitere Empfehlungen der Studie. Für die nächsten zehn Jahre werden saisonale Direktverbindungen aus Deutschland und attraktivere Verbindungen aus den östlichen Nachbarländern vorgeschlagen.

 

 

Die Studie ist Teil einer grenzüberschreitenden Untersuchung des Reiseverhaltens im gesamten Alpenraum. Unter Federführung von Österreich und Frankreich befasst sich die Arbeitsgruppe „Nachhaltige Entwicklung“ im Rahmen der Alpenkonvention mit diesem Thema. Beauftragt vom Lebensministerium hat das Umweltbundesamt die nationale Studie für Österreich durchgeführt.

 

 

Weitere Informationen

 

Ingeborg Zechmann, Pressestelle Umweltbundesamt, mobil +43 664/611 90 94