Altlast O 44: Chemiepark Linz

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Linz
Linz
Lustenau
auf Anfrage
Art der Altlast:Altstandort
Betriebsgröße:750.000 m²
Betriebszeitraum:seit 1942
Schadstoffe:CKW,
111-Trichlorethan,
Tetrachlorethen,
Phenol
Gefährdete Schutzgüter:Grundwasser
Prioritätenklasse:-
Datum der Altlastausweisung:16.12.1999
Datum der Prioritätenklassifizierung:-
Status Sanierung im Altlastenatlas:-
letzte Aktualisierung im Altlastenatlas:1.1.2000

Beschreibung der Altlast

© Umweltbundesamt Übersichtskarte

Abriss zur Entwicklung des Altstandortes

Am Altstandort "Chemiepark Linz" wurde während des Zweiten Weltkrieges in den Jahren 1942/43 die Produktion von Pflanzendünger aufgenommen.

Die ersten Anlagen zur Erzeugung von Kalkammonsalpeter waren in die Nieder- (Gasfabrik) und Hochdruckbetriebe (Ammoniakerzeugung nach dem Haber-Bosch-Verfahren), den Säurebetrieb, die Salzfabrik sowie die Kalkammonsalpeterfabrik gegliedert. Unmittelbar südlich des Standortes schließt das Gelände des Stahlwerkes Linz an, das bereits im Jahr 1941 in Betrieb gegangen war. Wesentliche Voraussetzung für die Errichtung der Stickstoffwerke war die Nutzung des Gases der Kokerei des Stahlwerkes. Ebenso wie das südlich gelegene Stahlwerk der VOEST wurde der Betrieb im Jahr 1944 bombardiert. Die Gesamtfläche beträgt rund 85 ha.

Mit dem Jahr 1946 begann der Wiederaufbau als "Österreichische Stickstoffwerke AG". Im Jahr 1947 wurde auch die Produktion von Chloräthyl und Lachgas als Narkosemittel, Sulfonamid als Ausgangsstoffe für Heilmittel, Nitrobenzol für die Farben- und Seifenindustrie und Anilinsalz für Färbereien aufgenommen. Zur Kalkammonsalpeterproduktion kam 1952 die Ammonsulfatproduktion aus Ammoniak, Kohlensäure und Gips. Neben Kunstdünger erzeugte der Betrieb auch Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel. Als weitere chemische Roh- und Grundstoffe wurden Leim, Humusdünger, Chromallaun, Weichmittel, Natriumbisulfit und Schwefelsäure erzeugt. Im Jahr 1954 ging die Gips-Schwefelsäure-Produktion in Betrieb, im Jahr 1965 wurde die Phosphorsäureanlage in Betrieb genommen.

Im Jahr 1970 war die Düngemittelproduktion mit knapp 50 % am Umsatz des Standortes beteiligt. Die andere Hälfte entfiel auf Pflanzenschutzmittel, Chemikalien und Katalysatoren, Kunststoffe und Weichmacher, Klebstoffe sowie Pharmazeutika. Am Standort wurde auch 2,4,5-Trichlorphenol produziert. Die entsprechende Anlage wurde nach dem Jahr 1976 geschlossen.

In der Entwicklung des Standortes über mehrere Jahrzehnte wurden laufend neue Produktionsanlagen errichtet, Produktionsanlagen erweitert, Verfahren umgestellt oder Anlagen aufgelassen. Ende der 80er Jahre wurde mit einer Umstrukturierung des Betriebes begonnen. Inzwischen wird der Altstandort bzw. werden die Produktionsanlagen von einer größeren Anzahl an Firmen betrieben.

© Umweltbundesamt Überblick über den Altstandort – im Vordergrund die Kokerei der VOEST-Alpine Stahl Linz; im Hintergrund die Stadt Linz und der Hafen

Im südöstlichen Ende des Altstandortes wurde auf einer Fläche von vermutlich rund 7.000 m² von 1954 bis 1972 eine Deponie betrieben. Es wurde vor allem der Fällungsgips aus der Säureproduktion abgelagert. Es kann derzeit nicht beurteilt werden, ob und in welchem Umfang andere Abfälle abgelagert wurden. Die Mächtigkeit der Deponie beträgt bis zu maximal 7 m. In diesem Bereich besteht eine mehrere Hektar große Freifläche (vgl. auch Abbildung 1), die größtenteils asphaltiert ist und derzeit als Lagerplatz genutzt wird. Mittelfristig ist die Errichtung der neuen Ammoniakanlage geplant.

