Grenzüberschreitendes Projekt Thaya
Gewässerschutz - Eine Aufgabe von europäischer Dimension
Flüsse halten sich nicht an Staatsgrenzen. Dem trägt die Europäische Kommission mit der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (RL 2000/60/EG, WRRL) Rechnung.
Das Umweltbundesamt Wien und der Nationalpark Thayatal auf österreichischer Seite sowie das Wasserforschungsinstitut Brno mit den Partnern Landesbezirk Südmähren, Nationalpark Podyji, Tschechisches Hydrometeorologisches Institut und Povodí Moravy s.p. auf tschechischer Seite haben von Oktober 2006 bis 2009 ein gemeinsames INTERREG III A Projekt durchgeführt.
Projektziel
Wesentliches Ziel war - nach Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie - eine harmonisierte ExpertInnen-Bewertung der flussbaulich-gewässerökologischen Situation für die Thaya sowie einen Katalog mit Verbesserungsvorschlägen, der auf die festgestellten Defizite Bezug nimmt, unter Einbindung der betroffenen Öffentlichkeit zu erstellen.
Projektergebnisse
Ökologischer Zustand
Anhand der biologischen Qualitätselemente (Fische, Algen und wirbellose Bodenfauna) wurde der ökologische Zustand der Thaya bewertet und Defizite sowie deren Ursachen ermittelt, die durch Sanierungsmaßnahmen aufgehoben werden sollen.
Die Wasserkörper der Thaya befinden sich zurzeit überwiegend im mäßigen ökologischen Zustand, für zwei Wasserkörper wurde ein unbefriedigender ökologischer Zustand ermittelt.
Defizitanalyse - Ergebnisse und Ursachen
Eine Ursache, dass derzeit kein guter ökologischer Zustand im Oberlauf (Schweiggers – Drosendorf) vorliegt, ist der hohe Eintrag organischer Stoffe aus kommunalen Kläranlagen. Weitere Nährstoffeinträge erfolgen durch die Bodenerosion bedingt durch die vorwiegend landwirtschaftliche Bewirtschaftung, die oft bis unmittelbar an den Gewässerrand reicht. Aufgrund dieser beiden Aspekte – und obwohl die meisten Kläranlagen die behördlich festgelegten Obergrenzen für Phosphorfrachten einhalten – ist die Aufnahmekapazität der Thaya während lang anhaltender Niederwasserperioden schnell erschöpft. Zusätzlich verursachen Querbauwerke (Wehre, Sohlstufen usw.) Rückstaue und beeinträchtigen über längere Strecken den Fließcharakter der Thaya. Dadurch wird die Selbstreinigungskapazität des Gewässers deutlich herabgesetzt.
Im Oberlauf unterbrechen Stauanlagen für Wasserkraftanlagen die Fließstrecke der Thaya. Sie beeinträchtigen die aquatischen Lebensräume so, dass strömungsliebende Fische wichtige Habitate verlieren. Die Durchgängigkeit wird stark eingeschränkt und die flusstypspezifischen Fischarten können zum Teil ihre Laichplätze nicht mehr erreichen.
Die Abflussverhältnisse im Mittellauf sind hauptsächlich von Schwall-Sunkerscheinungen und Restwasser durch das Kraftwerk Frain (CZ) geprägt. Auswirkungen auf die Fischfauna ergeben sich neben dem veränderten Temperaturregime vor allem dadurch, dass sich die Flusssohle verdichtet, Lückenräume zusedimentieren, Fischlarven verdriften und Uferbereiche trocken fallen. Monotone Lebensraumverhältnisse prägen den Mittellauf aufgrund der Regulierungsmaßnahmen der vergangenen Jahrzehnte.
Im Unterlauf von Bernhardstal bis zur Einmündung in die March beeinträchtigen die im Jahr 1987 abgeschlossenen Regulierungsmaßnahmen des Flusses die Gewässerökologie deutlich. Die Regulierungsmaßnahmen hatten eine Begradigung des Flusses, ein monotones Flussbett, Uferverbauten, fehlende Begleitgehölze und flussnahe Hochwasserschutzdämme zur Folge.
Im Zuge der Regulierungen wurden im Unterlauf Flussschlingen und Aubereiche vom Hauptfluss abgetrennt, was zum Verlust wertvoller Lebensräume und dadurch zu ungünstigen Lebensbedingungen für Fische und die wirbellose Bodenfauna der Thaya führte. Zusätzlich verändert die Kette der Stauseen Nove Mlyny (CZ) die Dynamik der Hochwässer, sodass im Frühjahr Wiesen nicht mehr ausreichend überschwemmt werden. Hier sind negative Auswirkungen vor allem auf die Fortpflanzung der Fische festzustellen.
Maßnahmenvorschläge
Ausgehend von der Defizitanalyse wurde von österreichischer Seite ein Maßnahmenkatalog vorgeschlagen, der folgende mögliche Maßnahmen umfasst:
- Unterstützung der Vernetzung des Hauptflusses mit den Nebengewässern,
- teilweise oder vollständige Anbindung von Mäandern,
- Verbesserung der Strukturen im Flussbett,
- Herstellung der Durchgängigkeit der Thaya und deren Zubringerflüssen,
- Optimierung der Wehrbetriebsordnungen und Schwall/Sunk reduzierende Maßnahmen,
- Maßnahmen zur Verbesserung der Hochwassersituation,
- Verringerung sowohl der Nährstoff- als auch der Schadstoffzufuhr im Einzugsgebiet.
Die Vorschläge sind in erster Linie auf Verbesserungen der Hydromorphologie des Gewässers ausgerichtet. Ausgehend von der Verbesserung der abiotischen Verhältnisse in Richtung eines naturnäheren Zustandes wird der biotische Zustand der Thaya ebenfalls positiv beeinflusst.
Möglich wurde die Durchführung dieses Vorhabens dank der Finanzierung der österreichischen Projektkosten durch das Land Niederösterreich, das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) und den Nationalpark Thayatal.
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