Altlast W 24: Putzerei Counde

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Liesing
Wien,Liesing
Atzgersdorf
347
Art der Altlast:Altstandort
Branche:chemische Reinigung
Betriebsgröße:4.800 m²
Betriebszeitraum:1959 bis 1971
Schadstoffe:Tetrachlorethen,
CKW
Gefährdete Schutzgüter:Grundwasser
Prioritätenklasse:-
Datum der Altlastausweisung:15.3.2007
Datum der Prioritätenklassifizierung:-
Status Sanierung im Altlastenatlas:-
letzte Aktualisierung im Altlastenatlas:15.3.2007

Zusammenfassung

Von 1959 bis 1971 wurde auf dem Altstandort eine Färberei und chemische Reinigung betrieben. Durch die Verwendung von Tetrachlorethen kam es zu einer massiven Verunreinigung des Untergrundes und einem Schadstoffeintrag ins Grundwasser. Bei der Errichtung einer Wohnhausanlage wurden Aushubmaßnahmen durchgeführt. Unterhalb der Aushubsohle sind stark belastete Bereiche im Untergrund vorhanden. Es ist weiterhin mit einem erheblichen Schadstoffeintrag in das Grundwasser zu rechnen. Der Altstandort „Putzerei Counde“ stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

Beschreibung des Altstandortes

© Umweltbundesamt Übersichtskarte Übersichtskarte

Der Altstandort „Putzerei Counde“ befindet sich im Siedlungsgebiet von Atzgersdorf, westlich des Schrailplatzes, unmittelbar nördlich der Meisgeyergasse und südlich der Reklewskigasse in Liesing.

Der Altstandort umfasst eine Fläche von etwa 4.800 m². Zwischen 1959 und 1971 war am Altstandort eine Färberei und chemische Putzerei in Betrieb. Zwischen den 20-iger Jahren und 1991 waren noch weitere Betriebe am Altstandort situiert. Diese werden in Tabelle 1 zusammengefasst.

Tabelle 1: Betriebe am Altstandort

Zeitraum Betrieb
Ab den 20-iger Jahren Weberei und vermutlich Schlosserei
1965 - 1978 Schlosserei
1978 - 1990 Kunststofferzeugung, Spritzguss
1991 Chemische Putzerei
1992 - 2004 Kunststofferzeugung, Spritzguss
Abb. 2: Lage von Anlagen und relevanten Nutzungen Abb. 2: Lage von Anlagen und relevanten Nutzungen

Der Einsatz von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen am Altstandort wurde erstmals im Jahr 1964 im Zusammenhang mit dem Betrieb einer chemischen Putzerei und Färberei erwähnt. Welche Mengen an leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen während des Putzereibetriebes eingesetzt wurden ist nicht bekannt. Die Lage von relevanten Nutzungen und Anlagen während des Betriebes der chemischen Putzerei wird in Abb. 2 dargestellt.

Aufgrund erhöhter Konzentrationen von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen bei Bodenluftuntersuchungen und Grundwasseruntersuchungen im Bereich des Altstandortes wurden ab 1994 hydraulische Maßnahmen durchgeführt. Im Bereich des „alten Brunnen Regina“ wurde das Grundwasser mit einer Pumpleistung von ca. 0,1 l/s abgepumpt.

 

Im Juni 1994 wurde etwa in 3 m Entfernung zum „alten Brunnen Regina“ eine neue Grundwassermessstelle errichtet, da der „alte Brunnen Regina“ für eine kontinuierliche Bepumpung nicht mehr geeignet war. Der „alte Brunnen Regina“ wurde aufgelassen und im Mai 2004 verpresst. Die Bepumpung der Grundwassermessstelle S1 erfolgte im Zeitraum von Juli 1994 bis Mai 2004 mit einer Pumpleistung von etwa 0,1 l/s. Das abgepumpte Wasser wurde über eine Aktivkohlefiltereinheit gereinigt und das gereinigte Wasser über eine Rohrleitung in die Liesing abgeleitet. Die Bepumpung erfolgte mit Ausnahme von kurzen Störfällen kontinuierlich. Aus den Konzentrationsmessungen und der geförderten Wassermenge wurde ein ungefährer Schadstoffaustrag im Sanierungszeitraum von Juli 1994 bis Mai 2004 von ca. 230 kg leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe abgeschätzt.