Hydrogeologie und Wasserwirtschaft

Die Altstandort befindet sich im Bereich der ehemaligen Auterrasse der Donau. Der natürliche Untergrundaufbau im Bereich der Terrasse kann durch eine generalisierte Schichtabfolge von oberflächennahen feinkörnigen Deckschichten (Ausande und Aulehme), quartären kiesig-sandigen Sedimenten als Grundwasserleiter und feinkörniger, tertiärer Sedimente (Schlier) als Grundwasserstauer beschrieben werden. Im Zuge der industriellen Erschließung des Standortes erfolgten in weiten Bereichen künstliche Anschüttungen. Dementsprechend ist davon auszugehen, daß im gesamten Bereich des Altstandortes der natürliche Untergrund durch anthropogene Aufschüttungen überdeckt ist oder daß auch die feinkörnigen natürlichen Deckschichten (Aulehme etc.) zum Teil ersetzt wurden.

Die Geländeoberfläche befindet sich etwa auf 253 bis 255 m ü.A. Bei den in Tiefenbereichen von 3 bis 7 m unter Gelände vorliegenden sandigen Kiesen handelt es sich um quartäre, fluviatile Sedimente, die sehr gut durchlässig sind (Durchlässigkeitsbeiwert kf 7,5*10-3 bis 1*10-2 m/s). Der Grundwasserspiegel befindet sich generell rund 5 bis 7 m unter Gelände (rund 248 bis 250 m ü.A.) Die grundwasserstauenden Flyschgesteine befinden sich generell in einer Tiefe von ca. 14 bis 15 m unter Gelände (rund 238 bis 240 m ü.A.). Das Relief des Grundwasserstauers ist nicht bekannt, wobei vermutlich ein generelles Gefälle in Richtung Nordost zur Donau gegeben ist. In einigen Bereichen des Betriebsstandortes binden Fundamente von Betriebsanlagen in den Grundwasserstauer ein.

Die Grundwasserströmungsverhältnisse im Bereich des Altstandortes können auf Grund der zur Zeit vorliegenden Daten nicht ausreichend beschrieben werden. Im Anstrom des Altstandortes ist die generelle Grundwasserströmung nach Osten bis Ostnordosten gerichtet. Die Entwässerung des Standortes erfolgt generell über am östlichen Ende des Altstandortes entlang der Dichtwand zur Donau gelegene Drainagen und Brunnen.

Das Grundwasservorkommen ist grundsätzlich der Welser Heide zuzuordnen und als sehr ergiebig zu bezeichnen. Im Anstrom des Altstandortes befindet sich das Stadtgebiet von Linz. Der Altstandort stellt grundsätzlich ein Poldergebiet dar, in dem durch entsprechende Wasserhaltungsmaßnahmen der Grundwasserspiegel abgesenkt bzw. konstant gehalten wird. Im Bereich des gesamten Altstandortes wird durchschnittlich Grundwasser im Ausmaß von rund 200 l/s entnommen. Diese Wasserhaltungsmaßnahmen wurden im Zuge der Errichtung des Donaukraftwerkes Abwinden-Asten installiert, da die natürliche Kommunikation zwischen Grundwasser und Donau durch eine Schmalwand unterbrochen wurde und der Wasserspiegel der Donau deutlich über den natürlichen Grundwasserspiegel angehoben wurde. Das abgepumpte Grundwasser wird zum Teil für Nutzwasserzwecke (z.B. Kühlwasser) eingesetzt.

Der Altstandort wird vom Hafenbecken VII des Tankhafens der Stadt Linz, von der Donau und im Süden von der Steyregger Straße begrenzt. Unmittelbar südlich der Steyregger Straße befindet sich die Kokerei des Stahlwerkes Linz.

