Altlast W 20 Gaswerk Leopoldau

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Floridsdorf
Wien,Floridsdorf
Leopoldau
1643/1, 1643/2, 1643/3, 1643/4, 1643/5, 1643/6, 1643/7, 1643/8, 1643/9, 1643/10, 1643/11, 1643/12, 1643/18, 1643/22, 1809, 1810/2, 1812
Art der Altlast:Altstandort
Branche:Gaswerk
Betriebsgröße:440.000 m²
Betriebszeitraum:seit
Schadstoffe:PAK,
Phenol,
Cyanid,
BTX
Gefährdete Schutzgüter:Grundwasser
Prioritätenklasse:1
Datum der Altlastausweisung:19.10.2000
Datum der Prioritätenklassifizierung:22.3.2002
Status Sanierung im Altlastenatlas:Sicherung in Durchführung
letzte Aktualisierung im Altlastenatlas:1.4.2002

Zusammenfassung

Der Altstandort "Gaswerk Leopoldau" ist einer der großen Gaswerksstandorte in Wien mit einer Fläche von 440.000 m², auf dem im Zeitraum von 1911 bis 1969 Stadtgas hergestellt wurde. Auf dem Standort ist eine großflächige und tiefreichende Verunreinigung des Untergrundes vor allem mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Cyanid, Phenol und Kohlenwasserstoffen vorhanden. Vom Altstandort geht eine massive Grundwasserbeeinträchtigung aus. Ein Verunreinigung des Grundwassers wurde bis in eine Entfernung von 200 m nachgewiesen. Das Grundwasser wird für Bewässerungszwecke verwendet.

Beschreibung der Altlast

© Umweltbundesamt Übersichtskarte Übersichtskarte

Der Altstandort "Gaswerk Leopoldau" befindet sich im 21. Wiener Gemeindebezirk (Floridsdorf). Das Werksareal umfasst eine Fläche von ca. 44 Hektar und wird im Süden von Thayagasse und Nordbahn begrenzt. In einer Entfernung von ca. 200 m westlicher Richtung befindet sich die Ruthnergasse. Das Gaswerk nahm 1911 den Betrieb auf und war einer der wichtigsten Produktionsbetriebe der kommunalen Wiener Gaswerke. Bis 1969 erfolgte die Gasgewinnung vorwiegend aus Kohle (Stadtgas). Danach wurde Gas vorwiegend aus reinem Erdgas erzeugt.

Bei der Stadtgaserzeugung aus Kohle fallen vor allem Koks, Teer und Gasreinigungsmassen als Nebenprodukte an. Neben ausgedehnten Kohle- und Kokslagerplätzen befanden sich auf dem Gelände folgende Anlagen:

  • Betriebsstätten zur Verarbeitung der Gaswerksnebenprodukte (Ammoniakfabrik, Benzol-Leichtöl-Anlage, Benzolhalle, Naphthalin-Lager, Leichtölbehälter, Benzol-Rührwerk, Säureregeneration, Zinksulfatanlage, Waschölregeneration, Faßfüllanlage)
        - Klärgruben
        - Gassauger-, Gaswäscherhaus
  • trockene Gasreinigung
  • Wassergasanlage und - behälter
  • Naphtalinwascheranlage
  • Gasbehälter (150.000 und 300.000 m³)
  • Teer- und Ammoniakwasserbehälter

Aufgrund ständiger Änderungen in den produktionstechnischen Abläufen wurden im Laufe der Zeit viele Umbauten auf dem Gelände vorgenommen. Nähere Angaben über Produktionsdaten und Stoffströme des ehemaligen Gaserzeugungsbetriebes liegen nicht vor.

Im Laufe der Betriebsgeschichte kam es zu mehreren Störfällen. So wurde bereits im Zuge einer Brunnenerrichtung im Jahr 1916 im Bereich der ehemaligen Teerbehälter eine ca. 4 m mächtige Anschüttung mit teerhältigem Material sowie eine Verunreinigung des Grundwasserkörpers mit Teer festgestellt. Auch im Jahr 1934 wurde bei einer Bohrung, welche nach derzeitigen Kenntnisstand nördlich der Benzolfabrik abgeteuft wurde, in einer Tiefe von 8 m unter Gelände ölverunreinigtes Grundwasser angetroffen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Standort zum Ziel mehrerer Luftangriffe, wobei wesentliche Anlagenteile sowie das Rohrnetz schwer beschädigt wurden. Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre ist das Platzen eines Teerbehälters dokumentiert, wodurch es auf dem Areal zu flächenhaften Teerverunreinigungen gekommen sein soll.

Das Gaswerk befindet sich am westlichen Rand des Wiener Beckens. Der Untergrund ist wie folgt gegliedert:

  • anthropogene Anschüttungen an der Geländeoberfläche (0 bis 10 m mächtig)
  • Ausand und -lehm (0 bis 2 m mächtig)
  • quartäre Donauschotter (durchschnittlich 11 m, lokal bis 15 m mächtig)
  • tertiäre Sande im Südostteil des Standortes (südöstlich des Gaswerksgeländes bis zu 10 m mächtig)
  • tertiäre Schluffe (tonig, sandig)

Die quartären Donauschotter bilden den stark durchlässigen Hauptgrundwasserleiter mit einer Grundwassermächtigkeit von ca. 5 bis 10 m. Die Grundwasserströmungsrichtung verläuft mit einem hydraulischen Gefälle von rd. 0,3 ‰ nach Ostsüdost. Der Grundwasserspiegel befindet sich ca. 6 m unter Gelände und weist im Jahresgang nur geringe Schwankungen auf. Ca. 1,3 km nordwestlich vom Altstandort befindet sich der Marchfeldkanal.

