ALTLAST W6: Mobil

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Donaustadt
Wien,Donaustadt
Kagran
593/3, 595/1, 599/1
Art der Altlast:Altstandort
Branche:Mineralöl-Raffinerie
Betriebsgröße:100.000 m²
Betriebszeitraum:seit 1943
Schadstoffe:Mineralöl
Gefährdete Schutzgüter:Grundwasser
Prioritätenklasse:1
Datum der Altlastausweisung:6.3.1990
Datum der Prioritätenklassifizierung:5.7.1990
Status Sanierung im Altlastenatlas:Sicherung in Durchführung
letzte Aktualisierung im Altlastenatlas:4.7.1993

Beschreibung der Altlast

© Umweltbundesamt Übersichtskarte Übersichtskarte

Die Altlast "Mobil" im 22. Wiener Gemeindebezirk befindet sich im Bereich der Betriebsanlagen der Firma Mobil Oil Austria AG, deren Vorgängerfirmen den Standort seit dem 19. Jahrhundert nutzten. Auf dem circa 12 ha großen Areal kam es durch kriegsbedingte Einwirkungen während des 2. Weltkrieges (Beschädigungen der Tankfelder der damaligen Raffinerie durch Bombardements) und Betriebsunfälle zu großflächigen Boden- und Grundwasserkontaminationen mit Mineralölprodukten.

Das Betriebsgelände der Firma Mobil befindet sich in einem Gewerbegebiet zwischen der nördlichen Linie der Ostbahn, der Breitenleerstraße und dem Zwerchäckerweg. Die quartären Lockersedimente (sandige Kiese), die den ersten Grundwasserhorizont bilden, weisen im Mittel eine Mächtigkeit von 15 m auf. Die mittleren Flurabstände liegen bei etwa 6 m. Die Grundwasserfließrichtung ist generell Ostsüdost. Das Grundwasser im Abstrom der Altlast wird durch Feldbrunnen zu Bewässerungszwecken und Hausbrunnen in der Stadtrandsiedlung genutzt.

Gefährdungsabschätzung

Grundlagen für die Gefährdungsabschätzung sind:

- Grundwasseruntersuchungen

- Bodenuntersuchungen

- Projekt über Sofortmaßnahmen

Diese Unterlagen wurden dem Umweltbundesamt von der Magistratsabteilung 45 des Magistrates der Stadt Wien zur Verfügung gestellt.

In Folge der Bombardements kam es zur Versickerung von rund 7.000 Tonnen Mineralölprodukt, die sich nach Erreichen der Grundwasseroberfläche entsprechend den örtlichen Grundwasserverhältnissen vor allem nach Ostsüdosten ausbreiteten. Im Rahmen der durchgeführten Untersuchungen konnte Mineralöl in Phase noch in Sonden festgestellt werden, die sich etwa 500 m grundwasserstromabwärts des Kontaminationsherdes befinden.

Entlang der Kontaktfläche des Mineralölproduktes in Phase mit dem Grundwasser sowie durch Sickerwasserauswaschungen kommt es außerdem zu einer großflächigen Kontamination des Grundwasserkörpers durch gelöste Mineralölprodukte. In einer Sonde im Betriebsgelände der Firma Mobil konnte in einer oberflächennahen Grundwasserprobe (etwa 10 cm Eintauchtiefe) ein Gesamtkohlenwasserstoffgehalt von 55 g/l festgestellt werden. In einer Sondenreihe an der Süßenbrunnerstraße sowie in Sonden am westlichen Rand der Stadtrandsiedlung wurden durchschnittliche Gesamtkohlenwasserstoffgehalte von 0,35 mg/l gemessen. Zusätzlich belegen stichprobenartige Brunnenwasseranalysen in der Stadtrandsiedlung die Ausbreitung der Lösungsfahne.

Die bisherigen Untersuchungen und eine im Sommer 1989 aufgetretene Verunreinigung eines Brunnens einer Gärtnerei grundwasserstromabwärts des Mobil-Geländes lassen darauf schließen, daß es im Bereich des Gewerbegebietes an der Ostbahn auch in jüngerer Zeit zu Grundwasserverunreinigungen durch Betriebsunfälle oder durch defekte Betriebsanlagen kommt.

Im Jahr 1988 wurden als Sofortmaßnahme ein Sperrkanal und ein Sperrbrunnen, zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung der in Phase auf der Grundwasseroberfläche auftretenden Mineralölsubstanzen, errichtet.

 

 

Datum der Texterstellung:    April 1990