Altlast W 21 Teerag Asdag Simmering
| Bezirk: Gemeinde: Katastralgemeinde: Grundstücksnummern: | Simmering Wien,Simmering Simmering 361/4, 898, 904/1, 904/2, 1561/1, 1561/2, 1562, 1402/1, 1406/1, 1408/5, 1408/6, 1409/3, 1416/1, 1416/5, 1416/6, 1418, 1428/8, 1439/3, 1439/4, 1453/1, 1453/10, 1453/12, 1453/22, 1453/23, 1453/27, 1453/32, 1453/36, 1453/39, 1936/6, 1936/7, 1965/1 | Art der Altlast: | Altstandort | Branche: | Verarbeitung von Teer und Teerprodukten und bituminösen Produkten | Betriebsgröße: | 130.000 m² | Betriebszeitraum: | seit 1914 | Schadstoffe: | PAK, Phenol, BTX |
Gefährdete Schutzgüter: | Grundwasser | Prioritätenklasse: | 1 | Datum der Altlastausweisung: | 28.11.2000 | Datum der Prioritätenklassifizierung: | 4.5.2001 | Status Sanierung im Altlastenatlas: | Sicherung in Durchführung | letzte Aktualisierung im Altlastenatlas: | 1.6.2001 |
Beschreibung der Altlast
Übersichtskarte
Das Betriebsgelände der TEERAG-ASDAG befindet sich im 11. Wiener Gemeindebezirk (Simmering). Das Werksareal umfasst eine Fläche von ca. 13 Hektar und wird im Norden von der am rechten Ufer des Donaukanals verlaufenden Simmeringer Lände (A4 Ost Autobahn), im Westen von der 7. Haidequerstraße und im Süden von der Wildpretstraße begrenzt.
Der Geschäftszweck des seit 1914 bestehenden Betriebes war die Übernahme von Rohteer vom Wiener Städtischen Gaswerk und die Weiterverarbeitung des Rohteers zu Teerfabrikaten, Asphalt und chemischen Produkten. In weiterer Folge trat die Anwendung der hergestellten Produkte im Bereich des Straßenbaus in den wirtschaftlichen Vordergrund. Die Zulieferung des Rohteers vom rd. 1,6 km nordwestlich gelegenen Gaswerk erfolgte per Bahn.
Im Laufe der Betriebsgeschichte wurden folgende Produkte hergestellt bzw. mit folgenden Einsatzstoffen hantiert: Teeröl, Carbonoleum, Pech, Bitumen, Asphalt und Ruberoide (Dachpappe auf Bitumenbasis). Aufgrund ständiger Änderungen in den produktionstechnischen Abläufen wurden viele Umbauten auf dem Gelände vorgenommen. In der Kernzone der Produktion wurden seit Betriebsbeginn mehrfach Anlagen mit erhöhtem Gefahrenpotential betreiben. In Abbildung 1 sind die wichtigsten umweltrelevanten Anlagenteile seit Betriebsbeginn zusammenfassend dargestellt.
Zu diesen zählen:
Produktverarbeitungsanlagen wie Naphthalin- Teer- und Benzoldestillationen, Bitumenschmelze, Naphthalinpressen und -sublimationsanlagen, Russöfen, Ölkristallisation
- Anlagen zur Lagerung von Roh- und Zwischenprodukten wie Teergruben, Pechplatz sowie verschiedene Teerölspeicher, Lagerkessel und Mischproduktenmagazine
- Nebenanlagen wie: Laboratorium, Treibstofflager mit Zapfstellen, Abfüllanlagen für Teer, Pech und Öle, Dampfkesselhaus, Imprägnierung und Tunkhütte
Lageplan
Ende 1969 wurde die Teeröldestillation eingestellt und die damit verbundenen Verarbeitungsanlagen sukzessive stillgelegt. Als letzte dieser Anlagen wurde im Jahr 1989 die Holzimprägnieranlage außer Betrieb genommen. Nach diesem Zeitpunkt waren nur noch Verarbeitungsanlagen von Bitumen und petrochemischen Stoffen in Betrieb. Derzeit wird am Standort Asphaltmischgut und Gußasphalt für den Großraum Wien hergestellt.
Aus dem Jahre 1945 sind Kriegsschäden bekannt. Auf Grund dieser Schäden ist es vermutlich in Teilbereichen zu Einträgen von Schadstoffen in den Untergrund gekommen. Weitere Stör- oder Zwischenfälle aus der Zeit vor und nach dem 2. Weltkrieg sind in den vorliegenden Unterlagen nicht dokumentiert.
