Abfallverbrennung in Österreich - Statusbericht 2006

© Umweltbundesamt

Die Menge der Abfälle, die in den bedeutendsten österreichischen Abfallverbrennungsanlagen behandelt werden, ist aufgrund der Bestimmungen der Deponieverordnung deutlich gestiegen – von ca. 880.000 Tonnen im Jahr 2000 auf ca. 1,8 Millionen Tonnen Abfälle im Jahr 2005. Diese Anlagen entsprechen dem Stand der Technik und halten die Emissionsgrenzwerte für Luftschadstoffe gemäß Abfallverbrennungsverordnung (AVV) ein. In der Abwärmenutzung gibt es Verbesserungsbedarf.

 

Für den Statusbericht 2006 wurden verfahrenstechnische und abfallwirtschaftliche Aspekte der Abfallverbrennungsanlagen analysiert.

Abfallmengen und -arten

Insgesamt wurden an den untersuchten Standorten im Jahr 2005 ca. 1,7 Millionen Tonnen nicht gefährliche Abfälle, vor allem Siedlungsabfälle, verbrannt. Dazu kamen ca. 124.000 Tonnen gefährliche Abfälle, v. a. Lösungsmittelgemische und Schlämme. Nicht gefährliche Abfälle werden hauptsächlich in den Anlagen mit Rostfeuerung in Wien (Flötzersteig, Spittelau), Dürnrohr, Arnoldstein (KRV), Wels (I und II) und in den Anlagen mit Wirbelschichtfeuerung in Niklasdorf, Lenzing und Simmering (WSO 1–3, WSO 4) eingesetzt.

Ca. 59 % der Abfälle, die in diesen Abfallverbrennungsanlagen (ausgenommen Simmering WSO 1-3) behandelt werden, sind unbehandelter Rest- und Sperrmüll. Ca. 28 % sind heizwertreiche Fraktionen aus Anlagen zur mechanischen oder mechanisch-biologischen Abfallbehandlung und ca. 13 % sind andere Abfälle wie Klärschlamm oder Gewerbeabfälle.

 

Die gefährlichen Abfälle werden zum Großteil in den Drehrohröfen in Simmering (Drehrohrofen 1 und 2) und Arnoldstein (ABRG) sowie im Wirbelschichtofen der ABRG Arnoldstein thermisch behandelt.

 

Als Abfälle und Rückstände aus der Abfallverbrennung fallen Schlacken, Aschen, Filterkuchen, Gips und Eisenschrott an.

Verfahrenstechnische Aspekte

Die in den Anlagen angewendete Verfahrenstechnik ist im Statusbericht zur Abfallverbrennung in Österreich beschrieben und schematisch abgebildet. Erfasst wurden die Vorbehandlung, Lagerung, Förderung und Dosierung der Abfälle, die eingesetzte Verbrennungstechnologie und die Verbrennungsluftführung sowie die Verfahren zur Rauchgas- und zur Abwasserreinigung. Ergänzt werden diese Aspekte um eine Beschreibung des Wasser-Dampf-Kreislaufs der Kesselanlagen und der Nutzung der Energie, die bei der Abfallverbrennung freigesetzt wird.

 

Anlagen mit Wirbelschichtfeuerung brauchen, mit Ausnahme bestimmter Abfallfraktionen, immer eine mechanische Vorbehandlung. Keiner mechanischen Aufbereitung bedürfen i.a. hingegen Abfälle, die in Drehrohröfen verbrannt werden.

 

Die Verbrennungsaggregate sind großteils als Rostfeuerungen ausgeführt. Heizwertreiche Abfallfraktionen werden überwiegend in den Wirbelschichtfeuerungen, gefährliche Abfälle in Drehrohröfen verbrannt. Die Abfallförderung und -dosierung ist durch die eingesetzte Feuerungstechnologie bestimmt.  Zur Förderung und Dosierung fester Abfälle dienen Greiferkräne, kontinuierlich arbeitende Förderaggregate (wie z. B. Förderbänder), Schurren, Fall- und Wurfbeschicker. Pumpfähige Abfälle werden mit Lanzen entweder direkt in den Feuerraum eingebracht oder mit festen Abfällen vorvermischt.

 

Alle Anlagen verfügen über eine steuerbare Zuführung von Verbrennungsluft – u. a. Abluft aus den Abfalllagern –, die eine genauere Regelung des Verbrennungsprozesses ermöglicht.

 

In allen beschriebenen Anlagen kommen aufwändige mehrstufige Verfahren (Trockenverfahren mit oder ohne Kombination mit nassen Rauchgaswäschern) zur Rauchgasreinigung zum Einsatz, um Schadstoffemissionen in die Luft effektiv zu mindern. Dadurch halten alle Anlagen die Grenzwerte der Abfallverbrennungsverordnung (AVV) ein.

 

Die Abwässer aus der nassen Rauchgasreinigung, der Asche- und der Schlackebehandlung werden in den österreichischen Anlagen in mehrstufigen Abwasserreinigungsanlagen gereinigt.

 

Verbesserungsbedarf besteht vor allem bei der im Sinne des Klimaschutzes wünschenswerten Nutzung der Abwärme, die bei der Verbrennung anfällt. Nur wenige Anlagen entsprechen vollwertigen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. Insbesondere jene Anlagen, in denen der erzeugte Dampf ausschließlich zur Verstromung genutzt wird, weisen sehr niedrige Wirkungsgrade auf.

Neue Anlagen ab 2008

Mit Stand 2006 sind sechs neue Abfallverbrennungsanlagen geplant oder bereits genehmigt. Die Anlage Pfaffenau geht 2008 in Betrieb, die Anlage in Zistersdorf wurde bereits genehmigt. Die anderen Anlagen befinden sich in der Planungs- (Frohnleiten, Heiligenkreuz, Linz) bzw. Genehmigungsphase (Dürnrohr Linie 3). Mit diesen Anlagen werden die Kapazitäten um weitere ca. 1,4 Millionen Tonnen steigen.