Der Altstandort ist vorwiegend von landwirtschaftlich genutzten Flächen und Kleingartensiedlungen umgeben. Das abströmende Grundwasser wird zu Bewässerungszwecken verwendet. Südlich des Standortes befindet sich ein Industriegebiet, das Betriebsgelände selbst wird derzeit vorwiegend gewerblich genutzt.

Gefährdungsabschätzung

Auf dem Altstandort "Gaswerk Leopoldau" wurde im Zeitraum von 1911 bis 1969 Stadtgas hergestellt. Der Standort umfasst eine Fläche von rund 44 Hektar. Als umweltgefährdende Nebenprodukte oder Rückstände der Stadtgaserzeugung fallen u. a. Teer, Ammoniakwasser, leichtflüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe (BTX) und Gasreinigermasse an. Typische Schadstoffe von Teer sind polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Phenole. Weitere Schadstoffe wie Cyanide, Schwefel und Sulfide werden durch Gasreinigermassen verursacht.

Im zentralen Bereich des Altstandortes ist der Untergrund an mehreren Stellen massiv verunreinigt. Im Nahbereich von Anlagen mit erhöhtem Umweltgefährdungspotential (z.B. Teerbehälter, Naphthalinlager, etc.) wurden im Untergrund vorwiegend sehr hohe PAK-Konzentrationen festgestellt. Zusätzlich sind lokale, zum Teil erhebliche Verunreinigungen des Untergrundes mit Kohlenwasserstoffen, Phenolen, Benzol und Cyanid vorhanden. Eine genaue Abgrenzung der stark kontaminierten Untergrundbereiche ist aufgrund der bisherigen Untersuchungsergebnisse nicht möglich, es ist jedoch abschätzbar, dass in den zentralen Bereichen des Altstandortes der Untergrund auf einer Fläche von insgesamt mehreren Hektar erheblich verunreinigt ist. In den Randbereichen des Altstandortes wurden bei den bisherigen Untersuchungen nur lokal stärker verunreinigte Untergrundbereiche angetroffen.

Ursache der Untergrundverunreinigungen sind technische Gebrechen, Betriebsunfälle, der Umgang mit umweltgefährdenden Stoffen während des Betriebes der Gasproduktion und Zerstörungen und Beschädigungen von Betriebsanlagen während des Zweiten Weltkrieges.

Das Grundwasser im Bereich des Altstandortes wird durch Eintrag von Schadstoffen aus den verunreinigten Untergrundbereichen erheblich beeinträchtigt. Die vor allem in Grundwassermessstellen im zentralen Bereich des Altstandortes festgestellten, sehr hohen PAK-Konzentrationen weisen auf eine großräumige, massive Untergrundkontamination in diesem Bereich hin. Darüberhinaus ist das Grundwasser innerhalb des Altstandortes stellenweise erheblich mit Cyanid, Phenol und Kohlenwasserstoffen verunreinigt. Es wurden zwar bereits im Grundwasseranstrombereich erhöhte PAK- und Kohlenwasserstoffkonzentrationen nachgewiesen, innerhalb des Altstandortes ist jedoch bei den PAK eine massive Erhöhung, bei den Kohlenwassertoffen nur an einigen Stellen eine Erhöhung der Konzentrationen im Grundwasser feststellbar.

Im Grundwasserabstrombereich ist eine deutliche Ausbreitung der Schadstoffe im Grundwasser erkennbar. Im unmittelbaren Grundwasserabstrombereich am östlichen Rand des Altstandortes ist eine deutliche Beinträchtigung des Grundwassers mit PAK, Cyanid, Kohlenwasserstoffen und BTX vorhanden. Auch in 200 m Entfernung vom Altstandort ist noch ein Enfluss auf die Grundwasserqualität vor allem aufgrund erhöhter PAK- und Cyanidkonzentrationen bemerkbar.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Altstandort aufgrund der vorhandenen Untergrund- und Grundwasserverunreinigung eine erhebliche Gefahr für die Umwelt darstellt.

Prioritätenklassifizierung

Auf dem Standort ist eine großflächige und tiefreichende Verunreinigung des Untergrundes vor allem mit PAK, Cyanid, Phenol und Kohlenwasserstoffen vorhanden. Aufgrund des gut durchlässigen Untergrundes sind die Ausbreitungsmöglichkeiten für Schadstoffe sehr gut. Vom Altstandort geht eine massive Grundwasserbeeinträchtigung aus. Ein Verunreinigung des Grundwassers wurde bis in eine Entfernung von 200 m nachgewiesen. Der gefährdete Grundwasserkörper ist quantitativ gut nutzbar. Das Grundwasser wird im Abstrombereich für Bewässerungszwecke verwendet.

 

Datum der Texterstellung:    November 2001