Gesicherte Altlast N22: Schmid Schraubenwerke Landsthal

Bezirk:
Gemeinde:
Katastralgemeinde:
Grundstücksnummern:
Lilienfeld
Hainfeld
Landsthal
4/1
Art der Altlast:Altstandort
Branche:Metallwarenerzeugung
Betriebsgröße:50.000 m²
Betriebszeitraum:1900 bis 1992
Schadstoffe:KW,
Sulfat
Gefährdete Schutzgüter:Grundwasser
Prioritätenklasse:2
Datum der Altlastausweisung:7.10.1994
Datum der Prioritätenklassifizierung:16.12.1994
Art der Sanierungsmaßnahmen:Teilräumung,
Sperrbrunnen,
Immobilisierung
Datum des Eintrages als saniert:1.6.2005
letzte Aktualisierung im Altlastenatlas:1.6.2005

Zusammenfassung

© Umweltbundesamt Übersichtskarte Übersichtskarte

Auf dem Betriebsstandort der Firma Schmid Schrauben werden seit Beginn des 20. Jahrhunderts Drahtstifte und Schrauben produziert. Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen wurden stark belastete Untergrundbereiche ausgehoben und entsorgt bzw. mittels Bodenvermörtelung verfestigt.

In Teilbereichen sind noch Restkontaminationen im Untergrund vorhanden, die eine deutliche Beeinflussung der Grundwasserqualität verursachen. Auf Grund der laufenden Sicherungsmaßnahmen wird die Ausbreitung der Kohlenwasserstoffbelastungen im Grundwasser begrenzt. Die von den Sicherungsmaßnahmen nicht erfassten kontaminierten Bereiche stellen keine erhebliche Gefahr für das Grundwasser dar. Unter Berücksichtigung der laufenden Sicherungsmaßnahmen stellen die Restbelastungen keine erhebliche Gefahren für das Grundwasser dar. Die Altlast kann daher als gesichert bewertet werden.

Beschreibung des Altstandortes

Der Altstandort befindet sich rund 1,7 km südlich von Hainfeld in Niederösterreich. Auf dem Betriebsstandort der Firma Schmid Schrauben werden seit Beginn des 20. Jahrhunderts Drahtstifte und Schrauben hergestellt.

Auf dem ca. fünf Hektar großen Werksareal befinden sich derzeit die für einen metallbearbeitenden Betrieb üblichen Anlagen, wie z.B. Pressereien, Härtereien, Glüherei, Galvanik, Beizerei, Drahtzieherei, diverse Lager, Waschanlagen, etc.. Entsprechend der langen Nutzungsdauer kam es zu zahlreichen Veränderungen der Anlagen, sodass eine Vielzahl früherer Anlagen heute an anderen Stellen oder nicht mehr existieren.

Im Produktionsverlauf wurden unter anderem Mineralölprodukte, Beizmittel, Wasch- und Lösungsmittel eingesetzt. Produktionsabwässer (z.B. Galvanik- und Beizereiabwässer) wurden in Sickerbecken am Betriebsgelände versickert. Verschiedene Produktionsrückstände (z.B. Galvanik-, Beizerei- und Phosphatschlämme) wurden am Betriebsgelände abgelagert.

Der Standort befindet sich im Tal des Ramsaubaches, der in Richtung Norden zur Gölsen fließt. Der Ramsaubach bildet die östliche Grenze des Werksgeländes, das sich fast über die gesamte Talbreite (ca. 130 m) ausdehnt.

Im Talboden werden Dolomite und Mergel von mehrere Meter mächtigen Lockersedimenten überlagert. Die grundwasserführenden Lockersedimente bestehen vorwiegend aus Kiesen mit unterschiedlichen Anteilen von Schluffen und Feinsanden. Der Grundwasserkörper ist ca. 4 bis 6 m mächtig und weist eine mittlere Durchlässigkeit auf (Durchlässigkeitsbeiwert 10-5 bis 10-4 m/s). Der Flurabstand des Grundwassers ist gering (0,5 bis 2 m). Es ist anzunehmen, daß bei Grundwasserhöchstständen der Grundwasserspiegel die Geländeoberfläche erreichen kann.

Das Grundwasser strömt generell in Talrichtung nach Norden und kann als Grundwasserbegleitstrom des Ramsaubaches angesprochen werden. Der Ramsaubach ist der Vorfluter für das Grundwasser, bei hohen Wasserständen ist eine Dotation des Grundwassers durch den Ramsaubach möglich.

Am Werksgelände befinden sich einige Nutzwasserbrunnen. Der Trinkwasserbrunnen des Betriebes und ein Trinkwasserbrunnen der Wasserversorgungsanlage Hainfeld befinden sich 250 m bzw. 750 m südlich und daher grundwasserstromauf des Betriebsstandortes. Grundwasserstromab ist keine Trinkwassernutzung des Grundwassers bekannt.

Gefährdungsabschätzung

Auf einer Fläche von ca. fünf Hektar befindet sich seit ca. 100 Jahren der Standort eines metallbearbeitenden Betriebes. Durch Manipulationsverluste beim Umgang mit Produktionsmitteln (z.B. Mineralölprodukte), durch das Versickern von Produktionsabwässern (z.B. Galvanik- und Beizereiabwässer) und durch das Ablagern von Produktionsrückständen (diverse Schlämme) wurde der Untergrund verunreinigt und eine Grundwassergefährdung verursacht.