Gefährdungsabschätzung

Am Altstandort wurden seit 1942 verschiedenste chemische Produktionsanlagen betrieben. Neben der Düngemittelproduktion wurden verschiedenste chemische Roh- und Grundstoffe sowie Pflanzenschutzmittel, Kunststoffe und Weichmacher, Klebstoffe und Pharmazeutika hergestellt. In der Entwicklung des Standortes über mehrere Jahrzehnte wurden laufend neue Produktionsanlagen errichtet, Produktionsanlagen erweitert, Verfahren umgestellt und Anlagen aufgelassen. Im Bereich des gesamten Standortes ist mit anthropogenen Anschüttungen, die vor allem auch zur Gewinnung der Betriebsflächen im ehemaligen Augebiet der Donau vorgenommen wurden, zu rechnen. Am östlichen Ende des Standortes wurde bis in die 70er Jahre eine Deponie betrieben.

Der natürliche Untergrundaufbau kann vereinfacht durch eine Schichtabfolge von oberflächennahen feinkörnigen Deckschichten, quartären kiesig-sandigen Sedimenten als Grundwasserleiter und feinkörnigen, tertiären Sedimenten als Grundwasserstauer beschrieben werden. Die Grundwasserströmungsverhältnisse im Bereich des Altstandortes können auf Grund der zur Zeit vorliegenden Daten nicht ausreichend beschrieben werden. Im Anstrom des Altstandortes im Stadtgebiet von Linz ist die generelle Grundwasserströmung nach Osten bis Nordosten gerichtet. Die Entwässerung des Standortes erfolgt generell über am östlichen Ende des Altstandortes entlang der Dichtwand zur Donau gelegene Drainagen und Brunnen. Der Altstandort stellt grundsätzlich ein Poldergebiet dar, in dem durch entsprechende Wasserhaltungsmaßnahmen der Grundwasserspiegel abgesenkt bzw. konstant gehalten wird. Im Bereich des gesamten Altstandortes wird durchschnittlich Grundwasser im Ausmaß von rund 200 l/s entnommen.

Die Ergebnisse von Grundwasseruntersuchungen seit dem Jahr 1996 zeigen, daß in mehreren Bereichen des Altstandortes Verunreinigungen des Grundwassers gegeben sind. Zusammengefaßt lassen sich folgende bisher bekannte Belastungen beschreiben:

  • Grundwasserbelastungen durch Dichlormethan im Bereich des Brunnens Bau 33.
  • Grundwasserbelastungen durch Tetrachlorethen bei der Harnstoffanlage (Bau 431).
  • Grundwasserbelastungen durch aromatische Kohlenwasserstoffe (BTX) im Bereich Bau 52 bis Bau 526.
  • Grundwasserkontamination durch aromatische Kohlenwasserstoffe sowie halogenierte Benzole und Phenole im Bereich Bau 506.

Die Ursachen und das Ausmaß dieser Belastungen kann anhand der vorliegenden Unterlagen nicht eindeutig beurteilt werden. An den Brunnen, die zur Wasserhaltung genutzt werden, zeigen die bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse nur zum Teil Hinweise auf Belastungen. Auf Grund der großen Entnahmemengen kommt es zu einer starken Verdünnung von Belastungen. Es bestehen jedoch trotzdem Hinweise, daß große Mengen an Schadstoffen (z.B. Dichlormethan 17 kg/a) in die Donau eingeleitet werden. Den bisher vorliegenden Untersuchungsergebnissen entsprechend hat das in die Donau abgeleitete Grundwasser den Anforderungen für Einleitungen in ein Oberflächengewässer bzw. Vorfluter entsprochen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, daß es sich um einen der größten Altstandorte mit chemischen Produktionsanlagen (ca. 85 ha) in Österreich handelt, in dessen Bereich seit mehr als 5 Jahrzehnten neben Düngemitteln auch chemische Grundstoffe, Kunststoffe, Pflanzenschutzmittel bzw. verschiedenste Produkte der Chlorchemie produziert wurden. Neben den seit 1990 dokumentierten Schadensfällen zeigen die vorliegenden Unterlagen, daß auch weitere Belastungen des Untergrundes bzw. des Grundwassers durch ältere Kontaminationen bestehen.

 

Texterstellung:    November 1999