Situation und Trends
Alle folgenden Emissionsangaben beziehen sich auf Emissionen in Österreich – d.h. die im Ausland durch in Österreich verkauften Treibstoff (Tanktourismus; ° Kapitel 14) emittierten Emissionsanteile sind nicht enthalten. Emissionsdaten werden vom Umweltbundesamt erhoben und jährlich publiziert (UMWELTBUNDESAMT 2007).
Abbildung 1: Trend der NOx-Emissionen in Österreich von 1990–2005
Die Stickoxid-Emissionen in Österreich sind von 2003 bis 2005 um etwa 5% von 168.000 t auf 159.000 t gesunken. Im EG-L ist für das Jahr 2010 eine Emissionshöchstmenge von 103.000 t NOx festgesetzt, das Ozongesetz sieht für das Jahr 2006 eine Emissionsreduktion auf etwa 71.000 t vor. Große Verursachersektoren waren 2005 Verkehr (44%; ° Kapitel 14), Industrie (23%; ° Kapitel 13) und Kleinverbraucher (22%) (siehe Abbildung 1).
Verbesserungen der Fahrzeugtechnologie führten zu einer Verminderung des NOx-Ausstoßes je Kraftfahrzeug, vor allem bei benzinbetriebenen Pkw. (Kapitel 14)
In den Sektoren Industrie und Energieversorgung konnte durch Effizienzsteigerungen und den Einbau von Entstickungsanlagen der NOx-Ausstoß trotz steigender Aktivitäten auf grund gesetzlicher Vorgaben stabilisiert werden.
Abbildung 2: Trend der NMVOC-Emissionen in Österreich von 1990–2005
2005 wurden 150.000 t flüchtige organische Verbindungen ohne Methan (NMVOC) emittiert. Dies entspricht einer Abnahme von etwa 5% gegenüber 2003. Die für 2010 im EG-L vorgesehene Emissionshöchstmenge beträgt 159.000 t. Im Ozongesetz ist für 2006 eine Reduktion auf rd. 112.000 t vorgesehen.
Der Anteil der einzelnen Sektoren und der Emissionsverlauf von 1990 bis 2005 sind in Abbildung 2 dargestellt. Der Sektor Lösemittelanwendung hat 2005 etwa 51% zur gesamten NMVOC-Emission beigetragen. Der Beitrag der Kleinverbraucher betrug im selben Jahr 29%. Die Sektoren Industrie und Verkehr waren 2005 für 5 bzw. 11% der in Österreich emittierten NMVOC-Emissionen verantwortlich.
Die Reduktion der NMVOC-Emissionen im Verkehrssektor ist hauptsächlich auf die Einführung strengerer Abgasgrenzwerte für Pkw gemäß dem Stand der Technik (geregelter Katalysator) sowie auf den verstärkten Einsatz von Diesel-Kfz im Pkw-Sektor zurückzuführen. Außerdem hat die Einführung von Aktivkohlekanistern und Gaspendeleinrichtungen bei Tankstellen (Gaspendelverordnung) sowie an Auslieferungslagern (Kraftstoffbehälterverordnung) zur Verringerung der Treibstoffverdunstungsverluste geführt.
Abbildung 3: Trend der SO2-Emissionen in Österreich von 1990–2005.
Die emittierten Mengen an Schwefeldioxid sanken von 32.000 t (2003) auf 26.000 t (2005). Die im EG-L für 2010 festgelegte Emissionshöchstmenge beträgt 39.000 t. Als Hauptemittenten von SO2 zählen die Sektoren Industrie (40%), Kleinverbraucher (33%) und Energie (27%) (siehe Abbildung 3).
Grund für die starke Senkung der SO2-Emissionen sind die Absenkung des Schwefelanteils in Mineralölprodukten und Treibstoffen (Kraftstoffverordnung), der Einbau von Entschwefelungsanlagen in Kraftwerken (Luftreinhaltegesetz für Kesselanlagen) sowie die verstärkte Nutzung schwefelärmerer Brennstoffe wie z.B. Erdgas. Ersteres wirkt sich in allen Bereichen aus, wo fossile Brennstoffe zum Heizen und zur Energieumwandlung (Kleinverbrauch, Industrie, Kraftwerke) eingesetzt werden.
