Die "Aliens" sind da!
Problematik der Einschleppung, Einfuhr und Ausbringung gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten. Ein Thema, das international an Bedeutung gewinnt. Im November 2006 fand in Wien die Europäische Konferenz "Neobiota - From Ecology to Conservation" statt.
Alle Neobiota werden hinsichtlich der Art ihrer Ausbreitung (Einwanderung, Einschleppung, Einbürgerung), ihres Status (unbeständig, etabliert) und ihrer derzeitigen naturschutzfachlichen Bedeutung (bisher ohne Auswirkungen, potenziell invasiv, invasiv) charakterisiert.
Gebietsfremde Arten werden auch als "Neobiota" bezeichnet. Der Begriff fasst alle nach 1492 unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen nach Österreich gelangten Organismen zusammen: Pflanzen (Neophyten), Pilze (Neomyzeten) und Tiere (Neozoen).
Gebietsfremde Arten können durch Konkurrenz, Raubdruck und Übertragung von Krankheitserregern oder Parasiten eine Bedrohung der ursprünglichen biologischen Vielfalt darstellen. Zum Schutz der ursprünglichen Artengemeinschaften sind im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Biodiversitätskonvention) Maßnahmen zur Kontrolle jener Arten, die ursprüngliche Arten und Lebensräume gefährden, vorgesehen.
DAISIE - Europas erste Datenbank über Neobiota
DAISIE (Delivering Alien Invasive Species Inventories for Europe) ist Europas erste Datenbank über nicht-heimische Arten. Insgesamt befinden sich in der Datenbank 10.677 Arten. Neben den derzeit bekannten Spezies sind auch jene berücksichtigt, die in Zukunft eventuelle Invasoren sein könnten.
Gebietsfremde Pflanzenarten (Neophyten)
Die Topinambur zählt zu den invasiven Arten.Sie ist wird auch Süßkartoffel genannt.
Für den Naturschutz in Österreich sind 17 Arten der Neophyten problematisch. Diese Arten dringen als invasive Neophyten in naturnahe Lebensräume ein.
Es sind dies nachfolgend genannte Pflanzenarten:
Eschen-Ahorn, Götterbaum, Lanzett-Aster, Glattblatt-Aster, Robinie, Schwarzfrucht-Zweizahn, Schlitzblatt-Sonnenhut Rudbeckia, Drüsenspringkraut, Riesen-Goldrute, Kanadische Goldrute, Kanadische Wasserpest, Amerikanisches Weidenröschen, Japanischer Staudenknöterich, Pennsylvanische Esche, Tobinambur, Kanada-Pappel und Kleines Springkraut.
Weitere 18 Arten wurden als potenziell invasiv eingestuft. Diese Arten werden bei einer weiteren Ausbreitung vermutlich zu Naturschutzproblemen führen.
Invasive Neophyten dringen in Österreich besonders in Gewässer begleitende Lebensräume (Auwälder, Hochstaudenfluren, Uferpioniervegetation) und – in geringerem Ausmaß – in Trockenstandorte des pannonischen Raumes ein. In den meisten anderen naturnahen Lebensräumen Österreichs ist der Neophytenanteil jedoch niedrig.
Gebietsfremde Tierarten (Neozoen)
In der Studie "Neobiotia in Österreich" werden rund 500 Neozoen genannt, die somit etwa 1% der gesamten österreichischen Fauna ausmachen. Weniger als 10% dieser Arten (46) stellen aus naturschutzfachlicher Sicht eine Bedrohung der autochthonen Biodiversität dar (40 potenziell invasiv, 6 invasiv).
Für etwa 30% der Neozoen wird eine negative wirtschaftliche Auswirkung auf autochthone Arten angenommen. Dieser vergleichsweise hohe Wert spiegelt die bevorzugte Dokumentation wirtschaftlich bedeutender Arten wider und umfasst eine breite Palette von eher geringen bis zu sehr bedeutenden Schäden.
Insgesamt wird die Zahl der in Österreich vorkommenden Neozoen in den untersuchten taxonomischen Gruppen auf 700 bis 800 Arten geschätzt.