Beschreibung der Untergrundverhältnisse

Der Altstandort liegt in der Talebene der Liesing auf etwa 212 m ü.A bis 213 m ü.A. Im unmittelbaren Umfeld des Altstandortes wurden zwischen etwa 2 m und 4 m mächtige Ablagerungen in Form von Aushubmaterial sowie vereinzelt Ziegel-, Keramik- und Kunststoffresten angetroffen. Darunter folgen bis in Tiefen von 6 m bis maximal 10 m Schluffe bzw. Schluffe mit Einschaltungen von grobkörnigeren Sedimenten. Darunter befinden sich sandige Kiese oder eine Wechsellagerung aus Sanden, Kiesen und Schluffen, die als Grundwasserleiter angesprochen werden können. Die grundwasserführenden Sedimente wurden bis zu einer Tiefe von maximal 11,7 m beobachtet und werden von Schluffen unterlagert, die den Grundwasserstauer darstellen. Bei einer Bohrung etwa 60 m nordwestlich der Altstandortes wurden unter rund 3 m mächtigen Ablagerungen bis zu einer Tiefe von 15 m ausschließlich Tone und Schluffe angetroffen.

 

Das Grundwasser ist im Bereich des Altstandortes gespannt und spiegelt zwischen 0,5 m und 3,6 m auf. Der Grundwasserspiegel liegt im Anstrom auf etwa 208 m ü.A. und im unmittelbaren Abstrom auf etwa 206 m ü.A. Der Flurabstand des aufgespiegelten Grundwassers beträgt durchschnittlich etwa 6 m. Während der Grundwasserbeweissicherung wurden Grundwasserspiegelschwankungen von etwa 0,15 m bis 1,3 m gemessen. Der Grundwasserleiter wurde im Anstrom und nördlich des Altstandortes ab etwa 6 bis 8 m unter Gelände und im Abstrom des Altstandortes ab etwa 9 bis 10 m unter Gelände angetroffen. Etwa 60 m nordwestlich des Altstandortes wurde bis zu einer Tiefe von 15 m keine grundwasserführende Schichte angetroffen. Die Durchlässigkeit des Grundwasserleiters kann mit etwa 10-4 m/s angegeben werden. Die Mächtigkeit des Grundwassers beträgt durchschnittlich etwa 5,5 m. Die Grundwasserströmung ist generell nach Osten gerichtet, wobei es kleinräumig zu Abweichungen von der generellen Grundwasserströmungsrichtung kommen kann. Das Grundwasserspiegelgefälle kann mit etwa 1 % angegeben werden. Der spezifische Durchfluss (Abstrombreite = 1m) im Bereich des Altstandortes ergibt sich mit etwa 0,007 l/s bzw. 0,6 m³/d. Der Durchfluss über die gesamte Abstrombreite des Altstandortes (ca. 100 m) kann mit rund 60 m³/d abgeschätzt werden.

Beschreibung der Schutzgüter und Nutzungen

Im Sommer 2005 wurde am Altstandort mit dem Abbruch des ehemaligen Betriebsgebäudes, dem Ausheben einer Baugrube bis zu einer Tiefe von etwa 4 m und dem Neubau einer Wohnhausanlage begonnen. Die Baugrube bzw. die Wohnhausanlage umfasst nahezu den gesamten Bereich des Altstandortes. Im Rahmen der Errichtung des Wohnhauses am Altstandort wurden beim Keller- und Tiefgaragenaushub insgesamt etwa 810 t kontaminiertes Material entsorgt. Westlich und nördlich des Altstandortes befinden sich Wohnhausanlagen und ein Park. Rund 100 m westlich des Altstandortes befand sich ein Galvanikbetrieb. Östlich des Altstandortes liegt der Schrailplatz und verläuft die Liesing. Die Liesing ist im Bereich des Altstandortes bis nördlich des Atzgersdorferplatzes, etwa 200 m nördlich des Altstandortes kanalisiert. Es gibt Hinweise, dass entlang der Liesing eine Drainage verläuft. Es konnten dazu keine Pläne erhoben werden. Vor Ort wurde ein Schacht mit einer Tiefe von etwa 8 m angetroffen, der allerdings trocken war. Ursprünglich verlief die Liesing westlich der Altstandortes. Im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes sind keine Grundwassernutzungen bekannt. Etwa 400 m im Abstrom des Altstandortes befinden sich mehrere Brunnen zur Bewässerung einer Gärtnerei.