Entsprechend einer Vereinbarung zwischen der OMV und dem Lebensministerium ist in Österreich seit 1. Jänner 2004 flächendeckend schwefelfreier Kraftstoff (< 10 ppm) erhältlich. Damit wurde den Anforderungen der Richtlinie zur Qualität von Otto- und Dieselkraftstoffen vorgegriffen, wonach spätestens ab 1.Jänner 2005 schwefelfreier Kraftstoff flächendeckend angeboten werden muss.
Abbildung 4: Trend der NH3-Emissionen in Österreich von 1990–2005.
Im Jahr 2003 wurden rd. 65.000 t Ammoniak emittiert, 2005 etwa 64.000 t. Die im EG-L festgesetzte Emissionshöchstmenge für das Jahr 2010 beträgt 66.000 t. Hauptverursacher der österreichischen NH3-Emissionen ist die Landwirtschaft, die mit 95% zur Gesamtemission beiträgt (siehe Abbildung 4).
Im Jahr 2005 trugen die Sektoren Energieversorgung (310 t), Verkehr (870 t), Kleinverbraucher (740 t), Industrie (340 t) und Sonstige (990 t) mit rd. 3.000 t zu den Gesamt-Ammoniak-Emissionen bei.
Hauptverantwortlich für die rückläufige Entwicklung der Ammoniakemissionen im Sektor Landwirtschaft ist der rückläufige Viehbestand, insbesondere der Rinder.
Die österreichischen Feinstaub (PM10)-Emissionen betrugen 2003 etwa 44.400 t und fielen bis 2005 geringfügig auf 44.000 t; ebenso gingen die PM2,5-Emissionen im selben Zeitraum von 25.200 t auf 24.500 t zurück. Die quantitativ wichtigsten Quellen im Jahr 2005 für Feinstaubemissionen waren Industrie (15.840 t), Kleinverbrauch (9.680 t) und Verkehr (7.480 t). Diese drei Sektoren zählen zu den relevanten inländischen Quellen für Überschreitungen der Immissionsgrenzwerte, während die Emissionen der Landwirtschaft (9.240 t) in Monaten auftreten, in denen wenige bis keine Überschreitungen gemessen werden (° Kapitel 14).
Tabelle 1: Grenz- und Zielwerte im IG-L bzw. in einer VO gemäß IG-L.
Das IG-L sowie die VO gemäß § 3 IG-L sieht einen umfassenden Katalog an Grenz- und Zielwerten für unterschiedliche Schadstoffe vor, der auf den Schutz der menschlichen Gesundheit und auf den Schutz von Ökosystemen und Vegetation ausgerichtet ist (siehe Tabelle 1).
Mit einer Novelle des IG-L 2006 wurden für die Feinstaubinhaltsstoffe Benzo(a)pyren, Nickel, Arsen und Cadmium Zielwerte festgesetzt. Die Messungen zur Kontrolle der Einhaltung dieser Werte begannen 2007.
Feinstaub
Tabelle 2: Anzahl der Messstellen mit Überschreitungen der jeweils geltenden Immissionsgrenzwerte für PM10 gemäß IG-L in Österreich 2001 bis 2005.
Die Anzahl der Messstellen1) mit Überschreitungen der Grenzwerte für PM10 in den Jahren 2001 bis 2005 ist in Tabelle 2 dargestellt (UMWELTBUNDESAMT 2006a). Die Unterschiede in der Belastung sind stark von der Wettersituation im jeweiligen Jahr beeinflusst (UMWELTBUNDESAMT 2006a, b). Mit ein Grund für den vergleichsweise geringen Anteil von Messstellen mit Überschreitungen im Jahr 2001 war, dass einige Messstellen erst Ende Jänner bzw. im März in Betrieb genommen wurden.
1) Ab dem Jahr 2000 kam es in Österreich aufgrund der der ab 7. Juli 2001 geltenden Grenzwerte für PM10 (IG-L Novelle BGBl. I Nr. 62/2001 vom 6. Juli 2001 in Umsetzung der RL 1999/30/EG) zu einer schrittweisen Umstellung der Schwebestaubmessungen von Gesamtstaub zu PM10.
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Die am höchsten belastete Messstelle war in den Jahren 2003-2005 die Grazer Messstelle Don Bosco.
Der gemäß EU-Richtlinie RL 1999/30/EG ab 2005 verbindlich einzuhaltende Grenzwert von maximal 35 Überschreitungen pro Jahr wurde in diesem Jahr an 53 von 113 Messstellen in allen Bundesländern überschritten.