Für den Naturschutz bedeutsame Veränderungen durch Neozoen werden vor allem von Wirbellosen verursacht. Als Krankheitsüberträger für die bedrohten einheimischen Flusskrebsarten besonders hervorzuheben sind amerikanische Flusskrebse. Die Spanische Wegschnecke dringt zunehmend in naturnahe Standorte vor und ist für den Rückgang einheimischer Schnecken verantwortlich. Weitere Schneckenarten gelten als potenziell invasiv. Mehrere Gefahren drohen den gefährdeten autochthonen Großmuscheln durch Räuber (Bisamratte) und Nahrungskonkurrenten (z.B. Chinesische Teichmuschel).
Unter den Wirbeltieren sind Waschbär, Marderhund, Mink, mehrere Fischarten (z.B. Blaubandbärbling) und verschiedene Schildkrötenarten als potenziell invasive Bedrohung der autochthonen Biodiversität zu erwähnen.
Insgesamt stammt etwa die Hälfte der Neozoen aus der Paläarktischen Region, besonders aus dem Mediterrangebiet. Bei einer tiergruppenspezifischen Betrachtung der Herkunftsländer ergeben sich aber auch deutliche Unterschiede, so stammt z.B. die Hälfte der nicht-heimischen Fische aus Nordamerika.
Auswirkungen auf heimische Arten und Lebensräume
Der Götterbaum ist eine invasive Art.Er erobert Auwälder, Halbtrockenrasen,
Schuttflächen und sogar
Pflasterritzen!
Veränderungen der Artenzusammensetzung als Folge biologischer Invasionen sind besonders in Feuchtlebensräumen erfolgt. Im terrestrischen Bereich sind es vor allem anthropogen geschaffene, künstliche Lebensräume, die von Neozoen besiedelt werden: Monokulturen in der Land- und Forstwirtschaft und urbane Ballungszentren.
Auch in Zukunft werden sich nicht-heimische Organismen in Österreich neu etablieren. Der intensive Fernhandel, der Import neuer oder bislang nur sehr selten in Österreich kultivierter Arten und die Schaffung neuer oder veränderter Biotoptypen werden die Einfuhr, Etablierung und Ausbreitung zusätzlicher Neobiota sogar begünstigen.
Als ein integraler Bestandteil präventiver Maßnahmen wird ein kontinuierliches Monitoring der Fauna und Flora Österreichs angesehen. So können Neobiota möglichst früh erkannt und – falls notwendig – geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Selbst bei einem (theoretischen) Stopp dieses Prozesses ist durch den "time-lag" (d.h. die meist mehrere Jahrzehnte umfassende Zeitverzögerung zwischen erstmaligem Auftreten und vollständiger Etablierung in einem Gebiet) mit weiteren Neobiota in der Zukunft zu rechnen. Die zunehmende Habitatfragmentierung, die prognostizierte Klimaerwärmung und die weitreichenden Veränderungen von Lebensräumen stellen einen weiteren, die Ausbreitung von Neobiota fördernden Faktor dar.
Maßnahmen
Im Umgang mit Neobiota kommt daher präventiven Maßnahmen ein hoher Stellenwert zu. In der Studie "Neobiota in Österreich" des Umweltbundesamt wird ein Katalog vorbeugender Maßnahmen und notwendiger Forschungsarbeiten vorgelegt.
Im Aktionsplan Neobiota werden weitere Maßnahmen zur Verhinderung negativer Effekte nicht-heimischer Arten vorgeschlagen. Dieser liegt seit Jänner 2005 vor.
Neobiota-Tagung (Wien, 2009)
Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst nicht mehr zu übersehen und die Prognosen zeigen eine weitere Beschleunigung der Vorgänge. Sind Neobiota vielleicht die großen Gewinner des Klimawandels? Welche Auswirkungen haben die Wechselwirkungen dieser beiden Faktoren für den Naturschutz in Österreich? Diese und weitere Fragen wurden bei der Tagung „Neobiota und Klimawandel“ im April 2009 angesprochen.
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