ALTLAST W8: Siebenhirten

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Liesing
Wien,Liesing
Liesing
auf Anfrage
Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Liesing
Wien,Liesing
Atzgersdorf
auf Anfrage
Art der Altlast:Altstandort
Branche:Chem. Grundstoffindustrie
Betriebsgröße:320.000 m²
Betriebszeitraum:seit 1828
Schadstoffe:Cyanid,
KW,
Phenol,
Antimon,
Nitrit,
Ammonium
Gefährdete Schutzgüter:Grundwasser,
Boden
Prioritätenklasse:1
Datum der Altlastausweisung:6.3.1990
Datum der Prioritätenklassifizierung:28.6.1991
Status Sanierung im Altlastenatlas:Sicherung in Durchführung
letzte Aktualisierung im Altlastenatlas:24.11.1997

Beschreibung der Altlast

© Umweltbundesamt Übersichtskarte Übersichtskarte

Die Altlast "Siebenhirten" im 23. Wiener Gemeindebezirk war seit 1828 Standort der chemischen Industrie. Im Zuge der Produktion und der Auflassung von Anlagen kam es zu Bodenkontaminationen und zur Ablagerung chemischer Abfälle. Das gesamte Gelände des Altstandortes ist heute Industrie- bzw. Gewerbegebiet.

Die obersten Bodenschichten im Bereich der Altlast sind fluviatile Schüttungen der Liesing, die durch eine Wechsellagerung von wasserführenden Kies-Sandschichten und undurchlässigen Schluff-Tonschichten geprägt werden. Der Flurabstand des Grundwassers beträgt zwischen 3 und 7 m. Die Grundwassermächtigkeit beträgt bis zu 2 m. Die generelle Grundwasserströmungsrichtung ist gegen Nordosten bis Osten gerichtet.

Gefährdungsabschätzung

Die Niederlassung der Firma Wagenmann, Seybel & Co. bestand seit 1828. Erzeugt wurden unter anderem Spiritus, Essig, Schwefelsäure, Salzsäure, Salpetersäure, Weinsteinsäure, Zitronensäure, kohlensaures Ammoniak und Chamotteziegel. Zu Beginn des ersten Weltkrieges erwarb die "Holzverkohlungs-Industrie AG" die Kapitalmehrheit des Unternehmens und wandelte die Gesellschaft in eine Aktiengesellschaft um. 1920 erfolgte der Verkauf an die "Pulverfabrik Skodawerke-Wetzler AG", 1939 die Fusionierung mit der "Donau-Chemie". Heute ist das ehemalige Fabriksgelände Standort verschiedener Industrie- und Gewerbebetriebe (u.a. Österreichische HIAG Werke, STUAG, Placzek OHG, Donau Chemie).

Die Auswertung von Bodenaufschlüssen ergab, daß nahezu im gesamten Bereich der Altlast Anschüttungen unterschiedlicher Mächtigkeit (1 - 7 m) bestehen. Wie aus Bodenprofilen ersichtlich, reichen die Schüttungen chemischer Abfälle bis in den Grundwasserbereich. Unter anderem lagern im Ostbereich der Altlast 170.000 Tonnen Rückstände aus der Schwefelsäureproduktion.

Die Analyse von Bodenproben im Jahr 1963 aus dem Ostbereich ergab pH-Werte bis zu 2. 1970 und 1972 durchgeführte Analysen von Grundwasserproben aus dem nordöstlichen Bereich ergaben ebenfalls pH-Werte um 2 und etwa 12.000 mg/l Sulfat.

Im Zuge der Untersuchung der Altlast wurden 11 Grundwassersonden errichtet. In Tiefen zwischen 5 und 10 m unter Gelände befinden sich tonige Schluffe, die als Grundwasserstauer anzusprechen sind. Darüberhinaus kommt es im nordwestlichen Bereich der Altlast aufgrund der Wechsellagerung von Kies- und Schluffschichten zur Ausbildung zweier kommunizierender Grundwasserhorizonte. Das Grundwasser strömt generell gegen Nordost bis Ost. Im Westen der Altlast befindet sich die Liesing, die jedoch nicht mit dem geringmächtigen Grundwasserkörper (bis zu 2 m) kommuniziert.

Die Untersuchung von 17 Grundwasserproben ergab für jede Probe jeweils Grenzwertüberschreitungen (ÖNORM M 6250) bei mehreren Parametern. Als Hauptkontaminanten wurden Cyanide, Kohlenwasserstoffe, Phenole, Ammonium, Nitrit und Sulfat festgestellt.

Die errichteten Meßstellen befinden sich vor allem im Grundwasserabstrom der Altlast. Keine der Meßstellen kann als Nullsonde betrachtet werden. Die in Bezug auf den Grundwasserstrom seitlich gelegenen Sonden, bei denen ein Wasserzustrom sowohl aus dem Bereich der Altlast als auch aus der Umgebung möglich ist, weisen ebenfalls Belastungen auf. Aufgrund der Ergebnisse der Wasseranalysen der seitlichen Sonden ist eine Vorbelastung des Grundwassers nicht auszuschließen.

Weiters weisen die Untersuchungen auf eine unterschiedlich intensive Verschmutzung des Grundwassers in verschiedenen Teilbereichen der Altlast hin. Eine Lokalisierung der einzelnen Gefahrenquellen ist jedoch zur Zeit nicht möglich.

Bei der Errichtung der Grundwassermeßstellen wurden bei 6 Bohrungen 7 Materialproben entnommen. Den Analysenergebnissen der Materialproben entsprechend konnten Materialien der Deponieklasse II und III (Richtlinien Nordrhein-Westfalen) festgestellt werden. Als bestimmende Parameter konnten Kohlenwasserstoffe, Ammonium, Cyanid und Phenol identifiziert werden.

Aus den Grundwasser- und Bodenuntersuchungen ergibt sich übereinstimmend, daß im Bereich der Altlast eine massive Grundwasserbeeinträchtigung erfolgt. Als Ursache sind sowohl die erfolgten Anschüttungen unterschiedlichster Abfälle als auch Bodenkontaminationen anzusehen.

 

 

Datum der Texterstellung:    Jänner 1991