Versiegelung nimmt zu
Raumplanung besonders gefordert
Das Haus im Grünen – der Traum vieler ÖsterreicherInnen – verbraucht vergleichsweise viel Fläche. Die Flächeninanspruchnahme (= Flächenverbrauch) und damit die Versiegelung des Bodens steigen noch immer. Die Ursachen sind im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel, aber auch in der Raumplanungspraxis zu suchen.
Unsere Bau- und Verkehrstätigkeit benötigt täglich rund 10 Hektar
Trotz geringem Bevölkerungswachstum (+ 1,2 % in den letzten 3 Jahren) steigt die Flächeninanspruchnahme (+ 5,2 % in den letzten 3 Jahren) weiter stark an, sowohl in den ländlichen als auch in den stadtnahen Gebieten. Der tägliche Verbrauch für Siedlungs- und Verkehrstätigkeit liegt bei 10 Hektar und der Gesamtflächenverbrauch (inkl. Sportflächen, Abbauflächen usw.) bei 24 Hektar (Durchschnitt der 3 Jahres-Periode 2008–2011) und damit noch immer um das Zehnfache über dem Reduktionsziel der Nachhaltigkeitsstrategie.
Nahezu 4.450 km² der österreichischen Bundesfläche sind Bau- und Verkehrsflächen, davon sind mehr als 40 % versiegelt. Drei Viertel der mehr als zwei Millionen Gebäude in Österreich sind Ein- und Zweifamilienhäuser. Im Jahr 2001 waren etwa die Hälfte aller Wohnneubauten Ein- oder Zweifamilienhäuser. Diese Wohnformen benötigen im Vergleich zum Mehrfamilienbau oder anderen verdichteten Bauformen wesentlich mehr Fläche.
Zunahme auch an Flächen, die nicht den Bau- und Verkehrsflächen zugerechnet werden
Vor allem die Kategorie "Sonstige – nicht näher unterschieden" (Flughafen, Hafen, Ver- und Entsorgungsanlagen, Lagerplätze, Werksgelände, Friedhöfe) weist im Jahr 2011 neuerlich einen deutlichen Anstieg auf und trägt zur Flächeninanspruchnahme mit ca. 11,2 Hektar/Tag bei (Durchschnitt zwischen 2008–2011). Dadurch ist auch die größer werdende Kluft zwischen Flächeninanspruchnahme einerseits und Siedlungs- und Verkehrsflächen andererseits erklärbar.
Darüber hinaus entfallen im Jahr 2011 auf die Klasse "Gärten, Erholung" mehr als 2.000 km2 – diese Klasse trägt mit 2,3 Hektar/Tag (2008–2011) zum Flächenverbrauch bei.
Erfasste Bau- und Verkehrsfläche in Österreich 2001 - 2011
| Bau- und Verkehrsfläche [km2] | Zunahme 2001-2011 | Zunahme pro Tag [ha/d] | ||||||
| Bundesland | 2001 | 2009 | 2010 | 2011 | absolut [km2] | relativ [in % von 2001] | Trend 2001-2010 | aktuelles Jahr 2009-2010 |
| Burgenland | 264 | 312 | 315 | 317 | 51,2 | 19% | 1,6 | 0,5 |
| Kärnten | 361 | 393 | 397 | 399 | 35,6 | 10% | 1,1 | 0,6 |
| Niederösterreich | 1.147 | 1.291 | 1.304 | 1.309 | 156,5 | 14% | 4,8 | 1,5 |
| Oberösterreich | 711 | 789 | 797 | 806 | 85,8 | 12% | 2,6 | 2,6 |
| Salzburg | 216 | 229 | 229 | 230 | 12,6 | 6% | 0,4 | 0,5 |
| Steiermark | 694 | 788 | 792 | 794 | 97,7 | 14% | 3,0 | 0,7 |
| Tirol | 270 | 297 | 299 | 302 | 29,2 | 11% | 0,9 | 0,7 |
| Vorarlberg | 117 | 121 | 122 | 126 | 5,1 | 4% | 0,2 | 1,1 |
| Wien | 191 | 196 | 194 | 194 | 3,1 | 2% | 0,1 | -0,1 |
| Österreich | 3.972 | 4.416 | 4.448 | 4.478 | 477 | 12% | 14,5 | 8,1 |
Quelle: Regionalinformation der Grundstücksdatenbank (BEV - Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen); Stand: 1.1. des jeweiligen Jahres.
Definition: Erfasste Baufläche beinhaltet die Benützungsart "Baufläche" (inkludiert die Nutzungen: Gebäude, befestigt, unbefestigt, nicht näher unterschieden), die Verkehrsfläche beinhaltet aus der Benützungsart "Sonstige" die Nutzungen "Straßenanlage" und "Bahnanlage".
Vielfältige Ursachen für die Flächeninanspruchnahme
Gestiegener Lebensstandard, Änderungen in der Wirtschaftsstruktur, aber auch die derzeitige Praxis in der Raumplanung sind Hauptverursacher der steigenden Flächeninanspruchnahme.
Vergleiche der vergangenen Jahre kaum möglich
Aktualisierung nur im Anlassfall, Unterschiede in den Definitionen bis zum Jahr 1995, groß angelegte Neuerfassungen im Rahmen von Großprojekten ... All dies erschwert den Vergleich des Flächenverbrauchs für die vergangenen Jahrzehnte.
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