Die Untersuchung von Feststoffproben ergab, dass der Untergrund an zahlreichen Stellen mit Kohlenwasserstoffen verunreinigt war. Die Mineralölgehalte im Untergrund waren zum Teil so hoch, dass eine Gefährdung des Grundwassers gegeben war. Andere produktionsspezifische Schadstoffe wie Schwermetalle und Cyanide wurden nur vereinzelt im Untergrund festgestellt, insbesonders im Bereich von Ablagerungen.

Bei Bodenluftuntersuchungen wurde im Bereich einer Schraubenwaschanlage eine lokal begrenzte Untergrundkontamination mit chlorierten Kohlenwasserstoffen nachgewiesen.

Die Grundwasseruntersuchungen zeigten, dass an allen Stellen, an denen Grundwasserproben genommen wurden, zumindest zeitweise Kohlenwasserstoffe feststellbar waren. Auffallend war, dass bereits grundwasserstromauf des Werksgeländes Kohlenwasserstoffe im Grundwasser gefunden wurden. Es war daher anzunehmen, dass bereits grundwasserstromauf des Werksgeländes ein Eintrag von Kohlenwasserstoffen ins Grundwasser stattfand.

Die höchsten Mineralölgehalte wurden in Grundwasserproben festgestellt, die innerhalb des Werksgeländes genommen wurden. Die festgestellte Kontamination des Untergrundes mit Mineralöl verursachte eine Grundwasserbeeinträchtigung, die sich auf den Bereich des Werksgeländes beschränkt.

Durch den Vergleich der Ergebnisse der Untersuchung von Grundwasserproben aus dem Grundwasseroberstrom und dem Grundwasserabstrom zeigte sich, dass auch anhand der Untersuchungsparameter Sulfat und Kalzium ableitbar war, dass im Bereich des Werksgeländes das Grundwasser beeinträchtigt wurde.

Eine Grundwasserbeeinflussung durch Schwermetalle, Cyanide und chlorierte Kohlenwasserstoffe wurde nicht festgestellt.

Zusammenfassend war festzustellen, dass am Standort der Schmid Schraubenwerke in Landsthal der Untergrund an mehreren Stellen mit Mineralöl kontaminiert war. Punktuell waren hohe Schadstoffgehalte, auch bei anderen Schadstoffen (z.B. Schwermetalle) im Untergrund anzutreffen. Die festgestellte Untergrundkontamination verursachte eine Beeinträchtigung des Grundwassers im Bereich des Werksgeländes mit Kohlenwasserstoffen und eine Beeinträchtigung des Grundwasserab-strombereiches mit Sulfat. Eine großräumige Grundwasserbeeinträchtigung war nicht anzunehmen.

Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen

Seit 1996 wurden folgende Maßnahmen in Zusammenhang mit der Sanierung der Altlast in Etappen durchgeführt:

  • Errichtung eines abstromigen Drainagegrabens und einer Mineralölreinigungsanlage
  • Aushub und Entsorgung kontaminierten Untergrundes im Bereich des Schrottlagerplatzes
  • Aushub und Entsorgung der Ablagerungen und des kontaminierten Untergrundes im Bereich des Sickerbeckens III
  • Reinigung und teilweiser Abbruch von kontaminiertem Mauerwerk
  • In-situ Verfestigung kontaminiertem Untergrundes im Bereich des Sickerbeckens II und Galvanik/ChromatierungSicherung des Grundwassers durch Betrieb von Sperrbrunnen und Reinigung des entnommenen Wassers

Beurteilung der Sanierungsmaßnahmen

 Durch die Räumung des kontaminierten Untergrundes im Bereich Schrottlagerplatz und der Ablagerungen im Bereich Sickerbecken III ist eine Reduktion des Schadstoffpotenzials im Bereich des Altstandortes erfolgt. Durch die Verfestigung des kontaminierten Untergrundes im Bereich des Sickerbecken II, der Galvanik und der Chromatierung wurden die Schadstoffemissionen in das Grundwasser reduziert.

 In Teilbereichen des Altstandortes sind noch Restkontaminationen im Untergrund vorhanden, die eine deutliche Beeinflussung der Grundwasserqualität verursachen. Auf Grund der laufenden Sicherungsmaßnahmen wird die Ausbreitung der Kohlenwasserstoffbelastungen im Grundwasser begrenzt. Die von den Sicherungsmaßnahmen nicht erfassten kontaminierten Bereiche stellen keine erhebliche Gefahr für das Grundwasser dar.

 Zusammenfassend ergibt sich, dass im Bereich des Altstandortes noch erhebliche Kontaminationen des Untergrundes vorhanden sind, dass jedoch unter Berücksichtigung der laufenden Sicherungsmaßnahmen keine erhebliche Gefahren für das Grundwasser bestehen. Die Altlast kann daher als gesichert bewertet werden.

 

Datum der Texterstellung: November 2004