FloodRisk II - Neue Erkenntnisse zum Hochwassermanagement

Lebensministerium und BMVIT kooperieren bei Forschungsprojekt

(Wien, 29. Juni 2009) – Um aus den Hochwasserereignissen der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen, wurden diese in den letzten Jahren in umfassenden Forschungsprojekten – FloodRisk I und II – interdisziplinär analysiert. Im Vorfeld eines Fachsymposiums am 29. und 30. Juni 2009 präsentierten Umweltminister Niki Berlakovich und Verkehrsministerin Doris Bures gemeinsam mit Projektkoordinator Helmut Habersack, BOKU, am Danube Day 2009 die Ergebnisse aus FloodRisk II.

Umweltminister Niki Berlakovich unterstrich, dass „nach dem Hochwasserkatastrophenjahr 2002 gemeinsam mit den Ländern ein Finanzierungspaket mit einem Investitionsvolumen von 2,9 Millarden Euro geschnürt wurde. Damit können wir die erforderlichen Maßnahmen umsetzen, die zum Schutz der Menschen und vor wirtschaftlichen Schäden notwendig sind. Wir haben auch gelernt, dass wir für ein erfolgreiches Hochwassermanagement offen mit der betroffenen Bevölkerung kommunizieren und die Zusammenarbeit aller Fachdisziplinen forcieren müssen.“

Verkehrsministerin Doris Bures, zuständig für die Wasserstraßen Donau und March betonte ebenfalls, dass Hochwassermanagement die Zusammenarbeit aller erfordere. „Wir investieren derzeit massiv in den Ausbau des Hochwasserschutzes. Seit 2007 greift die 15a-Vereinbarung zwischen Bund und den Bundesländern Oberösterreich, Niederösterreich und Wien, wonach jährlich je 21 Millionen Euro von Bund und Ländern investiert werden. Dieser Betrag konnte von Seiten des BMVIT für die Jahre 2009 und 2010 um 14 Millionen Euro gesteigert werden. Die Hochwasserschutzmaßnahmen werden mit voller Kraft weitergeführt, sobald der Wasserstand der Donau weit genug zurückgegangen ist und die Bauarbeiten wieder möglich sind.“

Generell werden bis 2016 rund 570 Millionen Euro in den Hochwasserschutz von Donau, March und Thaya investiert – 420 Millionen Euro für den Donau-Hochwasserschutz, 102 Millionen Euro für die March und 50 Millionen Euro aus dem Sanierungsprogramm der Donau-Hochwasserschutzkonkurrenz.

Ergebnisse aus FloodRisk II

Zentrale Erkenntnis von FloodRisk II ist, dass die Hauptursache der enormen Schäden der vergangenen extremen Hochwasserereignisse in einer außergewöhnlichen Kombination von großer räumlicher Ausdehnung und extremer Entfaltung des Wettergeschehens liegt. Absoluter Hochwasserschutz ist nicht möglich, das Restrisiko muss durch ein umfassendes Hochwasserrisikomanagement minimiert werden. Eckpfeiler der österreichischen Strategie im Umgang mit Hochwasser sind vorrangig der Schutz des menschlichen Lebens, der Schutz der Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen, aber auch der Schutz der Gewässer selbst. Darüber hinaus sind die erforderliche Minderung der Sachschäden, eine Sicherung des Wiederaufbaus und die Nachhaltigkeit der Maßnahmen ebenfalls zu berücksichtigen.

45 Teilprojekte in allen hochwasserrelevanten Bereichen - Meteorologie, Hydrologie, Geomorphologie, Naturgefahren, Ökonomie, Recht, Raumordnung und Katastrophenschutz. - führten im Rahmen von FloodRisk II beispielhaft zu folgenden weiteren Konkretisierungen und Empfehlungen:

  • In der Hydrologie sind zur Reduktion der Unsicherheit in den Bemessungswerten das Auftreten von Hochwasserdekaden verstärkt zu berücksichtigen, die Verwendung einer möglichst weitreichenden Datenbasis anzustreben und hochwasserrelevante, regionalspezifische Informationen zu verwenden.
  • Aus ökologischer Sicht sind die noch bestehenden Auen in Österreich zu schützen. Überflutungsflächen sind für den Hochwasserschutz und zur Verbesserung der Hydrologie für die Auen – insbesondere dort wo sie außerhalb der bestehenden Hochwasserschutzdämme liegen – wieder zu gewinnen.
  • Ein Schwerpunkt des Hochwassermanagements sollte in Zukunft die systematische Zustandserhebung bestehender Hochwasserschutzbauwerke sein. Vor Hochwasserereignissen sollten Planungen für mögliche Sofortmaßnahmen zur Verfügung stehen, um im Anlassfall den Zeitraum der Umsetzung wesentlich zu verringern.
  • Aus ökonomischer Sicht sollten öffentliche Mittel dort eingesetzt werden, wo der Nutzen für die Gesellschaft am höchsten ist. Eine Aufgabe dabei ist es, das vorhandene umfangreiche Datenmaterial zu erschließen, um diesen Nutzen besser zu bewerten und sichtbarer zu machen.
  • Die raumordnungsgesetzlichen Ziele sollten verstärkt die Freihaltung von Überflutungsflächen priorisieren und Leitlinien den Umgang mit gefährdetem Widmungs- und Baubestand enthalten.
  • Aus rechtlicher Sicht sollte die Ausweisung der Hochwassergefahr (z. B. durch Gefahrenzonenpläne, Gefahrenkarten, Risikokarten) in Hinkunft normativ aufgewertet, die Raumordnungsgesetze der Länder betreffend ihre Regelungen für den Umgang mit Bauland in Gefährdungsbereichen präzisiert und insbesondere Änderungs- und Rückwidmungsbestimmungen eindeutiger festgelegt werden. In allen Bauordnungen sollten spezifische Ermächtigungen der Baubehörden vorgesehen werden, erforderlichenfalls nachträgliche (Hochwasser-schutz-)Maßnahmen in Form von Auflagen vorzuschreiben.

Aus der Geomorphologie ist die Freihaltung des minimalen flussmorphologischen Raumbedarfs durch eine Erhaltung oder Herstellung eines minimalen Sicherheitsabstandes notwendig. Dieser sollte zumindest auf beiden Ufern die ein- bis dreifache Flussbreite betragen und wäre mit einem absoluten Bebauungsverbot zu belegen.

Forschungsprojekt FloodRisk II

FloodRisk II basiert auf der Zusammenarbeit von ExpertInnen aus allen hochwasserrelevanten Bereichen: Meteorologie, Hydrologie, Geomorphologie, Naturgefahren, Ökonomie, Recht, Raumordnung und Katastrophenschutz. Die Gesamtkosten von ca. 2,1 Millionen Euro wurden von Lebensministerium, BMVIT, den Bundesländern sowie Städte- und Gemeindebund getragen.

Organisatorisch und fachlich koordiniert wurde das Projekt vom Umweltbundesamt und dem Zentrum für Naturgefahren der Universität für Bodenkultur (ZENAR). Mehr als 150 Fachleute aller relevanten Fachgebiete aus österreichischen Verwaltungs- und Forschungseinrichtungen arbeiteten dabei auch eng mit weiteren Institutionen aus ganz Europa zusammen.

 

Weitere Informationen:
Ingeborg Zechmann, Pressestelle Umweltbundesamt, mobil +43 664/611 90 94