Gefährdungsabschätzung

Am Altstandort „Putzerei Counde“ wurde zwischen 1959 und 1971 eine chemische Putzerei und Färberei betrieben. Der Einsatz von leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen ist ab dem Jahr 1964 bekannt.  Etwa 100 m im Anstrom des Altstandortes „Putzerei Counde“ gab es einen Galvanikbetrieb.

 

Bei orientierenden Bodenluftuntersuchungen im Jahr 1994 am Altstandort „Putzerei Counde“ wurden zum Teil starke Belastungen durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe in der wasserungesättigten Bodenzone festgestellt. Die höchsten Konzentrationen mit über 200 mg/m³ wurden nahe des ehemaligen Lösungsmitteltanks gemessen, wobei der maßgebliche Parameter Tetrachlorethen war. Im selben Jahr erfolgten Untersuchungen des Grundwassers aus dem „alten Brunnen Regina“ im südlichen Bereich des Altstandortes. Es wurde eine starke Verunreinigung durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe gemessen, wobei der maßgebliche Parameter Trichlorethen war (max. etwa 1500 µg/l). Aufgrund der festgestellten Kontaminationen wurden zwischen 1994 bis 2004 hydraulische Maßnahmen zur Grundwassersanierung durchgeführt. Insgesamt wurde für den Zeitraum 1994 bis 2004 ein Schadstoffaustrag von etwa 230 kg leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe abgeschätzt.

 

2004 wurden am Altstandort im Zusammenhang mit der Planung einer Wohnhausanlage Rammkernbohrungen durchgeführt. Die entnommenen Feststoffproben zeigten zum Teil massive Belastungen durch Tetrachlorethen. Die höchsten Gehalte mit über 1800 mg/kg wurden im Bereich des ehemaligen Lösungsmitteltanks gemessen. Mit der Herstellung der Wohnhausanlage wurde ein Keller- bzw. Tiefgaragenaushub bis zu einer Tiefe von maximal 4 m durchgeführt. Die Beprobung der Baugrubensohle an 13 Stellen in einer Tiefe von 1,5 m ergab, dass der Untergrund teilweise mit LCKW stark kontaminiert ist. Für den maßgeblichen Parameter Tetrachlorethen wurden im Gesamtgehalt bis zu 145 mg/kg gemessen. Entsprechend der bisherigen Untersuchungsergebnisse kann die Fläche des mit leichtflüchtigen chlorierten Kohlenwasserstoffen stark belasteten Untergrundes (> 10 mg/kg) mit einer Größenordnung von rund 500 m² abgeschätzt werden. Der verunreinigte Untergrund stellt eine erhebliche Gefahr für das Grundwasser dar.

 

Bei den 24-stündigen Bodenluftabsaugversuchen wurden in einer Bodenluftmessstelle nördlich und einer Bodenluftmessstelle östlich des Altstandortes erhöhte Konzentrationen für leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe gemessen. Der maßgebliche Parameter ist Tetrachlorethen. In der nördlich gelegenen Bodenluftmessstelle wurden am Beginn des Absaugversuches stark erhöhte Tetrachlorethenkonzentrationen von etwa 1.750 mg/m³ gemessen, die allerdings im Laufe des Absaugversuches deutlich abnahmen (etwa 85 mg/m³). In einer östlich gelegenen Bodenluftmessstelle wurden nach schwankenden Tetrachlorethenkonzentrationen am Beginn des Absaugversuches ab etwa 4 Stunden nach Beginn des Absaugversuches kontinuierlich Tetrachlorethenkonzentrationen von durchschnittlich etwa 80 mg/m³ nachgewiesen. Somit kann davon ausgegangen werden, dass im Bereich der östlich gelegenen Bodenluftmessstelle eine stetige Schadstoffnachlieferung stattfindet. Die zweite östlich gelegene Bodenluftmessstelle und eine südlich des Altstandortes gelegene Bodenluftmessstelle waren unauffällig. Die Analysenergebnisse der Bodenluftproben, die etwa ein halbes Jahr nach den Absaugversuchen entnommen wurden bestätigen die Ergebnisse der 24-stündigen Absaugversuche.