Abbildung 5: Tagesmittelwert- überschreitungen von PM10 in den Bundesländern im Jahr 2005.Zur Verminderung der Feinstaubbelastung wurden in allen Bundesländern Maßnahmenkataloge gemäß IG-L erlassen sowie Maßnahmenprogramme erarbeitet und z.T. schon umgesetzt. Maßnahmen gemäß IG-L umfassen u.a. Geschwindigkeitsbeschränkungen, Partikelfilterpflicht für Offroad-Maschinen, Emissionshöchstwerte für Industrieanlagen, Fahrverbote für vor 1992 zugelassene Lkw (mit Ausnahmeregelungen), Vorgaben für den Winterdienst und Fahrverbote für bestimmte Fahrzeuge bei sehr hohen Belastungen (UMWELTBUNDESAMT 2006a).
Abbildung 6: Jahresmittelwerte der NO2-Belastung, 2005. Der Grenzwert beträgt 30 μg/m3, die Summe aus Grenzwert und Toleranzmarge im Jahr 2005 40 μg/m3.
Ergänzend dazu werden österreichweit Neufahrzeuge mit Partikelfilter mittels einer Differenzierung der Normverbrauchsabgabe (NOVA) bis Mitte 2007 gefördert (° Kapitel 14). Im Rahmen der Umweltförderung werden Nachrüstungen von Anlagen mit Partikelfiltern erfasst.
Tabelle 3: Anzahl der Messstellen mit Überschreitungen...
Steigende Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2)
Grenzwertüberschreitungen bei NO2 traten vor allem an verkehrsnahen Standorten auf (UMWELTBUNDESAMT 2006a).
Die am höchsten belasteten Standorte waren 2003 und 2005 Vomp Raststätte A 12 (Tirol) und 2004 Hietzinger Kai (Wien).
Abbildung 7: Jahresmittelwerte der NO2-Konzentration ausgewählter Stationen ...
Der Trend der NO2-Belastung an einigen hoch belasteten, verkehrsnahen Messstellen (siehe Abbildung 7) zeigt in den letzten Jahren eine steigende Tendenz.
Zur Verminderung der NO2-Belastung wurden in Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich und Wien Maßnahmenkataloge gemäß IG-L erlassen. Diese umfassen in erster Linie Geschwindigkeitsbeschränkungen sowie ein sektorales Fahrverbot und ein Nachtfahrverbot (UMWELTBUNDESAMT 2006a).
Ozon
Die Ozonbelastung setzt sich aus einer großflächigen Hintergrundbelastung und lokalen bis regionalen Beiträgen (Abgasfahnen von Ballungszentren) zusammen (UMWELTBUNDESAMT 2006a).
Abbildung 8: Überschreitungen der Informationsschwelle im Jahr 2005
Überschreitungen des Zielwertes zum Schutz der menschlichen Gesundheit gemäß Ozongesetz wurden im dreijährigen Zielzeitraum 2003–2005 bei 77% aller Messstellen festgestellt. Der Zielwert zum Schutz der Vegetation wurde im fünfjährigen Bezugszeitraum 2001–2005 ebenfalls bei 77% der Messstellen überschritten. Die höchsten Belastungen traten im Hoch- und Mittelgebirge sowie den außeralpinen Gebieten Ostösterreichs auf.
Der Informationsschwellenwert gemäß der Novelle zum Ozongesetz von 180 g/m³ als Einstundenmittelwert wurde im Jahr 2003 an 51 Tagen an insgesamt 97 Messstellen überschritten. 2004 wurde dieser Schwellenwert in Österreich an neun Tagen an insgesamt 21 Messstellen, 2005 an 18 Tagen an insgesamt 36 verschiedenen Messstellen überschritten. Der Alarmschwellenwert wurde 2003 an fünf Tagen an insgesamt fünf verschiedenen Messstellen überschritten, 2005 an einer Messstelle an einem Tag. 2004 trat keine Überschreitung auf (UMWELTBUNDESAMT 2006a).
Weitere Schadstoffe
Bei Schwefeldioxid wurden 2003–2005 einzelne Überschreitungen in grenznahen Regionen sowie im Einflussbereich von Industriestandorten gemessen. Die Grenzwerte für Kohlenmonoxid, Benzol und Blei im PM10 wurden an allen Messstellen eingehalten (UMWELTBUNDESAMT 2006a).
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