ALTLAST W11: Rudolf Zeller Gasse
| Bezirk: Gemeinde: Katastralgemeinde: Grundstücksnummern: | Liesing Wien,Liesing Mauer 1158, 1612/1, 1612/4, 1613/1, 1725 |
| Bezirk: Gemeinde: Katastralgemeinde: Grundstücksnummern: | Liesing Wien,Liesing Atzgersdorf 510/1, 514/3, 536/3, 538/5, 538/7, 548, 550/3, 554/2, 558/1, 558/2, 560/1, 563, 564/3 | Art der Altlast: | Altablagerung | Art der Ablagerungen: | Bauschutt, Hausmüll |
Volumen: | 800.000 m³ | Ablagerungszeitraum: | bis 1965 | Schadstoffe: | Methan | Gefährdete Schutzgüter: | Grundwasser, Luft |
Prioritätenklasse: | 1 | Datum der Altlastausweisung: | 6.3.1990 | Datum der Prioritätenklassifizierung: | 6.11.1992 | Status Sanierung im Altlastenatlas: | Sicherung in Durchführung | letzte Aktualisierung im Altlastenatlas: | 1.3.2001 |
Beschreibung der Altlast
Übersichtskarte
Die Altlast "Rudolf Zeller Gasse" im 23. Wiener Gemeindebezirk ist ein ehemaliges Sandsteinabbaugebiet, in dem bis 1956 Atzgersdorfer Sandstein abgebaut wurde. Es entstanden mehrere Abbaustellen, die nach Beendigung des Abbaubetriebes mit Abraum, Bauschutt, Asche, Schlacke und Hausmüll verfüllt wurden.
Die Gesamtfläche aller Schüttbereiche ist ca. 30 ha groß. Der Kernbereich der Schüttungen, in dem am tiefsten abgebaut wurde, ist ca. 8 ha groß und weist Schüttmächtigkeiten bis 18 m auf. Die Hausmüllablagerungen beschränken sich im wesentlichen auf diesen Kern-bereich. Außerhalb des Kernbereiches wurden vor allem Abraum, Bauschutt und Schlacke mit Mächtigkeiten kleiner als 8 m abgelagert. Die Gesamtmenge der Ablagerungen ist ca. 600.000 m³.
Der Kernbereich weist ein Schüttvolumen von ca. 440.000 m³ auf. Der Anteil der Hausmüllablagerungen ist ca. 145.000 m³. Der Rest setzt sich aus Abraum, Bauschutt, Asche und Schlacke sowie einer ca. 2 m mächtigen schluffig-sandigen Deckschicht zusammen. Der Zeitraum der Hausmüllschüttungen wird mit 1956 - 1963 angegeben.
Aus geologischer Sicht liegt die Altlast am westlichen Rand des südlichen Wiener Beckens. Die hier anstehende Atzgersdorfer Gesteinsserie ist eine Wechselfolge von gröberkörnigen Ufer- bzw. Flußsedimenten und Schluffen bzw. Tonen.
Die Gesteinsschichten tauchen generell von Westen nach Osten ab, wobei in den Abbaubereichen sehr inhomogene Untergrundverhältnisse vorhanden sind. Grundwasserführende Schichten sind vor allem die Sand- bzw. Sandsteinschichten. Im Westen wurde nur ein Grundwasserhorizont, im Osten wurden mehrere grundwasserführende Schichten angetroffen. Entsprechend der generellen Neigung der Gesteinsschichten fließt das Grundwasser großräumig nach Osten. Das von Westen zufließende Grundwasser gelangt in den Abbau- bzw. Ablagerungsbereichen in die Tiefe und fließt in verschiedenen Grundwasserhorizonten nach Osten ab.
Der Grundwasserkörper setzt sich aus Schichtwässern zusammen, ein ausgeprägter Grundwasserkörper liegt nicht vor. Im Bereich der Altlast sowie im unmittelbaren Abstrombereich sind keine wasserrechtlich bewilligten Trinkwassernutzungen vorhanden.
