Frauen sind anders, Männer auch – ein Thema für die Umweltpolitik?

(Wien, 1. Dezember 2009) Im Fachgespräch „UmWelt und Gesundheit“ am 25. November 2009 in der Diplomatischen Akademie in Wien erörterten ExpertInnen aus den Bereichen Medizin, Soziologie, Archäologie, Ernährungswissenschaften und Umwelt das Phänomen „Gender“ in der Umweltpolitik. Dabei standen die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Belastung und Wirkung von Schadstoffen aus der Umwelt im Vordergrund. Bestandteil einer modernen Umweltpolitik sollte eine Differenzierung sein, so das Fazit. Veranstaltet wurde das 6. Fachgespräch „UmWelt und Gesundheit“ vom Umweltbundesamt in Zusammenarbeit mit dem Lebensministerium.

„Wir atmen die gleiche Luft und trinken das gleiche Wasser, aber die darin enthaltenen Schadstoffe belasten Frauen und Männer oft unterschiedlich. In Zukunft müssen wir diese Unterschiede mehr denn je berücksichtigen und so zur Vorsorge beitragen“, erläuterte Gundi Lorbeer, Leiterin des Programmes Stoffe und Analysen im Umweltbundesamt in ihrer Begrüßung die Motivation für die Auseinandersetzung mit dem Thema.

 

Die Veranstaltung diene dazu, neue Impulse und Ideen für eine Genderdiskussion in Österreich anzuregen.

Jede Disziplin habe ihren ganz spezifischen Gender Aspekt. Es werde daher kein eigenes Fachgebiet geben, meinte Jeanette Strametz-Juranek, Vorsitzende der Gesellschaft für Gendermedizin. Zur Geschichte der Gendermedizin erklärte die Expertin, dass erst seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts die unterschiedliche Wirkung von Medikamenten auf Frauen und Männer untersucht werde.

 

Während in der Medizin und anderen wissenschaftlichen Disziplinen die Auseinandersetzung mit dem Gender Thema bereits etabliert sei, stecke die Diskussion in der Umweltforschung und –politik noch in ihren Anfängen, meinte Alarich Riss, Leiter der Abteilung Schadstoffe und Mensch am Umweltbundesamt. Vor allem Umweltschadstoffe mit hormonähnlicher Wirkung könnten sich bereits bei geringster Konzentration geschlechtsspezifisch auswirken und so möglicherweise zu geringerer Fruchtbarkeit und Funktionsstörungen führen. Frauen erkranken häufiger an Autoimmunstörungen und Allergien. Der höhere Körperfettanteil von Frauen trage dazu bei, dass sie bestimmte Schadstoffe besser speichern als Männer. Über das Blut werden Schadstoffe bereits in der Schwangerschaft auf Kinder übertragen.

 

Die Schadstoff-Forscherin Claudia Gundacker von der Medizinischen Universität Wien wies darauf hin, dass Buben viermal häufiger von Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) und Autismus betroffen sind als Mädchen. Dies könnte unter anderem auf die Belastung durch Blei zurückzuführen sein.

 

Zum Abschluss des Fachgespräches betonte Thomas Jakl, Leiter der Abteilung für stoffbezogenen Umweltschutz im Lebensministerium, dass das Vorsorgeprinzip zum Schutz der sensitivsten Bevölkerungsgruppe um den Genderaspekt erweitert werden muss. Auch Substanzgemische sollten künftig hinsichtlich ihrer toxischen Effekte bewertet werden – Österreich unterstützt und ergänzt auf EU-Ebene eine diesbezügliche Initiative aus Dänemark.

 

Weitere Informationen

Ingeborg Zechmann, Pressestelle Umweltbundesamt, mobil +43 (0) 664/611 90 94

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