Altlast W 22 MEWA Hütteldorfer Straße
| Bezirk: Gemeinde: Katastralgemeinde: Grundstücksnummern: | Penzing Wien,Penzing Breitensee 423/3, 423/4, 423/5, 423/6 | Art der Altlast: | Altstandort | Branche: | chemische Reinigung | Betriebsgröße: | 14.700 m² | Betriebszeitraum: | 1929 bis 1996 | Schadstoffe: | CKW | Gefährdete Schutzgüter: | Grundwasser | Prioritätenklasse: | - | Datum der Altlastausweisung: | 1.6.2005 | Datum der Prioritätenklassifizierung: | - | Status Sanierung im Altlastenatlas: | - |
Zusammenfassung
Auf dem Altstandort im Stadtgebiet von Wien wurde über einen Zeitraum von beinahe 70 Jahren eine chemische Reinigung betrieben. Im Zuge der langjährigen Verwendung von chlorierten Kohlenwasserstoffen (CKW) kam es zu einer massiven Verunreinigung des Untergrundes und des Grundwassers. Die bisher durchgeführten Sanierungsmaßnahmen haben die vorhandene Untergrundverunreinigung nur zu einem geringen Teil reduziert. Die Untergrundverunreinigungen stellen eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.
Beschreibung der Altlast
Übersichtskarte
Der ehemalige Betriebsstandort der MEWA Textil-Service AG befindet sich im Westen von Wien innerhalb eines dicht verbauten, gemischten Siedlungsgebietes und umfasst eine Fläche von ca. 14.700 m². Das Areal wird von der Hütteldorfer Straße im Süden, der Ameisbachzeile im Westen und der Heinrich-Collin-Straße im Norden begrenzt und liegt am Südhang des Wientales.
Zu Beginn der betrieblichen Nutzung 1906 wurde der Standort als Gummiwerk genutzt (Österreichisch Amerikanische Gummiwerke). Ab dem Jahr 1929 wurde am Standort eine chemische Putzerei und Färberei betrieben. In weiterer Folge wurde das Betriebsgelände fast ausschließlich zu Zwecken der Textil- bzw. Lederreinigung genutzt. Ab 1977 wurde der Standort von der MEWA Textil-Service GmbH betrieben. Im Jahre 1992 wurde die chemische Reinigung eingestellt. Der Wäschereibetrieb wurde bis 1996 aufrecht erhalten. Nach endgültiger Stilllegung des Betriebes wurde auf dem Standort eine Wohnhausanlage mit Tiefgarage errichtet.
Ende der achtziger Jahre wurde erstmals eine Verunreinigung des Untergrundes und der Bodenluft durch chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) festgestellt. Aus dem Jahr 1990 ist ein Betriebsunfall bekannt, bei dem aus der im 1. Stock des Betriebsgebäudes untergebrachten chemischen Reinigung ca. 300 l Tetrachlorethen ausgetreten sind. Anlässlich der auf die Betriebsstillegung folgenden Abbruch- und Baumaßnahmen wurden im Untergrund stellenweise deutliche CKW-Verunreinigungen festgestellt.
Beschreibung der Untergrundverhältnisse
Der Standort ist durch einen insgesamt sehr inhomogenen Untergrundaufbau geprägt. Bis in eine Tiefe von ca. 50 m wechseln wasserdurchlässige Schichten und gering durchlässige Ton- bzw. Mergelhorizonte ab. Die gering durchlässigen Schichten wirken prinzipiell grundwasserstauend, es sind jedoch keine ausgedehnten, durchgehenden gering durchlässigen Schichten vorhanden. Bei einer generalisierten Beschreibung der Grundwasserverhältnisse ergeben sich ein oberflächenaher "Sickerwasserhorizont" und zwei tieferliegende Grundwasserbereiche, die jedoch hydraulisch miteinander verbunden sind. An der Sohle der Lockesedimente befinden sich Festgesteine der Flyschzone, in denen sich ein gespannter Kluftgrundwasserkörper befindet. Die generelle Grundwasserfließrichtung in den Lockersedimenten ist Südsüdost.
Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen
Im Oberstrom des Betriebsgeländes befinden sich weitere größere Textilreinigungs-betriebe. In Richtung des abströmenden Grundwassers befindet sich ebenfalls ein Reinigungsbetrieb sowie mehrere Nutzwasserbrunnen.
Gefährdungsabschätzung
Auf dem ca. 14.700 m² großen, ehemaligen Betriebsstandort im Siedlungsgebiet des Wientales wurden von 1929 bis 1992 chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) zur Reinigung von Textilien und Leder verwendet. Nach der Stilllegung des Betriebes 1996 wurde eine Wohnhausanlage errichtet.
Im Zuge der langjährigen Verwendung von CKW kam es auf dem Standort zu massiven Verunreinigungen des Untergrundes mit CKW. Die CKW-Verunreinigungen wurden vor allem im Bereich der chemischen Reinigung im südlichen Teil des Standortes festgestellt. Bei Feststoffuntersuchungen wurden die CKW-Verunreinigungen bis in 35 m Tiefe nachgewiesen.
Das Grundwasser ist ebenfalls sehr stark mit CKW verunreinigt. Stellenweise wurden extrem hohe CKW-Konzentrationen im Grundwasser festgestellt (max. 68.000 µg/l). Die Verunreinigungen im Grundwasser reichen bis in sehr große Tiefen. Die höchsten Schadstoffbelastungen wurden im zweiten Grundwasserstockwerk nachgewiesen (Tiefenbereich ca. 30 - 50 m). Im Grundwasseranstrombereich des Altstandortes ist bereits eine Vorbelastung des Grundwassers mit CKW vorhanden. Die im Anstrom gemessenen CKW-Konzentrationen sind jedoch deutlich niedriger als jene im Bereich der chemischen Reinigung. In einer Messstelle ca. 200 m im Grundwasser-abstrom entfernt wurde noch eine deutliche CKW-Belastung im Grundwasser festgestellt.
Das Ausmaß der CKW-Verunreinigungen im Untergrund und im Grundwasser ("dreidimensionales Schadensbild") im Bereich des Altstandortes ist aufgrund der bisher vorliegenden Untersuchungen nicht ausreichend genau bekannt.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass im Bereich der chemischen Reinigung eine massive Untergrundverunreinigung mit chlorierten Kohlenwasserstoffen vorhanden ist, von der eine massive Beeinträchtigung des Grundwassers ausgeht. Der Altstandort stellt daher eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.
Datum der Texterstellung: Dezember 2004
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