Situation und Trends
Entwicklung der Verkehrsleistung im Personenverkehr
Etwa 26% der Verkehrsleistung im Personenverkehr (Personenkilometer, Pkm) erbrachte 2005 der so genannte Umweltverbund. Dazu zählen öffentlicher Verkehr (Bahn, Bus, elektrifizierter Personennahverkehr), Fuß- und Radverkehr. Die restlichen 74% entfallen auf Pkw, motorisierte Zweiräder und Flugverkehr, wobei der Pkw-Verkehr mit rund 61% weitaus am meisten beiträgt (UMWELTBUNDESAMT 2007a).
Abbildung 1: Verkehrsleistung im Personenverkehr in Personenkilometern 1990–2005.
In den vergangenen Jahren ist die Verkehrsleistung in Österreich kontinuierlich gestiegen, von 1990 bis 2005 nahm sie um etwa 21% zu, wobei sie von 2003-2005 konstant blieb. Vor allem der Pkw-Verkehr wuchs beträchtlich, insbesondere durch den Freizeitverkehr.
Im Zeitraum 1990-2005 betrug die Zunahme der Verkehrsleistung bei den Pkw 30%, auch diese hat sich seit 2003 stabilisiert (siehe Abbildung 1). Relativ zur Gesamtleistung entwickelt sich der Flugverkehr seit 1990 am stärksten (UMWELTBUNDESAMT 2007a).
Neben der Verkehrsleistung ist auch der Fahrzeugbestand in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. Im Jahr 2005 waren in Österreich rund 4,2 Mio. Pkw registriert. Parallel zum Fahrzeugbestand hat sich der Motorisierungsgrad entwickelt: 2005 kamen auf 1.000 Einwohner knapp über 500 Pkw (STATISTIK AUSTRIA 2007).
Jeder zweite österreichische Pkw wurde im Jahr 2005 mit Dieselkraftstoff betrieben - das ist der europaweit höchste Anteil (EUROSTAT 2006a). Ursache dafür sind technologische Verbesserungen bei Dieselmotoren, die effektivere Kraftstoffnutzung, aber vor allem der im europäischen Vergleich geringe Preis von Diesel.
Abbildung 2: Transportleistung im Güterverkehr in Tonnenkilometern 1990–2005.
In den Jahren 1990 bis 2005 hat sich die Transportleistung im Güterverkehr in Österreich um 58% erhöht, von 2003–2005 betrug die Zunahme 2,1%. Etwa 67% der Transportleistung sind dem Straßen-, ca. 28% dem Schienenverkehr zuzuordnen (siehe Abbildung 2).
Die österreichische Bahn belegt in Hinblick auf den Transportleistungsanteil im europäischen Vergleich damit nach wie vor einen Spitzenplatz, wenngleich dieser stetig sinkt. Trotz Zuwächsen spielen Donauschifffahrt und Flugverkehr für den Gütertransport nur eine untergeordnete Rolle.
Zunahmen beim Energieeinsatz
Der Energieeinsatz im Verkehrssektor nimmt weiterhin stark zu. Im Zeitraum 1990-2005 nahm die Kraftstoffverkaufsmenge um 80% zu, von 2003 bis 2005 betrug die Zunahme 6%. Der Großteil des Anstiegs im Kraftstoffverkauf entfällt auf Dieselkraftstoff (von 2,1 Mio. t 1990 auf 6,3 Mio. t 2005; Zunahme + 200%). Im gleichen Zeitraum hat sich die verkaufte Menge Benzinkraftstoff von 2,6 Mio. t im Jahr 1990 auf 2,1 Mio. t 2005 reduziert. In Österreich wird somit dreimal so viel Diesel wie Ottokraftstoff (Benzin) abgesetzt (siehe Abbildung 3) (UMWELTBUNDESAMT 2007a) (° Kapitel 12).
Abbildung 3: Energieeinsatz im Verkehrssektor 1990–2005.
Seit 2005 wird im Verkehrssektor auf Basis der vom Lebensministerium erlassenen Kraftstoffverordnung verpflichtend Biokraftstoff eingesetzt. Der tatsächlich eingesetzte Anteil betrug im Jahr 2005 3,2% (UMWELTBUNDESAMT 2006a).
Die im europäischen Vergleich niedrige österreichische Kraftstoffsteuer bedingt niedrige Kraftstoffpreise und führt zu einer preisbedingten Kraftstoffausfuhr in Fahrzeugtanks (Tanktourismus), speziell im Güterverkehr. Im Jahr 2005 belief sich der Anteil von Kraftstoffen, welche in Österreich getankt, aber im Ausland verfahren werden, auf etwa 33%.
Abbildung 4: Treibhausgas- emissionen Verkehrssektors, inkl. Tanktourismus 1990–2005.
Der Verkehrssektor setzt fast ein Viertel der österreichischen Treibhausgase frei - im Jahr 2005 24,4 Mio. t CO2e (UMWELTBUNDESAMT 2007a) (° Kapitel 4). Außerdem zeigt der Verkehr von allen Sektoren die stärkste Steigerung der Treibhausgasemissionen; diese nahmen im Zeitraum 1990-2005 um 92% zu, von 2003 bis 2005 um 6% (siehe Abbildung 4). Die aus dem Kraftstoff im Ausland freigesetzten Treibhausgase werden Österreich angerechnet und betrugen 2005 rd. 32% der österreichischen Treibhausgasemissionen aus dem Verkehrssektor (UMWELTBUNDESAMT 2007a). Die Zunahme der Emissionen im Inland ohne preisbedingten Kraftstoffexport betrug im selben Zeitraum 20%, wobei die Emissionen von 2003-2005 konstant blieben.
