Lebenraumvernetzung

Lebensraumvernetzung durch Wildtierkorridore

Lebensraumzerschneidung ist eine der Hauptursachen für das Artensterben und den Verlust der biologischen Vielfalt. Die Fragmentation und Isolation von Lebensräumen findet auf vielen räumlichen Skalen statt und betrifft praktisch alle Organismen. Um dieser aus ökologischer Sicht negativen Entwicklung entgegenwirken zu können, ist die (Wieder-)Vernetzung von Lebensräumen dringend erforderlich.

Raumordnung und Datengrundlagen

HauptadressatInnen für das Anliegen, Lebensräume zu vernetzen, sind die RaumplanerInnen. So macht die Errichtung von Grünbrücken nur dann Sinn, wenn die Raumordnung diese bei allfällig notwendigen Umwidmungen berücksichtigt. Nur so kann verhindert werden, dass beispielsweise Grünland in das die Grünbrücke mündet, nicht in Gewerbegebiet umgewidmet wird.

 

Die RaumplanerInnen machen ihrerseits auf die Bringschuld der Wissenschaft aufmerksam. Ohne ausreichende Datengrundlagen über Wildwechsel und Wanderkorridore können sie die Notwendigkeit der planerischen Umsetzung von Korridoren nicht argumentieren. Digitale Datengrundlagen wären ideal, da diese mit geringem Zeitaufwand eingebaut und somit leichter berücksichtigt werden können. Informationen, die der Raumplanung nicht vorliegen, können nicht berücksichtigt werden. Die Einbindung anderer Fachbereiche, wie z.B. Jagd und Naturschutz, in die Raumplanung ist notwendig.

Gesetzliche Regelungen

Artikel 10 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU legt fest: "Die Mitgliedstaaten werden sich dort, wo sie dies im Rahmen ihrer Landnutzungs- und Entwicklungspolitik insbesondere zur Verbesserung der ökologischen Kohärenz von Natura 2000, für erforderlich halten, bemühen die Pflege von Landschaftselementen, die von ausschlaggebender Bedeutung für wild lebende Tiere und Pflanzen sind, zu fördern".

Strategische Umweltprüfung und Landschaftsnutzung

Der Naturschutz und andere Betroffene müssen die Einhaltung dieser Regelungen und Ziele vermehrt einmahnen, zum Beispiel bei der Erhaltung überregionaler Wildwechsel. Das Ziel der nachhaltigen Entwicklung kann unter anderem durch die Strategische Umweltprüfung (SUP) unterstützt werden. Grundsätzlich sollte die ökologische Planung möglichst früh einsetzen. 

 

Bei der Landschaftsnutzung treffen unterschiedliche Interessen aufeinander. Dass die Raumplanung alle Aspekte berücksichtigen kann, ist unmöglich; die Gewichtung wird oft von der Politik bestimmt, wodurch es auch zu lokalpolitischen Egoismen zu Lasten des Naturhaushaltes kommen kann. Eine Vision wäre, dass die Raumplanung überregional bedeutsame Wildtierkorridore generell berücksichtigt. Hier können z.B. Naturschutz-NGO’s und Landesjagdverbände steuernd auf die Politik einwirken und den Lebensansprüchen von Wildtieren in der Raumplanung mehr Gewicht geben.

Ökologisches Netzwerk für Europa

Seit 1990 besteht die Idee der Errichtung eines ökologischen Netzwerkes für Gesamteuropa. In Ungarn, Tschechien, der Slowakei und in Litauen wurden bereits entsprechende Konzepte entwickelt. In Österreich liegt kein Konzept vor. Zahlreiche österreichische Lebensräume setzen sich in den Nachbarstaaten fort, wie z.B. im Osten die March-Auen als Bestandteil des Alpen-Karpaten-Korridors, der Neusiedler See-Seewinkel oder die Thaya bei Retz.

Richtlinie "Wildschutz"

Vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) wurde eine Neufassung der Richtlinie "Wildschutz" (RVS 3.01) initiiert. Darin werden Mindeststandards für Wildtierpassagen an Autobahnen und Schnellstraßen festgelegt. Auf die raumplanerische Absicherung des Grünlandes zur Erhaltung überregional bedeutsamer Wildtierkorridore hat das BMVIT keinen Einfluss, könnte dies aber bei Umweltverträglichkeitsprüfungen für Verkehrsträger im Rahmen von § 15a Verträgen mit den Bundesländern verbindlich einfordern.