Das Untersuchungsgebiet befindet sich im Bereich der Simmeringer Heide, unmittelbar am rechten Ufer des Donaukanals. Den Untergrund bilden ca. 15 m mächtige lehmig-sandig-schottrige Sedimente der Donau aus spät- bzw. postglazialer Zeit. Im Liegenden dieser grundwasserführenden Schicht bilden ca. 5 m mächtige Sande des Jungtertiärs den Übergang zu tertiären Tonen und Schluffen (Tegel), welche ab ca. 20 m unter der Geländeoberkante als Grundwasserstauer dienen. Der Flurabstand des Grundwassers liegt bei ca. 3-6 m, der kf-Wert liegt aufgrund der sedimentären Inhomogenität zwischen ca. 2x10-4 und 1,8x10-3 m/s, wobei im Mittel für den gesamten Grundwasserkörper von einem kf-Wert von 1x10-3 m/s ausgegangen werden kann. Die bevorzugte Grundwasserströmung ist nach Nordost in Richtung Donaukanal gerichtet. Bei hohem Wasserstand des Donaukanals kann es jedoch auch zu Umkehrungen der Strömungsrichtung nach Ostsüdost bzw. auch kurzfristig nach Süden kommen. Eine eindeutige Zuordnung in an- und abströmendes Grundwasser kann daher an diesem Standort nicht getroffen werden.
Die unmittelbar an den Standort grenzenden Flächen sind mit Ausnahme der nördlichen (Ostautobahn) vorwiegend gewerblich genutzt. Im Abstand von ca. 250 m in südlicher bzw. südöstlicher Richtung befinden sich mehrere Großgärtnereien. Das Grundwasser wird vielfach zu Bewässerungszwecken verwendet.
Gefährdungsabschätzung
Am Altstandort "TEERAG-ASDAG Simmering" wurden seit 1914 Teerprodukte, vorwiegend für die Verwendung im Bauwesen hergestellt und weiterverarbeitet. Als umweltgefährdende Nebenprodukte oder Rückstände der Teerverarbeitung fielen hier neben Teer und Teeröl typische Schadstoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), leichtflüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe (BTX) und Phenole an. Aus dem Jahre 1945 sind Kriegseinwirkungen dokumentiert, was vermutlich auch zu stärkeren Schadstoffeinträgen in Bereichen des Betriebsstandortes führte.
Der tiefere Untergrund des Betriebsgeländes sowie der näheren Umgebung wurde mit insgesamt 27 bis in den Stauhorizont reichende Bohrungen untersucht. In die Grundwasseruntersuchungen wurden auch Messstellen bis in eine Entfernung von 550 m einbezogen.
Im Bereich der Anlagen, in denen umweltgefährdende Stoffe in großem Umfang zum Einsatz kamen, wurde bei den Bohrungen eine extreme Verunreinigung des Untergrundes festgestellt. Durch die Untersuchung der Untergrundproben wurde das bereits augenscheinlich erkennbare Ausmaß der Untergrundverunreinigung bestätigt. Die Maßnahmenschwellenwerte der ÖNORM 2088-1 sowohl der Gesamtgehalte als auch der Eluate wurden hier von allen standorttypischen Schadstoffen um weit mehr als das 10fache überschritten. Dieser extrem verunreinigte Bereich war der Kernbereich der Produktion und umfasst ein Fläche von ca. 50.000 m².
Von diesem ehemaligen Kernbereich der Produktion ausgehend fand eine Ausbreitung der Kontamination im Untergrund statt. Die extremen Untergrundverunreinigungen wurden in großen Bereichen beinahe über die gesamte Mächtigkeit des durchlässigen Untergrundes von ca. 20 m festgestellt und haben sich weit über den ehemaligen Kernbereich der Produktion ausgebreitet. Der Bereich sehr starker Untergrundverunreinigungen umfasst eine Fläche von mindestens 100.000 m².
PAH Gehalte im Eluat
Ausgehend von den Untergrundverunreinigungen wird eine extreme Grundwasserverunreinigung im Bereich des Altstandortes verursacht. Bei den Grundwasseruntersuchungen wurden deutliche Überschreitungen der jeweiligen Maßnahmenschwellenwerte für PAK, Phenol und BTX, häufig sogar aller Parameter festgestellt. Im Schadenszentrum wurden Spitzenbelastungen bis zum 100.000-fachen des Maßnahmenschwellenwertes analysiert. Die Ausbreitung der Schadstoffe im Grundwasser konnte bisher bis in eine Entfernung von ca. 500 m nachgewiesen werden, wobei von den 16 untersuchten PAK Einzelsubstanzen Naphthalin zumeist den höchsten Anteil aufweist.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass im Bereich des Standortes der TEERAG-ASDAG in Simmering eine extreme Verunreinigung des Untergrundes und des Grundwassers mit Schadstoffen aus der Teerölverarbeitung vorhanden ist. Die Untergrundverunreinigung weist eine sehr große Ausdehnung auf (mind. 100.000 m²). Ein Einfluss auf die Grundwasserqualität lässt sich auch im Abstrom des Standortes bis 500 m nachweisen. Die Verunreinigungen beeinträchtigen einen mächtigen Grundwasserkörper, der im näheren Abstrombereich auch für landwirtschaftliche Bewässerungszwecke genutzt wird.
Der Altstandort "TEERAG-ASDAG Simmering" stellt daher eine erhebliche Gefährdung für die Umwelt dar.
Datum der Texterstellung: November 2000
Deutsch
english






















361/4,