 

Im Zuge der Grundwasseruntersuchungen konnte festgestellt werden, dass vom Altstandort „Putzerei Counde“ ein massiver Eintrag von Tetrachlorethen ins Grundwasser stattgefunden hat. Im unmittelbaren Abstrom der „Putzerei Counde“ wurden Konzentrationen von durchschnittlich bis zu 4.600 µg/l und maximal bis zu 8.620 µg/l gemessen. Ein Vergleich mit dem Maßnahmenschwellenwert der ÖNORM S 2088-1 für Summe Trichlorethen und Tetrachlorethen von 10 µg/l zeigt die massive Grundwasserverunreinigung. Die mit dem Grundwasser im unmittelbaren Abstrom des Altstandortes (Abstrombreite ca. 25 m) durchschnittlich transportierte Fracht an Tetrachlorethen kann mit etwa 60 bis 80 g/d abgeschätzt werden und ist als groß zu bewerten.

 

In den nördlich des Altstandortes gelegenen Grundwassermessstellen wurden zum Teil Tetrachlorethenkonzentrationen von durchschnittlich 300 bis 370 µg/l gemessen. Die Grundwassermessstellen erfassen nicht den Abstrom der Altstandortes, sondern repräsentieren das am Altstandort seitlich vorbei fließende Grundwasser. Hier befindet sich auch die Bodenluftmessstelle, die die höchsten Tetrachlorethenkonzentrationen zeigt. Bei den Feststoffuntersuchungen im Zusammenhang mit der Planung der Wohnhausanlage wurden in diesem Bereich immer wieder LCKW-Belastungen über 10 mg/kg festgestellt. Nach dem Keller- bzw. Tiefgaragenaushub sind in diesem Bereich an der Baugrundsohle sensorisch keine Kontaminationen durch leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe dokumentiert. Die starken Belastungen im Grundwasser und in der wasserungesättigten Bodenzone nördlich des Altstandortes sind vermutlich auf die „Putzerei Counde“ zurückzuführen, können derzeit jedoch nicht abgegrenzt und eindeutig der ehemaligen Nutzung zugeordnet werden.

 

Auffallend ist, dass bereits in Anstrom des Altstandortes „Putzerei Counde“ eine massive Grundwasserverunreinigung mit Trichlorethen vorliegt. In den unmittelbaren Anstromsonden zur „Putzerei Counde“ wurden bis zu 3.490 µg/l Trichlorethen festgestellt. Die Vorbelastung des Grundwassers durch Trichlorethen wurde durch den Betrieb einer Galvanik rund 100 m im Anstrom des Altstandortes „Putzerei Counde“ verursacht. Auch für Tetrachlorethen wurde bereits im Anstrom zur „Putzerei Coude“ eine gewisse Vorbelastung mit durchschnittlich etwa 20 µg/l nachgewiesen.

 

Zusammenfassend zeigen die Untersuchungsergebnisse, dass am Standort eine massive Untergrundverunreinigung mit LCKW vorhanden ist, die eine deutliche Beeinträchtigung des Grundwassers verursacht. Bei den durchgeführten Aushubmaßnahmen wurde nicht der gesamte kontaminierte Untergrund entfernt. Es sind massive Verunreinigungen des Untergrundes vorhanden, die weiterhin einen erheblichen Schadstoffeintrag in das Grundwasser verursachen werden. Der Altstandort „Putzerei Counde“ stellt eine erhebliche Gefahr für die Umwelt dar.

 

Datum der Texterstellung: November 2006