Abbildung 5: Spezifische CO2-Emissionen verschiedener Verkehrsträger am Beispiel Personenverkehr. Gesamtemissionen unter Berücksichtigung vorgelagerter Prozessemissionen.
Seit 2000 konnte in Österreich bei den neu zugelassenen Dieselfahrzeugen keine CO2-Emissionsreduktion erzielt werden. Ein 2005 neu zugelassener Pkw emittiert pro Kilometer durchschnittlich 161 bzw. 165 g CO2 (Diesel bzw. Benziner).
Im Personen- und Güterverkehr emittieren Bahn und Bus bzw. Schiff deutlich weniger CO2 (wie auch andere Luftschadstoffe) pro Personen- oder Tonnenkilometer (siehe Abbildung 5).
Die österreichweite CO2-Freisetzung durch den Flugverkehr hat sich seit 1990 etwa verfünffacht. Der nationale Flugverkehr macht 1% der österreichweiten Treibhausgasemissionen aus (siehe Abbildung 4). Im Gegensatz zur Besteuerung der Kraftstoffe im Straßenverkehr unterliegt der Flugverkehr keiner Kraftstoffsteuer, der internationale Flugverkehr ist von der Kyoto-Berichtspflicht ausgenommen.
Schadstoffemissionen des Verkehrssektors
Der Verkehrssektor emittierte im Jahr 2005 in Österreich mehr als 7.500 t Feinstaub (° Kapitel 2), davon entfallen 50% auf Verbrennungsemissionen (abhängig von der Fahrzeugtechnologie) und 50% auf Abrieb und Aufwirbelung (abhängig von der Verkehrsleistung). Die Partikelemissionen haben in Österreich von 1990 bis 2005 um 4% zugenommen, von 2003 bis 2005 haben die Emissionen um 1% abgenommen (siehe Abbildung 6) (UMWELTBUNDESAMT 2006b).
Abbildung 6: Partikelemissionen Verkehrssektor 1990–2005.
Die Partikelemissionen aus Verbrennungsmotoren stammen fast ausschließlich von Dieselmotoren.
Der Straßenverkehr trägt maßgeblich zur Überschreitung von Luftgütegrenzwerten für die Feinstaubbelastung (PM10) bei. An verkehrsnahen Messstellen im städtischen Gebiet beträgt der Anteil des Verkehrs an der Gesamtbelastung bis zu etwa 50%.
Abbildung 7: Stickoxidemissionen Verkehrssektor 1990–2005
Neben dem Straßenverkehr trägt auch der Offroad-Sektor (v.a. Baumaschinen, land- und forstwirtschaftliche Maschinen wie Traktoren etc.) zu den Partikelemissionen bei.
Der Verkehrssektor ist mit 44% der österreichischen Gesamtemissionen die Hauptquelle für Stickoxide (NOx). Die NOx-Emissionen des Verkehrssektors haben in Österreich seit 1990 kontinuierlich abgenommen (siehe Abbildung 7) (° Kapitel 2).
Grund hierfür ist eine Emissionsreduktion speziell bei den Benzin-Pkw, hier macht sich die Einführung des Katalysators positiv bemerkbar. Dieser Trend wurde durch den Dieselboom bei den Pkw gebremst. Bei den leichten und schweren Nutzfahrzeugen und den Fahrzeugen im Offroad-Sektor sind die Reduktionen deutlich geringer. Emissionsgrenzwertbestimmungen bei Dieselfahrzeugen haben nicht zu jenen Reduktionen geführt, welche durch die rechtliche Absenkung zu erwarten gewesen wären. Geringerer Kraftstoffverbrauch wird motorentechnisch mit höheren NOx-Emissionen "erkauft", dadurch nimmt der NOx-Ausstoß trotz sinkender Grenzwerte nicht in jenem Ausmaß ab, wie es die Grenzwerte erwarten lassen würden (UMWELTBUNDESAMT 2003).
Hinsichtlich der Stickstoffdioxid-Belastung (NO2) ist in den letzten Jahren an einigen verkehrsnahen Messstellen eine steigende Tendenz zu Grenzwertüberschreitungen festzustellen (° Kapitel 2). Der Anteil der Verkehrsemissionen an den straßennah gemessenen NO2-Belastungen beträgt bis zu 90%.
Mobilität auf Kosten von Lebensraum
Abbildung 8: Längenzuwachs im höherrangigen Straßen- und Bahnstreckennetz in Österreich 1985–2003 in Prozent.
Täglich werden 2,7 ha (das entspricht knapp vier Fußballfeldern) Landschaft für Verkehrsflächen verbaut (UMWELTBUNDESAMT 2006c), der weitaus größte Anteil dieses Flächenverbrauchs entfällt auf Straßenverkehrsinfrastruktur (siehe Abbildung 8). Die Straße benötigt für die gleiche Transportleistung, ob Personen oder Güter, ein Vielfaches der Fläche, die der Schienenverkehr beansprucht (° Kapitel 15).
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