Im Kernbereich wurde auf den Ablagerungen eine Grünanlage errichtet. Die Schüttungen außerhalb des Kernbereiches sind größtenteils bebaut.
Gefährdungsabschätzung
Auf dem ehemaligen Steinbruchareal sind ca. 600.000 m³ Ablagerungen vorhanden. Es wurde hauptsächlich Abraum, Bauschutt, Asche, Schlacke und Hausmüll abgelagert. Die Hausmüllablagerungen beschränken sich auf einen ca. 8 ha großen Kernbereich, in dem ca. 145.000 m³ Hausmüll abgelagert wurden.
Die Eluatuntersuchungen von Bodenproben aus dem Kernbereich lassen laut ÖNORM S 2072 ein Sickerwasser erwarten, das gegebenenfalls nach entsprechender Vorbehand-lung in eine Kanalisation mit angeschlossener biologischer Abwasserreinigungsanlage eingeleitet werden kann (Eluatklasse III). Die untersuchten Bodenproben außerhalb des Kernbereiches weisen ein geringeres Schadstoffpotential auf (Eluatklassen I-II).
Die Grundwasseruntersuchungen zeigen, daß im Kernbereich das Grundwasser durch die Hausmüllablagerungen verunreinigt ist. Die Hausmüllablagerungen liegen zum Teil im Grundwasser, das entsprechend der hydrogeologischen Situtation nur langsam aus dem Bereich der Ablagerungen abströmt und daher eine intensive Auslaugung der Ablagerungen stattfindet. Das untersuchte Grundwasser im Kernbereich ist daher vergleichbar mit Sickerwasser aus Hausmülldeponien.
Die Untersuchungen im Grundwasserabstrombereich zeigen, daß die im Kernbereich der Ablagerungen festgestellten Grundwasserverunreinigungen auch in einer Entfernung von ca. 200 m nachweisbar sind. Betroffen von dieser Verunreinigung sind mehrere Grundwasserhorizonte, die grundwasserführenden Schichten stellen jedoch insgesamt keinen bedeutenden Grundwasserkörper dar. Wasserrechtlich bewilligte Trinkwassernutzungen des Grundwassers, die unmittelbar von der Grundwasserbeeinträchtigung betroffen sein könnten, sind nicht bekannt.
Die Deponiegasuntersuchungen weisen eine intensive Deponiegasproduktion im Kernbereich der Ablagerungen nach, wobei das Maximum der Deponiegasproduktion aufgrund des Alters der Hausmüllablagerungen (ca. 30 Jahre) bereits überschritten sein dürfte. An der Geländeoberfläche wurden größtenteils geringe Deponiegasemissionen festgestellt, im Bereich von Schächten und Setzungsrissen waren die Deponiegasemissionen erhöht. Durch Messungen der Raumluft in angrenzenden Gebäuden wurde festgestellt, daß Deponiegase in die Gebäude eindringen. Die natürlichen Deponiegasmigrationsmöglichkeiten werden durch die, den Kernbereich querenden, unterirdischen Fernwärmeleitungen verstärkt.
Die in den vorliegenden Unterlagen angegebenen Deponiegaskonzentrationen der Raumluft liegen deutlich unter den Konzentrationsbereichen für explosionsfähige Gasgemische. Es ist jedoch zu berücksichtigen, daß in Abhängigkeit der äußeren Witterungsbedingungen Deponiegasmeßwerte starken Schwankungen unterliegen können, so daß eine Bildung explosionsfähiger Gasgemische nicht generell ausgeschlossen werden kann.
Zusammenfassend ist festzustellen, daß im Kernbereich der Ablagerungen eine Grundwasserverunreinigung festgestellt wurde, die den Grundwasserabstrom beeinträchtigt. Die Deponiegasemissionen aus dem Hausmüllablagerungsbereich beeinträchtigen die Luft über der Geländeoberfläche und die Raumluft in den angrenzenden Gebäuden.
Datum der Texterstellung: September 1992
Deutsch
english





















